Di, 21. November 2017

Angestellte entführt

25.03.2015 16:55

Linzer Juweliergeschäft ausgeraubt: 15 Jahre Haft

Ein 45 Jahre alter Serbe ist am Mittwoch in Linz zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte Anfang Mai des Vorjahres gemeinsam mit einer noch flüchtigen Komplizin einen aufsehenerregenden Juwelierraub begangen, dabei sogar eine Angestellte entführt. Der Schuldspruch wegen schweren Raubes und Freiheitsentziehung wurde in einem Indizienprozess gefällt, weil der Angeklagte die Taten bis zuletzt bestritt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Überfall wurde wie im Film verübt: Das Pärchen lauerte der 56 Jahre alten Angestellten des Juweliers am Tattag, einem Samstag, nach Geschäftsschluss gegen Mittag in ihrem Heimatort St. Georgen an der Gusen auf. Dort wurde die Frau unter Vorhalt einer Pistole gezwungen, in ein Auto zu steigen. Die Fahrt führte zurück nach Linz, wo die Entführte das Geschäft wieder aufsperren musste. Dann wurde sie mit Handschellen in einem Nebenraum an ein Stiegengeländer gefesselt. Die Räuber packten Schmuck, Uhren und Bargeld zusammen, verließen das Geschäft, sperrten von außen ab und verschwanden.

148.000 Euro Schaden
Der Überfallenen gelang es erst nach etwa eineinhalb Stunden, mithilfe eines Staubsaugerrohrs und zweier Regenschirme ein Mobiltelefon zu sich zu ziehen und die Polizei zu rufen. Ein angerücktes Großaufgebot an Beamten musste das gut gesicherte Geschäft aufbrechen, um ihr zu helfen. Der Gesamtschaden beträgt mehr als 148.000 Euro, davon sind nur 70.000 durch die Versicherung gedeckt.

Der Angeklagte und die mutmaßliche Komplizin, seine 42-jährige, noch flüchtige Lebensgefährtin, wurden ausgeforscht, weil sich nach dem Überfall mehrere Zeugen bei der Polizei meldeten: eine Kundin, der das Pärchen Tage zuvor im Geschäft aufgefallen war, eine Nachbarin im Wohnort der überfallenen Verkäuferin, bei der sich das Pärchen erkundigt hatte, und ein Pensionist, der das geparkte Auto in St. Georgen bemerkt hatte, es fotografierte und sich das Kennzeichen beinahe richtig merkte. Dazu gibt es Aufnahmen aus einer Videoüberwachung und Strafzettel aus Linz für den falsch geparkten Pkw des Serben.

Angeklagter bestritt Tat bis zuletzt
Der mit internationalem Haftbefehl in Ungarn geschnappte Angeklagte bestritt jedoch bis zuletzt, mit dem Überfall etwas zu tun zu haben. Der 45-Jährige gestand zwar ein, damals in Linz gewesen zu sein, aber - zusammen mit Lebensgefährtin und drei seiner sechs Kinder - nur zur Arbeitssuche. Auch den Besuch des Juweliers bestätigt er, jedoch habe er dort Schmuck für seine Tochter und auch die Frau kaufen wollen, wozu es aber nicht gekommen sei. In St. Georgen habe er sich nicht wissentlich aufgehalten. Allerdings sei er zur Wohnungssuche rund um Linz unterwegs gewesen.

Das Opfer allerdings konnte den Angeklagten vor Gericht anhand seiner Stimme zweifelsfrei identifizieren. Bei seinem Anblick war sie sich nicht sicher, da der Täter damals eine Kapuze getragen hatte. Außerdem habe sie ihre Entführer nicht ansehen dürfen, erklärte die 56-Jährige. Sie berichtete auch, dass man ihr gesagt habe, ihr Haus werde von weiteren Tätern beobachtet. Deshalb habe sie nicht nur um sich, sondern auch um ihre Familie Angst gehabt. Noch heute drehe sie sich um, wenn jemand hinter ihr gehe. Ein Sachverständiger attestierte ihr eindeutig eine posttraumatische Belastungsstörung, die psychischen Schmerzen seien körperlichen gleichzusetzen.

3.500 Euro Teilschmerzensgeld
Der Schöffensenat sah aufgrund der erdrückenden Indizienlast die Schuld des 45-Jährigen als erwiesen an und verurteilte ihn zu 15 Jahren Haft. Die mögliche Höchststrafe hätte 20 Jahre betragen. Der Entführten wurden 3.500 Euro Teilschmerzensgeld zugesprochen. Der Angeklagte legte Nichtigkeitsbeschwerde gegen den Schuldspruch sowie Berufung gegen die Strafhöhe und den Zuspruch des Schmerzensgeldes ein. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

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