Do, 24. Mai 2018

Zoff um Team-Arzt

17.04.2015 15:18

Guardiola: "Ich bin verantwortlich, nicht der Doc"

Vor dem drohenden Aus in der Champions League vergrößert der spektakuläre Rücktritt von Klub-Ikone Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die Turbulenzen beim deutschen Rekordmeister Bayern München. Bayern-Trainer Pep Guardiola, der seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren mehrmals mit dem Klubarzt aneinandergeraten war, sprach am Freitag von "großem Respekt" für Müller-Wohlfahrt, konnte sich einen Seitenhieb aber nicht verkneifen...

Der langjährige Vereinsarzt hielt sich am Tag nach seinem einschneidenden Schritt mit einer Stellungnahme zurück. "Ich will noch nichts sagen, es ist noch zu früh. Ich werde mich noch äußern, aber nicht heute", sagte Müller-Wohlfahrt am Freitag.

Die Bayern nahmen den Rücktritt in einer Neun-Zeilen-Erklärung "mit Bedauern" zur Kenntnis und kündigten "zeitnah" eine Entscheidung über die Nachfolge an. Vorerst werde der Orthopäde und Unfallchirurg Volker Braun das Team des derzeit verletzten Österreichers David Alaba bei den Spielen betreuen - der Mediziner arbeitete zuletzt bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga.

Die Nachwehen des ernüchternden 1:3 im Champions-League-Spiel beim FC Porto sorgten für den überraschenden Schritt von Müller-Wohlfahrt am Donnerstagabend. Der Nationalmannschaftsarzt begründete seinen Rücktritt mit den Vorkommnissen nach dem Viertelfinal-Hinspiel. "Aus uns unerklärlichen Gründen" sei die medizinische Abteilung "für die Niederlage hauptverantwortlich gemacht" worden sein, hieß es in der Mitteilung. Man sehe dadurch das für eine erfolgreiche medizinische Arbeit notwendige Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt.

Dauerkonflikt mit Guardiola
Als Hauptgrund gilt der Dauerkonflikt mit Trainer Pep Guardiola. Das zerstörte Vertrauensverhältnis ist - auf jeden Fall kurzfristig - nicht zu kitten. Fast vier Jahrzehnte war Müller-Wohlfahrt im Amt, kurz unterbrochen wurde dessen Wirken bei den Bayern nur nach Ärger in der nur zehn Monate währenden Amtszeit von Jürgen Klinsmann in der Saison 2008/09.

Guardiola wertete den Rücktritt als persönlichen Entschluss. "Es war seine Entscheidung", sagte der Coach des Bundesligisten bei einer Pressekonferenz am Freitag. "Ich habe großen Respekt, ich kann diese Entscheidung nur respektieren." Trotzdem ließ der Spanier durchklingen, dass ihn mit Müller-Wohlfahrt wohl keine enge Freundschaft verband.

Guardiola: "Es ist meine Verantwortung"
"Wenn wir verlieren, ist es meine Verantwortung - immer", sagte Guardiola. Danach kämen die Spieler, "nicht der Vorstand, nicht die Physiotherapeuten, nicht die Ärzte". Verletzungen passierten eben, und natürlich habe er beim DFB-Pokal-Viertelfinale in Leverkusen nach Mehdi Benatias Ausscheiden nicht ironisch in Richtung Ärzte-Abteilung geklatscht. "Es war meine persönliche Enttäuschung. Er hat sich verletzt", dafür könne Müller-Wohlfahrt nichts. "Das ist Fußball, das ist das Leben."

Das Verhältnis zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt war weit mehr als angespannt. Vor allem bei der Behandlung des über ein Jahr verletzten Spaniers Thiago gab es hinter den Kulissen mächtig Ärger. Zwar beteuerten sowohl Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als auch Sportvorstand Matthias Sammer, dass es keine Probleme gebe. Aber alleine das Mimik- und Gestenspiel des katalanischen Starcoaches während einiger Bayern-Spiele stellte den gestandenen Mediziner doch auch bloß.

Kabinenzoff nach Porto-Pleite?
Spekuliert wurde im Rahmen des Rücktritts in Medien auch darüber, dass es nach der Pleite in Porto am Mittwoch zu einer Diskussion in der Kabine zwischen Rummenigge und Müller-Wohlfahrt gekommen sein soll. Klar ist: Den vom Verletzungspech verfolgten Bayern passen die vielen Ausfälle nicht. Befeuert wurde die Situation durch den langwierigen Ausfall von Franck Ribery nach dem Donezk-Spiel im März. Nach dessen Knöchelverletzung wurde zunächst nur eine kurze Pause bekannt gegeben, jetzt fehlt der Franzose immer noch.

Bayern-Stars halten Müller-Wohlfahrt wohl die Treue
Guardiola verwies zuletzt bei Nachfragen zum Gesundheitszustand stets kurz angebunden auf den Arzt. Dieser selbst wiederum hielt sich mit öffentlichen Einschätzungen betont zurück. Die Bayern-Stars vertrauen Müller-Wohlfahrt aber weiter, dürften ihn auch nach seinem Ende auf der offiziellen Position in seiner Praxis im Herzen der Stadt aufsuchen. Es gilt beim Klub das Recht der freien Arztwahl.

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