Fr, 17. November 2017

Chip-Exportverbot

14.04.2015 11:20

USA sabotieren schnellsten Supercomputer der Welt

Mit dem Tianhe-2 verfügt China über den schnellsten Computer der Welt. Seine Rechenleistung von fast 55 Petaflops ist doppelt so hoch wie jene des zweitschnellsten Supercomputers, des von den USA betriebenen Titan. Eigentlich wollte China Tianhe-2 heuer weiter ausbauen und erstmals die 100-Petaflops-Schallmauer knacken. Wegen des Einschreitens der US-Regierung wird daraus jedoch nichts: Intel darf China nicht mehr mit den für den Tianhe-2-Ausbau benötigten Xeon-Prozessoren beliefern.

Grund für das Exportverbot bei Serverprozessoren, das die USA über den Chipriesen verhängt haben, sind Befürchtungen der US-Regierung, die enorme Rechenleistung von Tianhe-2 werde für die Atomwaffenforschung verwendet.

Wie das IT-Magazin "PC World" berichtet, wurden vier chinesische Supercomputer-Standorte von den USA auf eine schwarze Liste gesetzt. Einer von ihnen: Chinas Nationale Universität für Verteidigungstechnologie im südchinesischen Guangzhou, der Standort von Tianhe-2.

Die Betreiber von Tianhe-2 sollen nicht mehr mit Xeon-Prozessoren beliefert werden, was den Ausbau des Rechners empfindlich verzögert. "Ich denke, die USA wollen nicht, dass Tianhe-2 100 Petaflops erreicht", klagt Zhang Yungquan, ein Professor am Institut für Software der chinesischen Akademie der Wissenschaften, im Gespräch mit der "Computerworld".

Tianhe-2-Ausbau wäre prestigeträchtig
Die Betreiberuniversität hinter dem laut Top-500-Liste weltweit schnellsten Supercomputer hat sich noch nicht zum US-Exportstopp für Xeon-Chips geäußert, dürfte aber ebenfalls nicht erfreut über den Schritt der US-Regierung sein.

Hätte der Ausbau von Tianhe-2 heuer geklappt, wäre China das erste Land der Erde gewesen, das einen 100-Petaflop-Supercomputer besitzt. Es wäre eine prestigeträchtige Errungenschaft für den erst spät industrialisierten Riesenstaat. Geforscht wird an solchen Supercomputer-Kapazundern zwar auch außerhalb Chinas, in den USA werden 100-Petaflop-Computer aber erst 2017 erwartet.

China dürfte nun Chipforschung intensivieren
Bislang hält sich China mit Reaktionen auf den US-Exportstopp zurück, das Reich der Mitte dürfte im Hintergrund jedoch bereits an Strategien arbeiten, um die Abhängigkeit von US-amerikanischen Zulieferern zu verringern. "China ist nun gezwungen, seine eigene Chip-Technologie zu entwickeln", sagt Informatikprofessor Zhang. Eigentlich wolle man bei Supercomputer-Projekten wie dem Tianhe-2 zwar mit den USA zusammenarbeiten, unter den gegebenen Bedingungen könne man das aber nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hightech-Produkte zu einem Zwist zwischen China und den USA führen. Bereits vor drei Jahren sorgte ein Importstopp der USA für Mobilfunktechnik von Huawei und ZTE für Unmut in der chinesischen Hightech-Branche. In den USA standen die Produkte unter Spionageverdacht, es wurde über Verbindungen der Unternehmen zur Volksbefreiungsarmee gemutmaßt. Huawei widersprach den Vorwürfen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden