Mo, 20. November 2017

Drohte mit Bombe

30.03.2015 16:09

14-jähriger Dschihadist aus St. Pölten angeklagt

Gegen einen erst 14-jährigen Terrorverdächtigen aus St. Pölten, der unter anderem einen Sprengstoffanschlag am Wiener Westbahnhof geplant haben soll, ist nun Anklage erhoben worden. Das gab Michaela Obenaus, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, am Montag bekannt. Mertkan G. werden die Bildung einer terroristischen Vereinigung und Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat vorgeworfen. Der Prozess soll im Mai stattfinden.

Gesteinigt würde seine Mutter in Afghanistan werden, weil sie ihr Kopftuch nicht trägt. Das sagt der 14-jährige Bub, der derzeit in U-Haft sitzt. Laut Anklagebehörde soll er zudem einer der glühendsten Verehrer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geworden sein – und einen Bombenanschlag auf den Wiener Westbahnhof geplant haben.

Propagandabilder des IS am Laptop
Konkret steht der Verdacht im Raum, dass der Bursche einen exakten Bomben-Bauplan aus dem Internet heruntergeladen und offenbar einen Anschlag auf eine größere Menschenmenge am Wiener Westbahnhof oder entlang der Westbahnstrecke geplant hatte. Zudem wollte er offenbar nach Syrien auszureisen, um sich dem IS anzuschließen. Das soll Mertkan G. auch immer wieder offen verkündet haben. Einen Zwölfjährigen soll er zudem überredet haben, sich ihm anzuschließen, um mit ihm nach Syrien in den Krieg zu ziehen.

Auf dem Laptop des Verdächtigen wurden laut Anklageschrift "unzählige Propagandabilder und -videos des IS, die grausamen Enthauptungen, Massenhinrichtungen, Folterungen und Tötungen von Gefangenen sowie grausam entstellte Darstellungen von Toten beinhalten", gefunden. Auch seine Mutter und selbst ein Imam bezichtigen ihn demnach der Radikalisierung.

Psychiaterin stellt "ungünstige Prognose"
Laut psychiatrischem Gutachten ist der 14-Jährige ein "leichtes Ziel" gewesen. 2007 kam er mit den Eltern als Asylwerber nach Österreich, nach der Scheidung wurde der Vater abgeschoben, Mertkan G. wurde – viel zu früh und unbedarft - in die Verantwortung gestoßen. Die Expertin kommt zu einer "ungünstigen Prognose": Der Bub sei bereits so radikalisiert worden, dass er an seinen Ideen weiter festhält und sie verteidigt - IS-Kämpfer seien keine Terroristen, sondern Kämpfer für Allah, die ein Gläubiger wie er unterstützen müsse.

Verteidiger spricht von "Gedankenspielen"
Sein Anwalt Rudolf Mayer: "Der Westen wird sich etwas überlegen müssen, was man den Versprechungen der Islamisten entgegnet." Die Attentats-Ideen des Burschen seien jedenfalls bloß "Gedankenspiele" gewesen. Ob das so ist, muss nun das Landesgericht in St. Pölten entscheiden. Prozessstart ist am 19. Mai.

Bub war untergetaucht
Der 14-Jährige war im Herbst 2014 erstmals festgenommen worden. Nach einer Haftprüfung wurde er Mitte November - unter Auflagen wie Bewährungshilfe, Schulbesuch und psychologischer Betreuung - enthaftet. Er musste außerdem seinen Pass abgeben und sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Am 13. Jänner tauchte der Jugendliche aus St. Pölten dann plötzlich unter. Nachdem er von der Schule nicht heimgekommen war, erstattete seine Mutter die Abgängigkeitsanzeige. Die Staatsanwaltschaft ordnete in der Folge die Festnahme des Burschen an. Am 16. Jänner wurde der 14-Jährige in Wien-Mariahilf erneut verhaftet. Seitdem befindet er sich in der Justizanstalt St. Pölten. Die U-Haft ist zuletzt am 2. März verlängert worden.

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