Di, 21. November 2017

Bulgarien-Präsident:

20.03.2015 16:55

„Russland fällt leider in Selbstisolierung zurück“

"Russland fällt leider in Selbstisolierung zurück... und das ist sehr gefährlich", warnt Bulgariens Präsident Rossen Plewneliew. Der 51-jährige Staatschef sprach mit der "Krone" über den Problemnachbarn Griechenland, die Sanktionen gegen Russland und "deutsche" Staatsoberhäupter in Bulgarien und Rumänien, die vom Volk als Hoffnungsträger wegen ihrer Erfahrungen und Verbindungen in die funktionierende Mitte gewählt wurden.

Rossen Plewneliew, vormals erfolgreicher Bauunternehmer in Deutschland, ist ein leidenschaftlicher europäischer Modernisierer seines Landes. Regelmäßig trifft er Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll zu gemeinsamen Projekten ("Donaustrategie"). Aus dessen Händen empfing der 51-jährige Staatschef jetzt den Europa-Preis für Regionalintegration.

"Krone": Bulgarien ist ein direkter Nachbar Griechenlands und erlebt ganz unmittelbar die Krise. Welchen Rat würden Sie Griechenland geben?
Rossen Plewneliew: Ich würde unseren griechischen Freunden raten, keine bequemen Entschuldigungen für eigene Fehler, keine Schuld anderer zu suchen, sondern in sich zu gehen, wie es so weit kommen konnte. Es liegt ganz in den griechischen Händen, Fehler zu korrigieren. Das machen sie nicht für andere, sondern für sich.

"Krone": Bulgarien macht bei den EU-Sanktionen gegen Russland ohne lautes Klagen mit, obwohl es selbst sehr hart betroffen ist.
Plewneliew: Das machen wir aus Solidarität, weil wir an die Notwendigkeit europäischer Solidarität glauben. Es muss einfach ein klares Zeichen geben. Niemand hätte sich träumen lassen, dass in diesem Jahrhundert in Europa noch Grenzen unter Gewalt verändert werden. Wir sollten also nicht wegen wirtschaftlicher Interessen demokratische Werte hintanstellen.

"Krone": Wenn Sie nun so deutlich Stellung nehmen, fürchten Sie daraus keine politischen Nachteile? Immerhin ist Bulgarien zu hundert Prozent von russischem Gas abhängig?
Plewneliew: Energie soll keine Waffe sein, sondern ein freies Handelsgut. Wir wurden im Winter 2008 sehr hart von der Gassperre im Streit Russland-Ukraine getroffen. Deshalb haben die Bemühungen zur Erschließung auch anderer Gasquellen höchste nationale Priorität.

"Krone": Kann man Russland überhaupt zu einer politischen Umkehr bewegen?
Plewneliew: Ich mache mir Sorgen, dass Russland in eine Selbstisolierung fällt und den Modernisierungsprozess überhaupt versäumt, und das ist sehr gefährlich, und das will keiner. Russland ist im Globalisierungszeitalter noch nicht angekommen. Ganz im Gegenteil: Es fällt zurück in die Großmächtepolitik des 19. Jahrhunderts. Das heißt: Entscheidungen aushandeln "in Augenhöhe" mit ausgesuchten Mächten - etwa Entscheidungen zur Ukraine. Das darf das Europa der 28 nicht zulassen!

"Krone": In Bulgarien und Rumänien beobachten wir das Phänomen von zwei Staatsoberhäuptern mit engen Erfahrungen im deutschsprachigen Raum. Sie beide sind sozusagen Hoffnungsträger. Enttäuschte Hoffnungen können aber auch gefährlich werden.
Plewneliew: Beide Völker haben Präsidenten gewählt, die den Wunsch nach sozialer Marktwirtschaft, solidem Kapitalismus in Verbindungen mit Rechtsstaatlichkeit wie in Österreich, Deutschland, der Schweiz oder nordischen Staaten symbolisieren. Das kann man nicht von heute auf morgen installieren, aber wir sind auf einem guten Weg. Die Lage in Bulgarien hat sich beruhigt und stabilisiert. Ich habe als Präsidentschaftskandidat ganz bewusst nicht viel versprochen, aber alles, was ich versprochen habe, steht auf meiner Website. Jeder kann prüfen, was erledigt wurde oder nicht.

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