Mi, 17. Jänner 2018

"Wird Wochen dauern"

27.03.2015 22:07

Grausige Arbeit für die Experten am Absturzort

Es ist eine grausige Arbeit am Absturzort, dort in den südlichen französischen Alpen, wo der Germanwings-Airbus in endlos kleine Trümmer zerschmettert liegt. Um die 150 Toten zu identifizieren, müssen zunächst die sterblichen Überreste der Insassen geborgen werden. Laut Einschätzung der Experten wird diese Arbeit noch Wochen dauern. Erst dann werden die Opferfamilien die Überreste ihrer Lieben entgegennehmen und bestatten können.

Aus dem vorderen Bereich des Airbus A320, der gegen eine Bergwand prallte, sind die Trümmer und Leichenteile winzig, aus dem hinteren Bereich größer, berichten Einsatzkräfte am Ort der Katastrophe. Mithilfe von DNA-Analysen sollen die Toten nun identifiziert werden.

Die Bergungskräfte und Ermittler müssen sich anseilen, um in dem steilen Berggelände überhaupt arbeiten zu können. Ein Teil der Ermittler kümmert sich um DNA-Proben, die anderen unterstützen die Ermittlungen der Justiz zur Absturzursache. Mit mehreren Hubschraubern wurden auch am Freitag wieder Dutzende Polizisten und Experten an den Absturzort gebracht. "Wir sammeln erst die biologischen Elemente, dann die Trümmer", sagt ein Polizist im nahe gelegenen Seyne-les-Alpes.

In dem kleinen Dorf rund zehn Kilometer von der Absturzstelle entfernt stehen neben der Kapelle, in der Hunderte Familienangehörige am Donnerstag getrauert hatten, einige Zelte. Die Angehörigen von Opfern, die eingewilligt hatten, gaben dort ihre DNA-Proben ab. Einige hundert Meter weiter wurde ein biologisches Labor mit mehreren durch Generatoren mit Strom versorgten Kühlwagen und Kleintransportern für die Identifizierungsarbeit vor weißen, lichtundurchlässigen Zelten geparkt.

DNA mit Proben der Familien verglichen
"Wir haben in Seyne ein Feldlabor eingerichtet, wo wir an die Identifizierung der Opfer gehen", erläutert Gendarmeriesprecher Xavier Vialenc. Etwa 40 Experten arbeiten in Seyne-les-Alpes auf der Basis der "am Berg entnommenen Proben, die per Hubschrauber zurückgebracht werden", bevor diese von sechs Gendarmen bis zum Labor gebracht werden. "Wir entnehmen hier die DNA und vergleichen sie mit den bei den Familien entnommenen Proben", so Vialenc. Das gesamte Labor ist ebenso wie der Weg vom Hubschrauberlandeplatz bis dorthin von der Polizei abgeriegelt.

Gewöhnlich versuchen Ermittler nach Unfällen, Anschlägen oder Naturkatastrophen, Fingerabdrücke von den Opfern zu nehmen oder nach persönlichen Gegenständen wie Ausweisen oder Schmuck zu suchen. Auch besondere Merkmale wie Operationsnarben gehören zu den geeigneten Kennzeichen für eine Identifizierung. Finden die Spezialisten wegen des Grades der Verletzungen solche Merkmale nicht, erstellen sie normalerweise einen Zahnstatus. Um einen Toten über sein Gebiss zu identifizieren, müssen Zahnarztunterlagen oder Röntgenbilder vorliegen.

Wegen der grauenhaften Zerstörung der Germanwings-Maschine dürfte es bei vielen Todesopfern der Katastrophe notwendig sein, eine DNA-Analyse vorzunehmen - das ist die zeitaufwendigste und kostspieligste Methode. Bergungskräfte hatten berichtet, die größten Leichenteile, die sie gesehen hätten, seien "nicht viel größer als ein Aktenkoffer."

Opferfamilien müssen lange auf sterbliche Überreste warten
Für die Familien der Opfer bedeutet das Prozedere eine lange, schwer zu ertragende Wartezeit. "Die Familien haben mich gefragt, wann sie die Leichname bekommen könnten", sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, nach einem Treffen mit Angehörigen. Die sterblichen Überreste würden freigegeben, "wenn die ganze Kette der DNA-Nachforschung abgeschlossen ist". Dem Staatsanwalt zufolge wird das Wochen dauern.

Indes wurde am Freitag bekannt, dass die Lufthansa den Hinterbliebenen eine Überbrückungshilfe von bis zu 50.000 Euro anbietet. Den Angaben einer Germanwings-Sprecherin zufolge wird den Opferfamilien das Geld unabhängig von möglichen weitergehenden Ansprüchen als Ersthilfe angeboten. Dieser Betrag müsse nicht zurückgezahlt werden. Nach Einschätzung von Luftfahrtexperten könnten auf den Konzern allerdings noch deutlich höhere Entschädigungsansprüche zukommen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden