Di, 22. Mai 2018

Jubel im Iran

03.04.2015 09:21

Netanyahu: "Atom-Deal gefährdet Überleben Israels"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sieht durch die Atomvereinbarung mit dem Iran sein Land bedroht. Ein finales Abkommen auf der Basis des am Donnerstag vereinbarten Rahmenabkommens "würde das Überleben Israels gefährden", sagte Netanyahu nach Angaben seines Sprechers in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama. Jener wiederum betonte die Sicherheitsverpflichtungen der USA - und der Iran feiert.

Die beiden Politiker telefonierten in der Nacht zum Freitag miteinander. Das Abkommen ermögliche dem Iran die Entwicklung von Atomwaffen und erhöhe die Risiken eines "furchtbaren Kriegs", erklärte Netanyahu.

Obama sagte nach Angaben des Weißen Hauses bei dem Gespräch zu Netanyahu, bei dem Rahmenabkommen handle es sich um einen "wichtigen Fortschritt" auf dem Weg zu einer langfristigen Lösung, die dem Iran die Möglichkeit der atomaren Bewaffnung nehme. Der US-Präsident sicherte dem israelischen Ministerpräsidenten zudem die Unterstützung der USA für Israels Sicherheit zu. Washington stehe standfest zu seinen Sicherheitsverpflichtungen, hieß es.

Im Schweizer Lausanne hatten sich die Außenminister der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands am Donnerstag mit Teheran auf ein Rahmenabkommen verständigt. Demnach muss der Iran seine Kapazitäten zur Uran-Anreicherung um zwei Drittel kappen und bereits angereichertes Uran verdünnen oder ausführen. Sollten internationale Kontrolleure die Umsetzung der Vorgaben bestätigen, heben EU und USA ihre Wirtschaftssanktionen auf. Ein endgültiges Abkommen soll bis Ende Juni ausgehandelt werden.

Großer Jubel bei iranischer Jugend
"Zarif, danke", "Herr Doktor, Sie haben die Nation stolz gemacht" und "Heute haben Sie die Welt und den Iran ein Stück friedlicher gemacht": Mit diesen und anderen Kommentaren wurde der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif nach der Grundsatzeinigung frenetisch gefeiert.

Nicht nur im Internet, auch auf den Straßen der großen Ballungszentren im Iran stellten die jungen Leute, die mehr als zwei Drittel der Bevölkerung ausmachen, die Sittenwächter vor eine harte Belastungsprobe und äußerten Liebesbekundungen für Zarif: Hupkonzerte, tanzende Frauen, die schon einmal während der Freudensprünge ihr Kopftuch hinters Haar gleiten ließen, und Partystimmung mit westlicher Musik.

Volk steht hinter Regierung, Sittenwächter drücken ein Auge zu
Dass gerade das Lied "Happy" von Pharrell Williams als neue "Nationalhymne" herhalten musste, dürfte die Hardliner doppelt geärgert haben. Erst vor wenigen Monaten war eine Gruppe junger Menschen vorübergehend verhaftet und verurteilt worden, weil sie den Song im Auto laut gehört und dazu getanzt hatten. Außerdem wollte man den ultrakonservativen Kräften zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung die Sanktionen in Zusammenhang mit dem Atomstreit suspendiert haben möchte und daher voll und ganz hinter der Regierung steht.

So kam es auch, dass am Donnerstagabend die sonst so strengen Wächter der islamischen Sitten über vieles hinwegsahen, zumal der Oberste Führer Ali Khamenei selbst hinter Zarif, seinem Präsidenten Hassan Rohani und damit auch hinter der Einigung steht.

Nur wenige Partys in der Islamischen Republik erlaubt
Nur wenige Male hatte es in den vergangenen 15 Jahren solch eine "erlaubte und ausgelassene westliche Party- und Jubelstimmung" auf den Straßen der Islamischen Republik gegeben: zum einen, wenn der Iran im Fußball gewann, besonders dann wenn der Gegner der Erzfeind USA war (wie bei der WM 1998), zum anderen nach dem Wahlsieg von Rohani 2013, der als harte Ohrfeige für die Hardliner galt, und schließlich am Donnerstagabend, als die Einigung im Atomstreit bekannt gegeben wurde.

Die Revolutionsgarden runzeln bereits die Stirn, denn sie fürchten, dass bei einem endgültigen Deal ganze Großstädte im Iran zu Partyzonen umfunktioniert werden. Denn feiern können die Perser.

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