Sa, 16. Dezember 2017

Vom Netz auf Straße

25.03.2015 09:15

Online-Händler öffnen immer öfter reale Geschäfte

Einmal durch Amazon bummeln? Was unvorstellbar klingt, könnte schon bald Realität werden: Klassische Internethändler wagen sich derzeit verstärkt in die nicht-virtuelle Welt - und eröffnen erste stationäre Geschäfte. Auch der Internetriese Amazon soll bereits darüber nachdenken, eine Filiale in New York zu eröffnen.

"Es ist tatsächlich so, dass immer mehr Onliner sich in die stationäre Welt begeben", sagt Eva Stüber vom deutschen Institut für Handelsforschung (IFH). "Online kann man datenbasiert etwas über den Kunden lernen, aber das Persönliche geht besser im Geschäft." Nach IFH-Angaben gibt es in Deutschland derzeit 40.000 reine Online-Händler - nach Prognosen der Experten dürften 90 Prozent von ihnen allerdings nicht bis 2020 überleben. Ein Grund ist demnach die Übermacht von Internetriesen wie Amazon und Zalando. Grund genug, in der nicht-virtuellen Welt aktiv zu werden - auch wenn die Platzhirsche aus dem Netz selbst dorthin drängen.

Zuletzt öffnete etwa der Online-Trachtenhändler Almliebe eine Filiale in München. Auch der Internet-Möbelverkäufer FashionForHome hat seine Sofas bereits auf Einkaufsmeilen in Berlin oder Hamburg aufgebaut. Ein weiteres Beispiel ist der Elektronikhändler Cyberport, der auch in Österreich stationär präsent ist. Aus den Fußgängerzonen fast nicht mehr wegzudenken ist indes der Online-Müsliversender Mymuesli, der das erste Geschäft 2009 startete und Ende dieses Jahres bereits auf 25 Filialen kommen will.

Anfassen, (aus)probieren
"Viele Menschen möchten Produkte, gerade Lebensmittel, ja erst einmal anfassen und eventuell probieren vor einem Kauf", sagt Mymuesli-Mitgründer Max Wittrock. "Das können wir in den Läden bieten und auch beraten." Zugleich rufe das Logo in der Innenstadt die Marke ins Bewusstsein. Wittrock: "Es schadet der Bekanntheit sicher nicht, wenn viele Menschen jeden Tag an Mymuesli-Läden vorbeilaufen." Auch auf der Wiener Mariahilfer Straße gibt es seit Kurzem ein Mymuesli-Geschäft, in Salzburg ist eines in der Getreidegasse geplant.

"Berührungspunkt für den Kunden"
Fachleute sehen stationäre Geschäfte daher auch als eine Art Ausstellungsfläche für das Unternehmen. "Ich glaube, dass ein stationäres Handelsgeschäft einen Showroom-Charakter hat und auch eine Markenpräsenz vermittelt", sagt Thomas Harms, Handelsexperte bei Ernst & Young. Vor allem für Modehändler könne sich das lohnen - auch um künftig unnötige Retouren zu vermeiden.

Der Online-Händler Zalando ist ebenfalls in der echten Welt angekommen - und betreibt in Berlin und Frankfurt Outlet-Stores. Über den Verkauf reduzierter Ware hinaus sind einer Sprecherin zufolge allerdings keine Filialen geplant. "Wir sind vom Herzen her auf jeden Fall Online-Händler und das ist auch unser Fokus", sagt sie. Die Outlets seien aber ein "guter Berührungspunkt" zu den Kunden.

Auch der Internetriese Amazon denkt angeblich darüber nach, eine Filiale in der realen Welt zu eröffnen. Medienberichten zufolge sollen Kunden dort etwa online bestellte Waren abholen und nicht mehr erwünschte Artikel zurückgeben können. Außerdem solle es dort in einer Art Mini-Lagerhaus ein eingeschränktes Sortiment von Waren zur Zustellung am selben Tag innerhalb New Yorks geben.

Fallstricke on- wie offline
Fachleuten zufolge ist gerade diese Verzahnung der verschiedenen Verkaufskanäle ein Schlüssel zum Erfolg. Muss nun aber jeder Internetanbieter raus ins wahre Leben? "Ich glaube nicht, dass jeder Online-Händler ein stationäres Geschäft braucht", sagt Harms. IFH-Expertin Stüber weist auf die Fallstricke hin: "Allein schon die Standortwahl ist ein Thema, das für Onliner bisher nicht relevant war. Hinzu kommen lang laufende Mietverträge oder die Frage nach der Ladengestaltung."

Fallstricke gebe es aber auch im Netz, hält man bei Mymuesli dagegen: "Immerhin kann offline kein Server abstürzen und man muss nicht auf Hunderte verschiedene Betriebssysteme achten", sagt Wittrock. "Alle Kunden kommen durch die gleiche Eingangstür in den Laden."

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