So, 19. November 2017

Russe (44) in Haft

17.04.2015 16:40

Ex-Frau: „Aslan ist kein Mafiakiller“

Sechs Morde soll er verübt, Dutzende in Auftrag gegeben haben - als angeblicher Boss einer Mafiabande stand Aslan G. auf der Fahndungsliste der Russen ganz oben. Im Jänner klickten für ihn schließlich in Wien die Handschellen. Der 44-Jährige weist aber alle Vorwürfe zurück - die Anschuldigungen seien erfunden, er das Opfer politischer Intrigen. Was seine seit Jahren in Wien lebende Ex-Frau und Mutter zweier gemeinsamer Kinder im Interview mit der "Krone" bestätigt. Nikolaus Rast, der Anwalt des Verdächtigen, kämpft verbissen gegen eine Auslieferung.

"Krone": Frau R., trotz der Vorwürfe sind Sie von der Unschuld Ihres Ex-Mannes überzeugt?
R.: Ja absolut! Das ist jeder, der Aslan kennengelernt hat. Er ist kein Mafiakiller - er war ein Robin Hood!

"Krone": Wieso das?
R.: Er war ein erfolgreicher Unternehmer, hat sich aber stets um jene gekümmert, die es nicht so gut hatten. Oftmals mehr als um uns, seine eigene Familie.

"Krone": Und warum sollte Russlands Justiz dann solche Anschuldigungen erfinden?
R.: Um ihn loszuwerden. Nach einem Terroranschlag in unserer Heimatregion haben sich Politiker Millionen an Spendengeldern in die eigenen Taschen gesteckt. Aslan hat die Sache auffliegen lassen - und wurde so zum roten Tuch, vorübergehend gar verhaftet und gefoltert.

"Krone": Wann und warum haben Sie sich eigentlich getrennt?
R.: Er hat nie aufgehört, die Behörden zu ärgern. Drohungen standen auf der Tagesordnung. Ich hatte Angst um unsere Kinder und habe Russland und Aslan 2008 verlassen. Er wollte einfach nicht davonlaufen.

"Krone": Gab es weiter Kontakt?
R.: Er liebt seine Kinder und hat uns auch auf der Flucht regelmäßig in Wien besucht.

"Krone": Wussten Sie, dass er polizeilich gesucht wurde?
R.: Nein. Nur dass Russland alles dafür tut, ihn aus dem Weg zu räumen. Allerdings hat Aslan damit gerechnet, getötet und nicht festgenommen zu werden. Deswegen hat er die Monate vor seiner Verhaftung auch als U-Boot in Wien gelebt.

"Krone": Wie geht es jetzt weiter, Herr Rast?
Nikolaus Rast: In erster Linie muss die Auslieferung verhindert werden. Überlässt die Justiz Aslan G. den Russen, schickt sie ihn in den Tod. Ich glaube nicht, dass Österreich dies verantworten möchte. Ein nun in Auftrag gegebenes Gutachten des Gerichtsmediziners Christian Reiter beweist, dass G. einst schon gefoltert wurde.

Auszug aus dem Gutachten: "Die geschilderten Misshandlungen lassen sich gut mit den besichtigten Narben in Einklang bringen... Die Dehnungsrisse im Bereich der Vorderränder der Achselhöhle lassen sich sehr gut und fast nur ausschließlich durch ein länger dauerndes Aufhängen bzw. freies Hängen an den Armen erklären (...), sodass aus gerichtsmedizinischer Sicht eine im Jahr 2004 stattgefundene Folterung realistisch und nachvollziehbar erscheint."

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden