Sa, 18. November 2017

Mangel an Gift

24.03.2015 13:04

Utah: Hinrichtungen wieder durch Erschießen

Der US-Bundesstaat Utah führt offiziell das Erschießen als Hinrichtungsmethode wieder ein. Gouverneur Gary Herbert unterzeichnete am Montag ein entsprechendes Gesetz, dem der Senat des Bundesstaats zuvor zugestimmt hatte. Die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando ist dann möglich, wenn die nötigen Medikamente für eine Giftinjektion nicht beschafft werden können.

Zuletzt hatte es in mehreren Bundesstaaten zu wenig von den benötigten Mitteln gegeben. Der Senat von Utah hatte vor rund zwei Wochen für den Gesetzentwurf gestimmt. Befürworter der Erschießung halten diese für eine schnellere und weniger grausame Methode der Hinrichtung als die Giftspritze. Bei einem Erschießungskommando ist nicht klar, wer letztlich tatsächlich der Todesschütze ist. Gegner halten die Erschießung dagegen für grausam und unmenschlich.

"Wer gegen Erschießung ist, ist gegen die Todesstrafe"
Herberts Sprecher verteidigte am Montag die Unterschrift des Gouverneurs gegen Kritik an dem Gesetz. Wer sich gegen die Erschießung ausspreche, sei in erster Hinsicht allgemein gegen die Todesstrafe, erklärte Marty Carpenter. "Wir bedauern, dass überhaupt Menschen das abscheuliche Verbrechen eines Mordes begehen und damit die Todesstrafe erhalten, und wir bevorzugen den Einsatz der Giftspritze", fügte Carpenter hinzu. Eine Entscheidung für oder gegen die Todesstrafe stehe aber nicht zur Debatte. Vielmehr hätten die Behörden die Pflicht, ein gefälltes Urteil zu vollstrecken.

Utah hatte die Erschießung eigentlich 2004 abgeschafft. Danach gab es sie als Wahlmöglichkeit nur für Todeskandidaten, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes 2004 verurteilt wurden. Zuletzt wurde in Utah im Jahr 2010 ein Mann von einem Erschießungskommando hingerichtet, der vor 2004 verurteilt worden war und diese Form der Hinrichtung wählte.

Verfassungsmäßigkeit der Giftinjektion wird geprüft
Im kommenden Monat beschäftigt sich der Supreme Court der USA mit der Verfassungsmäßigkeit der Giftinjektion als Hinrichtungsmethode. Eine Reihe von qualvollen Hinrichtungen hatte zuletzt eine Debatte über die verwendeten Giftmischungen ausgelöst. Beim Tod durch die Giftspritze griffen die US-Behörden in jüngster Zeit immer wieder auf kaum erprobte Mischungen zurück, weil sich europäische Pharmafirmen weigern, das zuvor eingesetzte Betäubungsmittel Pentobarbital zu liefern.

Im Streit um eine umstrittene Giftmischung für Hinrichtungen hatte der Oberste Gerichtshof im Januar die im Bundesstaat Oklahoma geplante Vollstreckung dreier Todesurteile vorerst ausgesetzt. Das Gericht reagierte damit auf Einsprüche der Todeskandidaten gegen ein vorgesehenes Gift. Nach deren Ansicht verstößt dessen Verwendung gegen das verfassungsrechtliche Verbot grausamer Bestrafung.

Qualvoller Tod durch wenig erprobte Giftmischung
Im vergangenen Jahr war eine solche kaum erprobte Mischung bei der Hinrichtung des verurteilten Mörders Clayton Lockett in Oklahoma eingesetzt worden. Lockett wand sich nach der Injektion 43 Minuten lang im Todeskampf, bis er schließlich einen Herzinfarkt erlitt. Im Juli wurde in Arizona ein verurteilter Mörder unter qualvollen Bedingungen hingerichtet. Augenzeugen zufolge dauerte es fast zwei Stunden, bis der Verurteilte nach der Injektion einer wenig erprobten Giftmischung für tot erklärt wurde.

Die Todesstrafe ist in 32 der 50 US-Bundesstaaten sowie auf Bundesebene erlaubt, die Zahl der Hinrichtungen geht seit Jahren aber beständig zurück. Nach Angaben des US-Informationszentrums zur Todesstrafe wurden 2014 so wenige Menschen hingerichtet wie seit 20 Jahren nicht mehr.

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