Sa, 25. November 2017

Mutter geschockt

03.04.2015 19:47

22-Jähriger: „So entkam ich der Todeslawine“

Während sie ihre Steigeisen auszogen, sind am Mittwoch zehn Österreicher und ein Südtiroler in Frankreich von einer Lawine erfasst worden. Drei Menschen starben, einer schwebt in Lebensgefahr. Das Drama überlebt hat Michael Zwölfer (22) aus Lermoos in Tirol, der seiner Mutter den Hergang schilderte: "So entkam ich der Todeslawine."

Maria Zwölfer ist eine von nur elf Bürgermeisterinnen der 279 Tiroler Gemeinden. Sie ist Chefin des knapp 1.100 Einwohner zählenden Ortes Lermoos. "Am Mittwochabend hat mir Michael nur kurz eine SMS geschickt, dass er lebt. Mehr nicht. Erst am Donnerstagabend konnte ich mit ihm telefonieren." Dabei schilderte der 22-jährige Student der Physik seiner Mutter ausführlich das Todesdrama und wie er entkommen konnte. Zwölfer berichtet der "Krone": "Mein Sohn war nur teilweise verschüttet. Er zog sich gerade die Steigeisen aus, als die Lawine abging und ihn mitriss. Er wollte aus der Lawine laufen, wurde aber trotzdem erfasst. Mit Schwimmbewegungen - so wie er es in den Kursen des Alpenvereins gelernt hatte - versuchte er sich an der Oberfläche zu halten."

"Ich befand mich am Rand der Lawine"
"Mein Glück war, dass ich mich am Rand der Lawine befand, Mama. Nur so konnte ich überleben", berichtete der 22-Jährige seiner Mutter weiter. "Als die Lawine zum Stillstand kam, sah er Schneeschollen in Größe von Bussen vorbeidonnern. Trotz des Schocks hat er dann mit den übrigen Mitgliedern sofort begonnen, die Kameraden zu bergen. In fünf Minuten waren alle ausgegraben, leider waren drei schon tot. Michael hatte vergangenen Samstag vor der Abfahrt nach Frankreich die Prüfung zum Landesskilehrer bestanden, seine Freunde warteten extra auf ihn und fuhren gemeinsam los", so die geschockte Tirolerin.

Die Überlebenden des Unglücks - die Teilnehmer des Projekts "Junge Alpinisten" des Alpenvereins und die zwei Bergführer - wurden auch am Freitag erneut von der französischen Alpingendarmerie einvernommen. Sie traten schließlich am Abend mit drei Kleinbussen die Heimreise nach Österreich an, sagte der Generalsekretär des Alpenvereins, Robert Renzler. Laut seinen Angaben befanden sich unter den heimreisenden Überlebenden auch die beiden Bergführer, gegen die die Staatsanwaltschaft in Frankreich Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen hatte.

Der Zustand jenes Lienzers, der das Unglück überlebt hat, ist weiterhin kritisch. Er liegt in der Intensivstation des Krankenhauses Grenoble, seine Eltern sind bei ihm. "Ich bin natürlich froh, dass mein Sohn überlebt hat. Aber mein Mitgefühl gilt den Familien der Opfer - ich weiß, was die zuletzt mitmachen mussten", so Maria Zwölfer.

Auch in Österreich gefährliche Ostern für alle Tourengeher
So wie in Frankreich herrscht auch in Österreich hohe Lawinengefahr. Diese wird durch den Neuschnee noch verschärft. Von Vorarlberg bis Niederösterreich gilt die Warnstufe vier, Experten raten daher von Skiabenteuern ab. "Die Gefahr für Schneebretter ist ähnlich wie im frühen Hochwinter und entspricht nicht den Bedingungen einer Osterskitour", warnt Bernhard Niedermoser vom Salzburger Lawinenwarndienst.

Und der Pielachtaler Naturfreunde-Experte und Extrembergsteiger Peter Kalteis - er hat auch schon einige Fünftausender bestiegen - ruft zur Vorsicht auf: "Statt herrlichen Firnschnees und Touren, die man deshalb immer zu Ostern geht, herrschen im alpinen Gelände derzeit tiefwinterliche Verhältnisse. Und das bedeutet allerhöchste Alpingefahr für alle Freizeitsportler." In Tirol wurde im Vorfeld der Osterfeiertage sogar vom "gefährlichsten Lawinenwochenende dieses Winters" gewarnt. Und sogar im etwas flacheren Osten, in Niederösterreich, zeigt die Skala "erhebliches Risiko" an.

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