Fr, 25. Mai 2018

Aktivistin abgeführt

15.04.2015 17:51

Frau stürmte Podium bei Draghi-Pressekonferenz

Schock-Moment für Mario Draghi: Ausgerechnet in der extrem gesicherten Europäischen Zentralbank ist Europas oberster Währungshüter von einer Aktivistin aus dem Konzept gebracht worden. Gerade als der Italiener die Zinsentscheidung der Notenbank vor Journalisten erläutern wollte, sprang die junge Frau aufs Podium, bewarf Draghi mit Konfetti und rief laut auf Englisch "Stoppt die EZB-Diktatur".

Auf dem schwarzen T-Shirt der Aktivistin prangte die vulgäre englische Aufschrift: "End the ECB Dick-Tatorship". Hinweise, wonach sie zur Aktivistinnengruppe Femen gehört, wurden aus offiziellen Quellen zunächst nicht bestätigt. Femen selbst bekannte sich auf Twitter allerdings zu der Aktion.

Personenschützer führten Draghi umgehend aus dem Raum, die Frau wurde indes festgehalten und abgeführt. Nach einer kurzen Unterbrechung setzte Draghi seine Ausführungen fort. Wie die Frau in das Gebäude gelangt war, konnte die EZB zunächst nicht beantworten. Nach Angaben der Frankfurter Polizei handelt es sich um eine 21 Jahre alte politische Aktivistin aus Hamburg. Die aus der Ukraine stammende Gruppe Femen kämpft - meist mit nackten Brüsten - immer wieder für Frauenrechte und gegen Sexismus. Die EZB kann nun entscheiden, ob sie Anzeige erstattet oder nicht.

Draghi "überrascht von der Aufmerksamkeit"
Draghi ließ sich von der Aktion scheinbar nicht beeindrucken und kehrte nach einer kurzen Pause an das Mikrofon zurück. Er sei "überrascht von der Aufmerksamkeit", die den Spekulationen um einen möglichen früheren Ausstieg der EZB aus dem Anleihenkaufprogramm zuteil würden, sagte Draghi und bekräftigte, dass das Programm bis Ende September 2016 laufen werde - in jedem Fall so lange, bis eine "nachhaltige Entwicklung" der Inflation zu erkennen sei.

Ihm käme es so vor, als ob er während eines Marathons nach einem Kilometer gefragt werde, ob der Lauf bald vorbei sei. Das seit März laufende Programm zeige Wirkung, sagte Draghi. Die Konjunkturaussichten hätten sich verbessert und das Programm werde zu einer weiteren Verbesserung beitragen. Nun liege der Fokus auf der "vollen Umsetzung" der Maßnahmen, sagte er.

EZB hält Geldschleusen weit geöffnet
In der Geldpolitik hält die EZB Kurs und lässt ihre Geldschleusen weit geöffnet: Der Leitzins im Euro-Raum bleibt auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Geschäftsbanken können sich somit extrem günstig mit Zentralbankgeld versorgen. Die Währungshüter um Draghi versuchen die Konjunktur auch mit ihrem gewaltigen Kaufprogramm anzuschieben, das seit 9. März läuft: Monatlich 60 Milliarden Euro sollen vor allem in Staatsanleihen - aber auch in Pfandbriefe und forderungsbesicherte Wertpapiere - investiert werden, insgesamt 1,1 Billionen Euro bis September 2016. Bis zum 10. April erwarb die EZB in diesem Rahmen Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 61,7 Milliarden Euro.

"Es gibt eindeutige Hinweise, dass unsere Maßnahmen wirken", betonte Draghi und verwies auf bessere Kreditbedingungen für Unternehmen und private Haushalte sowie einen Anstieg der Kreditnachfrage. Genau das beabsichtigt die EZB mit ihrer Geldflut: Das frische Zentralbankgeld kommt im Idealfall über die Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an. Das könnte Investitionen und Konsum anschieben und so die Konjunktur in Schwung bringen.

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