Di, 17. Oktober 2017

Oper Graz

22.03.2015 18:57

„Zauberflöte“ mit Charme

Es ist eine Produktion, deren Wiederaufnahme sich lohnt: Mariame Clements charmant-originelle "Zauberflöten"-Regie vom Herbst 2013 ist im Grazer Opernhaus mit ordentlichen Sängerleistungen erneut zu sehen. Nur José Miguel Esandis Dirigat kommt erst spät in die Gänge.

Eine Aufführung der "Zauberflöte", dieser von Mozart unendlich differenziert gearbeiteten Kreuzung von Zauberoper und Aufklärungsstück, gleicht immer einer Quadratur des Kreises. Selten gelingt dies so charmant und fantasievoll wie in der Inszenierung von Mariame Clement (Regie) und Julia Hansen (Ausstattung).

Die Königin der Nacht, von Hila Fahima mit silbrig-jugendlichem Sopran und famosen Koloraturen verkörpert, regiert ein diffus beleuchtetes Landschaftsidyll. Wilfried Zelinka, der seine unprätentiöse Darstellung des Sarastro in der Tiefe leise forciert, sammelt hier als blinder Anführer eines Botaniker-Klubs Pflanzen, um sie vor der Apokalypse in seinen Bunker zu retten.

Dort, im allerheiligsten Überlebenslabor, durchlaufen Tamino und Papageno (der geschmeidig-brillante Tenor Kyungho Kim bei seinem achtbaren Graz-Debüt und der solide Bariton Ivan Oreèanin blieben darstellerisch blass) Testprogramme, und als Feuer- und Wasserprüfung werden Waldbrände und Tsunamis per Video aus der "Oberwelt" eingespielt.

Vereinigung von Natur und Wissenschaft
Dass Clements "Zauberflöte", in der ein finaler Kuss von Königin der Nacht und Sarastro die Synthese von Natur und Wissenschaft symbolisiert, trotz düsteren Realismus’ sehenswert und kindergerecht ist, verdankt sie vielen humorvollen Details, die sich als märchenhafte Aura über die Produktion legen. Dass der Abend selten ganz aufblüht, liegt zum einen am großteils verhaltenen Schauspiel – ausgerechnet die Nebenrollen, wie Bass Konstantin Sfiris oder Tenor Taylan Reinhard als Geharnischte/Priester bringen Brisanz auf die Bühne. Zum anderen verrichten José Miguel Esandi und die Philharmoniker im Graben wenig inspirierte Arbeit. Sie exerzierten Mozarts Partitur von der zu Tode analysierten Ouvertüre an mit vernünftigen Tempi und Tiefenschärfe lediglich vor, liefern erst im zweiten Aufzug – auch mit Hilfe des wundervoll differenzierten Opernchores – Farben und Erlebnisse.

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