Sa, 18. November 2017

Verismo-Premieren

29.03.2015 20:04

Voller Erfolg für die Osterfestspiele

Es war schon spannend, wie sich Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der tiefsüdlichen, sizilianischen "Italianita" zu Recht finden würden. Bestens. Er dirigierte Mascagnis "Cavalleria rusticana" und Leoncavallos "Pagliacci" erstmals. Aber da gab es ja viele Debüts, sie gerieten jeweils fantastisch.

In der "Cavalleria" war es noch nicht so klar, wo Thielemann mit seinen "Dresdnern" hinwollte. Ins große Pathos oder in die veristische Trübnis und Bedrängnis, etwas von der regielichen "Holzschnitt-Ästhetik"? Seinen Weg hat er vielleicht noch nicht endgültig gefunden (gibt es in der Musik und anderswo sowieso nicht), doch die musikalische Kompass-Nadel zeigte eindeutig nicht nach Nord, sondern nach Süd. In Leoncavallos "Pagliacci" war dann das Flirren, Sirren und Suchen in einer unausweichlichen und schreckhaft leichten Unruhe auch musikalisch wie ein heimliches Höllenfeuer.

Christian Thielemann ist dort angelangt, wo er sein ihm oft vorgeworfenes, kleines romantisches Repertoire in andere Gefilde auslagert und erweitert. Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl, der schon für Madonna und Pavarotti Videos gemacht hat, zudem zwei höchst beachtenswerte Spielfilme ("Nordwand" und "Der Medicus"), weiß mit multimedialen Projektionen sehr gut umzugehen. Er realisierte 2007 bei den Festspielen "Benvenuto Cellini" ein unglaublich bedrängendes Bilder-Theater. Wie hier auch. Es gibt so eine raffiniert schöne Choreographie der Bilder, Personen und Simultan-Geschichten, dass einem fast schwindlig werden könnte. Hier rührt und rauscht es aufs Feinste.

Die Oper kann uns noch viel vom Leben erzählen
In sechs "Guckkasten"-Segmenten lässt er parallel die Stimmungen und Szenen spüren. Der Clown schminkt sich, das kann man aus der Garderobe sehen, darunter ist der Tumult des dörflichen Lebens, der sich Erheiterung wünscht und Entsetzen findet. Es war nicht nur für Christian Thielemann ein Debüt mit den Verismo-Opern, sondern ein doppeltes für Jonas Kaufmann. Der gegenwärtig allerbeste seiner Sanges-Zunft, hat vorher ein paar CD-Arien aufgenommen, auf der Bühne sang er beide Rollen des "Turridu" und "Canio" noch nie. Es kann einem nichts schöner ins Gemüt gehen, wie einer, der so singt – und spielt zudem. Das Ensemble ist mit den "Kalibern" Liudmyla Monastyrska und Ambrosio Maestri, Dimitri Platanias ziemlich gut besetzt. Nur die Zeit der sängerisch-wuchtigen Resonanz-Körper ist lang vorbei. Sänger- und Spiel-Frauen wie Annalisa Stroppa ("Lola") oder die wunderbare Maria Agresta ("Nedda" in "Pagliacci") machen das, was man von einer Oper erwartet: Ist sie mumifiziert, oder kann sie uns heute noch was sagen? Ja, durchaus. Den kalabrischen Dorf-Muff in den üblichen Inszenierungen wollte Philipp Stölzl vertreiben, es ist ihm und Christian Thielemann wie dem Ensemble wunderbar gelungen.

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