Do, 23. November 2017

Aus für Projekte

14.04.2015 20:47

Regierungs-Doktrin stellt das Land auf den Kopf

Die Salzburger Landesregierung hat entschieden: Die Erweiterung des Europark ist vom Tisch, rotes Licht gibt es auch für die Möbelkette Lutz und das Outlet Center. Kleinen Landprojekten wurde dafür statt gegeben.

Die Entscheidung fiel über Nacht – die "Krone" hatte es schon angekündigt: Die Landesregierung mit ihren Spitzen Wilfried Haslauer, Astrid Rössler und Hans Mayr setzt dem fast ungebremsten Wachstum von Einkaufszentren einen nicht mehr beeinspruchbaren Riegel vor – und es trifft die drei großen: Nein zur Erweiterung des Europarks um 11.300 qm, Nein zum Ausbau beim Designer Outlet um 14.630 qm, Nein zu einem neuen, 13.000 qm großen XXXLutz in St. Johann sowie ein Projekt der Privatstiftung Kreuzberger in Bischofshofen. Was die federführende Rössler zu einem rhetorischen Ausflug in die Botanik veranlasste: "Es geht nicht nur um drei Mammutbäume, sondern auch um den ganzen Wald, der überleben muss." Sprich: Drei und mehr Shoppingtempel ziehen laut einer heftig kritisierten wie gelobten CIMA-Studie so viel Kaufkraft aus der Region ab, dass Gemeinden um ihre Ortszentren und um die damit verbundenen Arbeitsplätze nicht nur im Einzelhandel fürchten müssen.

14 von 20 Projekten entgingen der "Doktrin"
Sechs von insgesamt 20 Erweiterungswünschen wird nicht stattgegeben, Berufung ist laut Gesetz zwecklos. 14 kleinere Bauprojekte, vor allem Nahversorger- und Verbrauchermärkte sowie Lagerhäuser in Gemeinden wie Obertrum, Elsbethen, Piesendorf, Großarl, Altenmarkt, Mattsee und St. Gilgen haben es durch die schwarz-grün-gelbe "Doktrin" gerade noch geschafft, wenn auch teilweise mit Einschränkungen.

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: Schließlich geht es um "tolle Unternehmen" wie Spar, Lutz und das DOC: "Aber wo sind die Grenzen des Wachstums? Wir halten uns an das Regierungsprogramm, die Regierung trägt die Entscheidung einheitlich mit. Wir wollen die Zersiedelung eindämmen, den überbordenden Flächenbedarf einschränken und haben ein restriktives Vorgehen bei großen Verkaufsflächen zum Ziel. So wollen wir die regionalen Orts- und Stadtkerne stärken", sagte Wilfried Haslauer stellvertretend für Rössler und Mayr.

Bewusst sei allen, dass das vielerorts wenig Sympathie auslösen wird, aber es war "eine Entscheidung, kein Kompromiss." Lohnt es sich also überhaupt noch, in Salzburg zu investieren? "Ja, aber mit Maß und anhand des tatsächlichen Bedarfs", lautet die Antwort. Dementsprechend gehen nun die Wogen im Europark, bei der AK, SPÖ, FPÖ, den Bürgermeistern und Gewerkschaftern hoch: "Es ist erschütternd, dass in diesem Land ein Beratungsunternehmen beauftragt wird, dessen wissenschaftliche Methoden bereits mehrfach in Frage gestellt wurden", reagierte Europark-Chef Marcus Wild verärgert.

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