Do, 14. Dezember 2017

Besuch bei Merkel

24.03.2015 06:14

Tsipras nützt "Höhle des Löwen" als große Bühne

Der Antrittsbesuch des griechischen Premers Alexis Tsipras bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin war im Vorfeld vor allem in den Medien seiner Heimat als Visite in der "Höhle des Löwen" bezeichnet worden. Doch der Linkspolitiker wirkte am Montag ganz und gar nicht ängstlich, sondern vielmehr souverän und cool. Er nützte die öffentlichen Auftritte in Deutschland als große Bühne und stattete dabei auch Teilnehmern einer Pro-Syriza-Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt einen Kurzbesuch ab.

Griechenland droht zwar die Staatspleite, aber der neue Regierungschef vermittelte am Montag öffentlich nicht den Eindruck übermäßiger Sorge. Locker, ohne Krawatte (wie er seit seiner Wahl vor acht Wochen nicht anders zu sehen war) und strahlend stand er im deutschen Kanzleramt neben Merkel.

Linkspolitiker hatte Zeit für Demonstranten
Bevor er ins Kanzleramt ging, schaute er noch schnell bei Demonstranten vorbei, die während der militärischen Ehren ihr "Hoch, die internationale Solidarität!" brüllten. Bei der Pressekonferenz klang Tsipras zwar versöhnlich und schob die Schuld für eine neue Spaltung in Europa seinen politischen Gegnern zu. Aber weil er weiß, dass er für die Fernsehzuschauer in Griechenland wie ein Märtyrer wirkt, fügte er mehrmals hinzu, bestehende Differenzen müssten offen angesprochen werden. Konkrete Aussagen zu Reformen vermied er dagegen systematisch.

Immer wieder scherzte Tsipras - so sei etwa das schöne Wetter ein Mitbringsel aus Griechenlan. Deshalb hoffe er auf ein entsprechend schönes Klima in den Beziehungen zu Deutschland, erklärte der Linkspolitiker. Am Ende der Pressekonferenz mit der Kanzlerin legte der 40-Jährige kurz seine Hand auf ihren Oberarm. So etwas mag die 60-Jährige laut ihren engsten Vertrauten überhaupt nicht.

Etwas fassungslos schaute Merkel, als sie ausgerechnet der griechische Ministerpräsident dann noch gegen ein Titelbild des "Spiegel" in Schutz nahm, das sie inmitten einer Schar von Nazi-Schergen auf der Akropolis zeigt. "Ich finde es sehr ungerecht gegenüber der Frau Bundeskanzlerin, aber auch gegenüber der deutschen Bevölkerung, dass eine solche Provokation da veröffentlicht wird", sagte er.

Tsipras will Holocaust-Mahnmal besuchen
Ob er allerdings mit all seiner Lockerheit und seinen Scherzen bei der Kanzlerin punkten konnte, ist fraglich, zumal das Schuldenthema ein viel zu ernstes ist. Doch das dürfte Trispras nicht sonderlich beschäftigen, denn für Dienstag hat er ein paar Auftritte geplant, die wohl eher für seine Wähler gedacht sind: Da will er sich mit der Linkspartei, den Grünen und einigen Sozialdemokraten treffen, die er allesamt als offener für die griechische Sorgen sieht als Merkels Union. Und dann will genau jener Ministerpräsident, der betont, man solle die dunklen Kapitel der Vergangenheit überwinden, das Holocaust-Mahnmal besuchen - auch nach Merkels Meinung Symbol für eine unauslöschliche deutsche Schuld.

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