Sa, 16. Dezember 2017

"Zu viele Hürden"

09.04.2015 08:54

Bezahlen mit dem Handy: Experte zweifelt an Erfolg

Dass Apple in seine Mobiltelefone einen Chip für das kontaktlose Bezahlen einbaut, wird von einigen Experten als Startschuss einer Revolution gefeiert. In einigen Jahren werde das Handy beim Bezahlen die Kreditkarte verdrängen, lautet ihre Prognose. Der Schweizer Bankexperte Constantin Bregulla zweifelt jedoch daran.

Bregulla ist bei der UBS für das Kreditkartengeschäft zuständig und damit auch ein intimer Kenner der Bezahlgewohnheiten der Schweizerinnen und Schweizer. Aus dieser Erfahrung heraus weiß er, dass Kunden technologische Neuerungen nur dann annehmen, wenn sie ihnen mindestens gleich viel bieten wie das bisherige System.

Beim Bezahlen mit dem Mobiltelefon sei das bis jetzt noch nicht der Fall, wie er an einer Veranstaltung der IG Schweizer Kartenanbieter am Mittwoch in Zürich sagte. "Versuchen Sie doch einmal, mit einem Handy an einem Bankomat Geld zu beziehen oder in einem Hotel einzuchecken."

"Hürden und Herausforderungen viel zu groß"
Bregulla ist zwar überzeugt, dass sich das sogenannte kontaktlose Bezahlen mit einem NFC-Chip durchsetzen wird. "Aber es wird keine marktumwälzende Revolution geben", sagte er. Dazu seien die Hürden und die Herausforderungen sowohl für die Anbieter wie für die Kunden viel zu groß.

Die größte Hürde auf der Kundenseite sei dabei die Gewohnheit. Weil es beim kontaktlosen Bezahlen um eine alltägliche Tätigkeit gehe, brauche es eine ziemlich große Verhaltensänderung der Kunden. "Und solche finden erfahrungsgemäß nur langsam statt." Zudem müsse eine neue Bezahllösung bequem, sicher und transparent sein.

Bei der Bequemlichkeit geht es zum Beispiel darum, an wie vielen Orten man mit der neuen Lösung bezahlen kann. Das Technologieunternehmen Mastercard hat zwar in der Schweiz bereits die Hälfte der insgesamt 100.000 Bezahlstationen mit NFC-Lesern ausgerüstet. In den USA dagegen ist das erst bei einem Bruchteil der Stationen der Fall.

"Herkulesaufgabe"
"Eine neue Bezahllösung aufzubauen ist eine Herkulesaufgabe", so Bregulla. Eine zudem, die jederzeit scheitern könne. "Beim mobilen Bezahlen gab und gibt es viele Projekte. Keines hat sich bis jetzt jedoch durchgesetzt." Das gelte selbst für die NFC-Technologie. Mastercard habe bereits 2002 NFC eingeführt. 14 Jahre später werde jedoch erst ein Prozent der Käufe damit getätigt.

Bregulla geht jedoch davon aus, dass sich NFC in den nächsten Jahren weiter verbreiten wird. Dabei werde das Wachstum jedoch vor allem von den Kreditkarten stammen, weil dies zurzeit für die Kunden die am wenigsten aufwendige Lösung sei. Ob das Mobiltelefon danach tatsächlich wie von einigen vorausgesagt das Portemonnaie und die Kreditkarte ablösen werde, bleibe offen. Für die nähere Zukunft jedoch sei das eine Illusion.

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