Mi, 22. November 2017

Germanwings-Crash

25.03.2015 10:05

Airbus-Absturz gibt Rätsel auf ++ Bergung läuft

Für den Airbus-Absturz in den französischen Alpen mit 150 Toten fehlt auch am Mittwochvormittag jede schlüssige Erklärung. Nach Angaben der französischen Behörden hatte die Flugüberwachung kurz vor dem Crash noch vergeblich versucht, Kontakt zu den Piloten aufzunehmen. Erste Informationen zum Ablauf des Unglücks erwarten die Ermittler von einem Flugschreiber, der geborgen wurde. Er dürfte nach jüngsten Angaben allerdings beschädigt sein.

Unterdessen machten sich 65 Bergungskräfte zu Fuß in das unwegsame Gebiet an der Absturzstelle auf. Die Gendarmerie setzte zudem am frühen Morgen mit Hubschraubern eine Gebirgsstaffel von 30 Polizisten in dem zerklüfteten Tal ab, in dem die Flugzeugtrümmer liegen.

"Hervorragender technischer Zustand, kompetenter Pilot"
Lufthansa-Chef Carsten Spohr schloss am Dienstagabend einen Zusammenhang zwischen dem Absturz und einer Reparatur der Maschine am Tag zuvor aus. "Das Flugzeug war in hervorragendem technischen Zustand", sagte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende über den verunglückten Airbus A320 der Tochtergesellschaft Germanwings. Einer Lufthansa-Sprecherin zufolge war ein Problem mit der Bugrad-Klappe des mehr als 24 Jahre alten Jets routinemäßig beseitigt worden.

Der Pilot war nach Angaben des Lufthansa-Chefs erfahren, hatte mehr als 6.000 Flugstunden. "Wir hatten die Kompetenz im Cockpit, für die unser Unternehmen steht", sagte Spohr am Dienstagabend in Frankfurt.

Lauda: "Acht Minuten sind irrsinnig lang"
Der ehemalige Airline-Chef Niki Lauda glaubt, ein überraschendes Problem habe die Piloten handlungsunfähig gemacht: "Acht Minuten in so einem Zustand sind irrsinnig lang", so Lauda am Abend in der "ZIB 2" im ORF. Die große Frage dabei sei vor allem, "warum die Piloten nicht in der Lage waren, sich zu melden". Möglich sei etwa, dass sie durch einen plötzlichen Druckverlust ohnmächtig wurden oder zu sehr mit der Maschine beschäftigt waren, um mit der Bodenkontrolle zu sprechen.

Die Blackbox soll nun Aufschluss bringen: Der geborgene Stimmenrekorder des Airbus A320 wurde zur Untersuchung nach Paris gebracht. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, die Blackbox sei zwar beschädigt, von ihr könnten aber dennoch Informationen gewonnen werden.

Eine der schwersten Flugkatastrophen in Europa
Das Flugzeug mit 144 Passagieren und sechs Crewmitgliedern an Bord war von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs, als es bei gutem Wetter über den französischen Alpen in einen minutenlangen Sinkflug geriet und schließlich an einem Bergmassiv zerschellte. Die französische Regierung erklärte, sie rechne nicht mit Überlebenden. Der Absturz ist damit eine der schwersten Katastrophen in der europäischen Luftfahrtgeschichte.

Unter den 150 Menschen an Bord des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs waren wohl auch Opfer aus Großbritannien, Australien, Israel, Dänemark, Mexiko, Kolumbien, Japan und Argentinien. 67 der 150 Opfer waren ersten Angaben zufolge Deutsche, außerdem befanden sich zahlreiche Spanier an Bord der Maschine. Den spanischen Behörden zufolge hatten 45 Passagiere spanische Familiennamen. Nach belgischen Angaben kam außerdem mindestens ein Belgier ums Leben. Hinweise, dass auch Österreicher unter den Opfern seien, gibt es laut Außenministerium nicht.

Deutsche Schulklasse und Opernsänger unter den Opfern
In dem Airbus saß auch eine 16-köpfige Schülergruppe aus Nordrhein-Westfalen mit ihren zwei Lehrerinnen. Sie waren auf dem Rückweg von einem Austausch bei Barcelona. Außerdem war auch die Opernsängerin Maria Radner an Bord des Flugzeuges, wie die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf, wo Radner viele Gastspiele hatte, am Mittwoch bestätigte. Die Altistin, die auch Auftritte am Theater an der Wien hatte, sei zusammen mit dem ebenfalls ums Leben gekommenen Bassbariton Oleg Bryjak auf dem Rückflug aus Barcelona gewesen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte am Mittwoch zur Unglücksstelle reisen und dort den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident Francois Hollande treffen.

Crewmitglieder unfit to fly: Flüge gestrichen
Germanwings strich am Dienstagabend zahlreiche Flüge, etliche Besatzungen waren nicht zum Dienst angetreten. "Wir haben heute tatsächlich einige Flugstreichungen in Düsseldorf und Stuttgart gehabt, weil sich Crewmitglieder unfit to fly, also nicht flugtauglich erklärt haben", sagte Airline-Geschäftsführer Thomas Winkelmann im "Heute Journal" des ZDF. Auch in anderen deutschen Flughäfen fielen Germanwings-Flüge aus. Am Flughafen Wien landeten Germanwings-Ankünfte am Dienstagabend zum Teil um mehrere Stunden verspätet, ein Flug aus Berlin wurde überhaupt storniert. Auch am Mittwoch sind bereits wieder einzelne Flüge ausgefallen.

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