So, 27. Mai 2018

Putin schlimmer?

06.04.2015 11:42

Lukaschenko: "Nicht mehr Europas letzter Diktator"

Weißrusslands Machthaber Alexander Lukaschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin: Zwischen die beiden passt normalerweise kaum ein Blatt Papier. Nun scheint Lukaschenko, der seit seinem Amtsantritt 1994 gemeinhin als "letzter Diktator Europas" bezeichnet wird, von seinem mächtigen Freund im Osten abzurücken. Aufgrund der zunehmenden internationalen Isolation Putins im Zuge der Ukraine-Krise sieht er den Kremlchef gar schon als zweites Mitglied im erlauchten europäischen Diktatorenkreis, sagte Lukaschenko am Sonntag in einem Interview.

In dem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg ist eine gehörige Portion Schadenfreude herauszuhören. Lukaschenko, der die Zügel in seinem verarmten Land seit einem mehr als 20 Jahren fest in der Hand hat, feixt dabei sowohl in Richtung Putin als auch an die Adresse des Westens, der ihm - gemeinsam mit der unterdrückten Opposition im eigenen Land - das zweifelhafte Prädikat des "letzten Diktators" umgehängt hat. Nun sagt Lukaschenko: "Ich bin nicht mehr der letzte Diktator Europas. Es gibt Diktatoren, die ein wenig schlimmer sind als ich, nicht wahr? Ich bin jetzt das kleinere Übel."

Krise im Nachbarland: "Das Schlimmste steht noch bevor"
Erst jüngst hatte Lukaschenko - damals noch mit tatkräftiger Hilfe Putins - versucht, die Isolation Weißrusslands zu durchbrechen, und in der Hauptstadt Minsk zu zwei Ukraine-Gipfeln geladen. Die beiden Treffen endeten mit Waffenstillstandsabkommen, die jeweils nach nur wenigen Stunden gebrochen wurden. Nun sagt der 60-Jährige, der sich bei den hochrangigen Beratungen noch als Friedensbringer positionieren wollte: "Das Misstrauen zwischen der ukrainischen Regierung und den prorussischen Separatisten ist so groß, dass ich fürchte, das Schlimmste steht noch bevor. Das kann alles in einem Krieg enden."

Lukaschenkos Lösungsansatz mutet überraschend an - und liegt so gar nicht auf Putin-Linie: Die USA sollten sich stärker einbringen, sagt er. Dass Washington nicht an den Minsker Friedensverhandlungen teilgenommen habe, sei "besorgniserregend".

Putin in Ukraine-Frage "emotional"
Und wie steht Lukaschenko aktuell zu Putin? Einerseits verteidigt er seinen mächtigen Amtskollegen gegen den Vorwurf, dieser wolle die Sowjetunion wiedererrichten. Andererseits wirft er ihm vor, in internationalen Krisen - besonders im Fall Ukraine - "emotional" zu agieren.

Die deutlichsten Worte findet Lukaschenko auf die Frage, ob er einen russischen Imperialismus fürchte, der sein Land als "Nordwestprovinz" betrachte und eine Annexion Weißrusslands nach Vorbild der Krim anstrebe: Es gebe solche Kräfte in Russland, sogar "viele Leute", so Lukaschenko. Doch seine Nation werde "bis zum letzten Mann kämpfen", um die Unabhängigkeit Weißrusslands zu verteidigen. "Wer auch immer mit einem Schwert in unser Land eindringt, wird von einem Schwert getötet werden."

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