Fr, 24. November 2017

Vereinbarung wackelt

24.03.2015 20:08

Frustrierte Pfleger warfen Handschuhe nach vorne

Wo das "System Spital" immer noch krankt: Die Mehrheit der Belegschaft will die Betriebsvereinbarung nicht verlängern, am Freitag wird weiter verhandelt.

Dienstag 8 Uhr: Die Pflege strömt mit Warnwesten und CaRevolution-Plakaten in den Speisesaal. Rund 700 Mitarbeiter kommen, stellvertretend für 3000… Diskussionen, angespannte Stimmung und Dienstplan-Umstellungen prägen ihren Alltag. Unentbehrlich ist jeder einzelne: So wie Ingo Jäger von der OP-Pflege der Urologie. Bei Operationen bereitet er für die Ärzte alles vor, desinfiziert, legt die Geräte griffbereit. "Es heißt immer, die armen Patienten", ärgert sich der Pfleger, einer der sowieso gerne hilft. "Die Qualität kann aber nur mit fairer Bezahlung und genügend Personal stimmen." Pflegeschülerin Franziska sieht das genauso: "Das Beste für Patienten nur dann, wenn wir zuerst das Beste für uns selbst tun." Viele vermissen auch die Solidarität von Seiten der Ärzte.

Die Stimmung in der Pflege spiegelt sich in Zahlen wider: Landes-Vize Christian Stöckl bat darum, dass die Betriebsvereinbarung noch einmal um ein Monat verlängert wird. Doch die Mehrheit (256 von 367 abgegebenen Stimmen) ist dagegen. Damit fehlt schon ab April die Basis für lange Dienste bis zu 24 Stunden. Dann wird überall im 12-Stunden-Takt gearbeitet. "Es geht aber nicht nur darum", erinnert eine Pflegekraft von einer Bettenstation, dass mehr Grundgehalt für alle gefordert wird. Symbolisch warfen die Pfleger auch ihre Handschuhe nach vorne. Grüne OP-Hauben machten die kämpferische Botschaft noch einmal bunter. "Wir müssen den längeren Atem haben", bat Mario alle Kollegen um Durchhaltevermögen.

Was die Pflege wirklich verdient
Der Betriebsrat präsentierte auch neueste Vergleiche mit anderen Bundesländern: Während ein Pflegehelfer am Anfang in Salzburg noch 1802,88 Euro verdient, sind es in Niederösterreich 2099,19 Euro. Zu Oberösterreich (derzeit 1836,60) ist der Gehaltssprung kein großer. Nach dem neuen System (voraussichtlich ab August) sollen 2029 Euro am Konto landen. Bei den technischen Diensten ist der Unterschied noch größer, soll jedoch ausgebessert werden. In den anderen Bundesländern rumort es ebenso: Oberösterreich nimmt die Verhandlungen heute, Mittwoch, auf. Tirol will die Gehälter an hohes Vorarlberger Niveau angleichen.

Die Forderung: "Dass endlich verhandelt wird! Bis jetzt gibt es null Angebot", betonte Zentralbetriebsrätin Christine Vierhauser und wurde mit einem Pfeifkonzert unterstützt. Heute, Mittwoch, wird sie auch die Primar-Ärzte mit den Fakten aus der Pflege konfrontieren. Und am Freitag wird bei Landes-Vize Christian Stöckl weiterverhandelt. Eine Annäherung zeichnet sich nicht ab. Laut Stöckl ist die Situation mit dem Dienstmodell der Ärzte nicht zu vergleichen.

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