Do, 14. Dezember 2017

Die "Krone" in Kuba

27.03.2015 16:50

Der zerbrochene Traum des Fidel Castro

Es gibt sie also noch, all die Buicks, Fords und Chevrolets, mit denen wohl schon Ernest Hemingway unterwegs war: 60 Jahre alt und klapprig, manche aber auch wie neu - herausgeputzt, frisch lackiert, mit Weißwandreifen. Als schicke Cabrios warten sie auf Touristen, um sie auf eine der wohl coolsten Stadtrundfahrten der Welt mitzunehmen.

Diese Cabrios sind so etwas wie das Symbol des "neuen" Kuba unter Fidel Castros (88) jüngerem Bruder Raul (84). Obwohl auch schon in die Jahre gekommen, versucht Raul seit dem krankheitsbedingten Rückzug des Maximo Lider im Jahr 2006, das Land zu öffnen, ohne dabei die immer noch hochgehaltenen kommunistischen Ideale zu verraten. Ein Spagat, der so nur sehr bedingt gelingen kann.

Aber zumindest in der Hauptstadt Havanna kann man die Veränderungen schon an jeder Ecke spüren. Die erfolgreichen Privatunternehmen, von denen die Cabrio-Stadtrundfahrten angeboten werden, sind nur ein Beispiel für den Wandel. Überall sprießen private Restaurants, in denen nicht wie früher nur Reis mit Bohnen oder Bohnen mit Reis, sondern durchaus gute karibische, aber auch internationale Küche angeboten wird.

Zu Preisen allerdings, die auch schon mal über österreichischem Niveau liegen können. Aller kommunistischen Sozialisation zum Trotz haben die Kubaner nämlich sehr schnell begriffen, wie viel die – immer öfter auch aus den USA kommenden – Touristen bereit sind zu bezahlen.

Nur 200 Berufe sind für Private offen
Raul Castro hat wohl verstanden, dass es keinen anderen Weg aus der wirtschaftlichen Misere des Landes gibt, als jenen, auf privates Engagement der Menschen zu setzen. In einer offiziellen Liste sind 200 Berufe angeführt, in denen es den Kubanern erlaubt ist, sich selbstständig zu machen - und die anfangs teils absurden Auflagen, unter denen sie arbeiten dürfen, werden zusehends gelockert. Das notwendige Grundkapital kommt zumeist von den geflüchteten Familienangehörigen, die es in Florida oder sonstwo in den USA zu Geld gebracht haben. Exil-Kubaner überweisen jährlich rund eine Milliarde Dollar an ihre in der Heimat gebliebenen Verwandten.

Rund eine Million der elf Millionen Kubaner dürfte mittlerweile in der Privatwirtschaft arbeiten. Doch fast jeder zweite Kubaner (rund fünf Millionen Menschen) ist immer noch beim Staat angestellt. Der ursprüngliche Plan der Regierung, 1,7 Millionen Beamte zu entlassen, die dann im neu geschaffenen privaten Wirtschaftssektor einen neuen Job finden würden, ist natürlich nicht aufgegangen. Denn bei den Betrieben handelt es sich quasi ausschließlich um kleine Unternehmen, die auch fast nur Familienangehörige beschäftigen.

1 Kilo Zwiebeln um 4 Euro, 1 Kilo Erdäpfel um 5 Euro
Auch das jüngste Tauwetter mit den USA – das US-Handelsembargo soll zumindest teilweise fallen, und im April sollen 53 Jahre nach deren Abbruch wieder diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufgenommen werden – wird an der grundsätzlichen wirtschaftlichen Problematik auf der Karibikinsel nicht so schnell etwas ändern können. "Eines der größten Probleme ist, dass Kuba gar nichts hat, was es in die USA oder sonstwohin exportieren könnte", sagt Gerlinde Paschinger, die österreichische Botschaftern in Havanna. "Und auch die neu gegründeten Privatunternehmen sind ausschließlich im Dienstleistungs-, nicht aber im Produktionssektor tätig."

Dafür muss Kuba umso mehr importieren: Allein für die Einfuhr von Lebensmitteln wendet der Staat 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr auf. Dabei könnte sich das Land leicht selbst ernähren, aber wegen der allgegenwärtigen Misswirtschaft liegen rund 7,5 Millionen Hektar fruchtbaren Ackerlandes einfach brach. Und so kostet ein Kilo Zwiebeln umgerechnet rund vier Euro, ein Kilo Erdäpfel fünf Euro.

Der Durchschnittslohn beträgt umgerechnet 20 Euro
Bei einem durchschnittlichen Monatslohn von umgerechnet rund 20 Euro müssen die meisten Kubaner schon sehr viel "wirtschaftliche Kreativität" aufbringen, um zu überleben. Zu sehen etwa am allgegenwärtigen Schwarzmarkt, der mangels Alternative vom Staat geduldet wird. Das überdurchschnittlich gute, kostenlose Bildungssystem kommt den Menschen dabei sicher zugute, aber kaum einer findet mit einem einzelnen Job das Auslangen.

Die gute Laune, die einem trotzdem überall entgegenschlägt, ist wohl nicht zuletzt auf das karibische Wetter zurückzuführen. Aber auch auf die Tatsache, dass es Fidel Castro gelungen ist, aus den revolutionären Kubanern stolze Kubaner zu machen. Das sind sie bis heute.

Hymne auf Comandante Che Guevara
Und so spielt die elegante Alt-Herren-Band vor den Zigarren schmauchenden, kurzbehosten Touristen auf der Terrasse des alt-noblen Hotel National immer noch mit hoch erhobenem Haupt die Hymne auf Comandante Che Guevara.

Ein Straßenhändler um die Ecke bringt die Stimmung auf den Punkt, als er sagt: "Wir lieben Fidel. Er hatte einen Traum. Einen wunderschönen Traum. Nur leider hat er nicht funktioniert."

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