Mi, 23. Mai 2018

Familie prangert an

09.04.2015 22:47

Polizeigewalt in den USA: "Etwas muss sich ändern"

Die Familie des von einem weißen Polizisten erschossenen Afroamerikaners Walter Scott hat die Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten angeprangert. "Etwas wird sich ändern, etwas muss sich ändern", sagte der Bruder des Opfers, Anthony Scott, am Donnerstag. Polizisten müssten zweimal überlegen, "bevor sie ihre Waffen abfeuern und Leute niederschießen". Die Familie hoffe, dass der Tod des 50-Jährigen zu einem Sinneswandel bei der Polizei führt. Unterdessen wurde bekannt, dass der Polizist schon einmal übermäßige Gewalt angewandt hatte.

"Wir wollen nicht, dass er einfach ein weiteres Opfer ist. Irgendetwas muss getan werden", sagte Anthony Scott, dessen Bruder am Wochenende von dem Polizisten Michael Slager erschossen worden war. Ein am Dienstag veröffentlichtes Handyvideo eines Passanten zeigt, wie Slager nach einem Handgemenge dem fliehenden Schwarzen mehrmals in den Rücken schießt. Die Staatsanwaltschaft erhob Mordanklage gegen den 33-jährigen Beamten, der am Mittwoch aus dem Polizeidienst entlassen wurde.

Musste Scott wegen defekten Rücklichts sterben?
Offenbar war Scott von der Polizei gestoppt worden, weil eines der Rücklichter seines Autos nicht funktionierte. Der Vorfall befeuerte die Debatte über exzessive Gewaltanwendung und die Diskriminierung von Afroamerikanern durch Polizisten in den USA. Die Stadt North Charleston im Bundesstaat South Carolina kündigte als Konsequenz die Anschaffung von mehr als 100 Körperkameras für ihre Polizeitruppe an.

Der Anwalt von Scotts Familie begrüßte die Entscheidung. "Das bedeutet einen Schutz für die Polizisten und die Bürger", sagte Chris Stewart. Der Anwalt erklärte, die Amateuraufnahmen des Vorfalls seien der "Wendepunkt" des Falls gewesen, der die Festnahme des Polizisten ermöglicht habe. "Die ganze Welt" habe aus erster Hand erfahren können, "welches Unrecht jemanden widerfahren kann". Scott soll am Samstag beerdigt werden.

Gewaltvorwurf gegen Polizist schon vor Todesschüssen
Der weiße US-Polizist, der dem flüchtenden Afroamerikaner in den Rücken geschossen und ihn damit getötet hatte, musste sich bereits vor einiger Zeit wegen übermäßiger Gewalt gegen einen Schwarzen verantworten. Das geht aus einer Beschwerde in der Personalakte des mittlerweile wegen Mordes angeklagten 33-Jährigen hervor.

2013 war Slager demnach in North Charleston mit einem Kollegen zu einem Einbruch gerufen worden. Die Betroffene führte die Polizisten zum Haus des mutmaßlichen Täters, wo ein wohl Unbeteiligter an der Tür erschien. Obwohl die Frau klarstellte, dass dieser nicht der gesuchte Einbrecher sei, sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, woraufhin Slager seinen Elektroschocker einsetzte - so berichteten es eine Augenzeugin und der Betroffene, der später die Beschwerde einbrachte. Slager habe ihm grundlos einen Schock verpasst und ihn geschlagen und gezerrt, so der Mann. Der zweite Polizist sagte dagegen, Slager habe den Taser einsetzen müssen, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

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