So, 17. Dezember 2017

Krummes Ding

29.03.2015 08:00

Android-Banane: Das LG G Flex 2 im Praxistest

Mit seinem G Flex hat LG vor rund einem Jahr das erste krumme Smartphone nach Österreich gebracht, sein unhandliches 6-Zoll-Format und der stolze Verkaufspreis ließen den unkonventionellen Koreaner am Markt aber eher wenig Erfolg haben. Mit dem G Flex 2 steht nun der Nachfolger ins Haus – und der soll viele Schwächen des ersten G Flex ausbügeln. Wie sich das 650-Euro-Bananaphone in der Praxis schlägt, hat krone.at mit einem der ersten Exemplare in Österreich getestet.

Krummes OLED-Display mit Full-HD-Auflösung, einer der flottesten Prozessoren am Markt und eine Kamera mit Laser-Autofokus: LG hat in sein G Flex 2 durchwegs Oberklasse-Hardware verbaut und versucht auch, sich bei Form und Features von der Masse abzuheben.

Was genau in der krummen Handybanane steckt, erfahren Sie in dieser Tabelle:

LG G Flex 2

CPU

Snapdragon 810; 4 x 2 GHz + 4 x 1,5 GHz

RAM

2 GB

Diagonale

5,5 Zoll

Auflösung

1.920 x 1.080 AMOLED

Speicher

16 GB

microSD-Slot

Bis 128 GB

Hauptkamera

13 Megapixel; Laser-Autofokus; Optische Bildstabilisierung; Dual-LED-Blitz

Frontkamera

2,1 Megapixel

Funk

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 4.1, NFC, Infrarot, GPS, GLONASS

Maße

149 x 75 x 9,4 Millimeter; 152 Gramm

Akku

3.000 mAh

Software

Android 5.0

Extras

"Selbstheilende" Rückseite
Universalfernbedienung
Laser-Autofokus

Straßenpreis

650 Euro


In puncto Performance leistet sich das G Flex 2 keine Schwächen. Der Snapdragon-800-Chip mit seinen insgesamt acht Rechenkernen stellt das Interface von Android 5 zu jeder Zeit flüssig dar. Apps werden flott geöffnet, beim Multi-Tasking gibt sich das G Flex 2 ebenfalls keine Blöße. Auch grafisch anspruchsvollere 3D-Games stellen kein Problem für das Gerät dar.

Extrem flott, spürbare Wärmeentwicklung
Im Benchmark-Test AnTuTu reißt das G Flex 2 mit 50.295 Punkten noch vor dem Samsung Galaxy Note 4 die Spitzenposition an sich. Das ist der höchste Wert, den ein Smartphone in unserem Testlabor bis jetzt erzielt hat, andere Snapdragon-810-Geräte dürften künftig ähnliche Resultate erzielen.

Eine Besonderheit des verbauten Qualcomm-Chips: Arbeitet er über längere Zeit unter Last, wird er relativ warm. Im Test fiel uns gerade bei Games auf, dass das Gehäuse spürbar warm wurde – nicht so heiß, dass man es nicht mehr anfassen könnte, aber doch so warm, dass es in einem kalten Raum einen passablen Handwärmer abgibt.

Sehr gutes, kontraststarkes OLED-Display
Das Display des G Flex 2 überzeugt auf ganzer Linie und liegt schon fast auf Samsung-Niveau. Das flexible OLED-Display liefert sattes Schwarz und intensive Farben, der Kontrast ist ausgezeichnet und auch Helligkeit und seitliche Ablesbarkeit wissen zu gefallen. Dank Full-HD-Auflösung auf 5,5 Zoll Diagonale kann man auch über die Schärfe von Text, Fotos und Videos nicht klagen.

Krümmung mit Folgen
Etwas ungewohnt macht sich die gekrümmte Form des Displays bemerkbar. Gerade beim Lesen hatten wir anfangs ein etwas seltsames Gefühl, wirklich störend fiel uns die Krümmung dabei aber nicht auf. Nett: Beim Videoschauen vermittelt das Display einen Hauch von räumlicher Tiefe, als Must-Have würden wir die Krümmung aber trotzdem nicht betrachten. Unser Rat: Bevor Sie ein G Flex 2 anschaffen, sollten sie es auf alle Fälle mal in die Hand nehmen und prüfen, ob Ihnen das krumme Ding zusagt.

Die Krümmung hat nämlich nicht nur beim Display Folgen, sie sorgt auch dafür, dass das Gerät etwas schwerer in die Hosentasche passt als andere Geräte – zumindest seitlich. In die Gesäßtasche passt das G Flex 2 zwar hervorragend, schließlich passt es sich hier den anatomischen Gegebenheiten an. Weil wir aber wegen der Gefahr, sich darauf zu setzen, generell vom Smartphone-Transport in der Gesäßtasche abraten würden, ist das aus unserer Sicht kein echter Vorteil. Hingegen praktisch: Beim Telefonieren schmiegt sich das krumme Smartphone besser ans Gesicht des Nutzers als gerade Geräte.

Gute Kamera in allen Lebenslagen
Die Kamera im G Flex 2 hat im Test einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Sie stellt selbst bei schlechten Lichtverhältnissen recht schnell scharf und löst rasch aus. Verwackler sind dank optischer Bildstabilisierung und den flotten Autofokus sehr selten, generell werden Bilder bei guten Lichtverhältnissen angenehm detailreich und scharf.

Der Dual-LED-Blitz trägt derweil dafür Sorge, dass auch bei schlechterem Licht noch ansehnliche Schnappschüsse zustande kommen. Wer in allzu zwielichtiger Umgebung auf ihn verzichtet, nimmt allerdings trotz der generell hohen Kameraqualität Rauschen in Kauf. Die Frontkamera mit ihren 2,1 Megapixeln ist für Videotelefonate absolut ausreichend, eine Selfie-Maschine ist sie aber nicht.

Sehr gute Funk- und Speicherausstattung
Die Funk- und Speicherausstattung des G Flex 2 lässt keine Wünsche offen. Alle aktuellen Funkstandards – LTE, AC-WLAN, Bluetooth 4.0 und NFC – sind an Bord, zusätzlich hat das G Flex 2 noch einen Infrarot-Sender, der das Gerät zur Universalfernbedienung macht. Der erweiterbare Speicher – er kann von 16 auf bis zu 144 Gigabyte vergrößert werden - ist ebenso ein Pluspunkt wie die abnehmbare Rückseite, wenngleich der Akku trotzdem fix verschraubt ist und nicht völlig unkompliziert ausgetauscht werden kann.

Konkurrenzfähiger Akku, saubere Verarbeitung
Der Akku des G Flex 2 reichte im Test problemlos für einen Tag Betrieb aus und sollte selbst bei starker Beanspruchung bis zum Abend halten. Sparsame Nutzer mögen noch einen zweiten Tag Betrieb aus ihm quetschen, im Regelfall dürfte das G Flex 2 aber wie die meisten anderen Smartphones auch so gut wie jede Nacht mit seinem Ladegerät verbringen.

Die Verarbeitungsqualität ist überzeugend. Obwohl das Gerät – der Name ist hier Programm – flexibler ist als andere Geräte und sich unbeschadet durchbiegen lässt, hinterlässt es keinen filigranen Eindruck. Im Gegenteil: Legt man es nicht darauf an, das G Flex 2 zu verbiegen, macht es einen robusten Eindruck. Die Rückseite lässt sich nicht eindrücken, die Spaltmaße passen.

Selbstheilungsfähigkeit mit Grenzen
Einen Schönheitsfehler gibt es dann aber doch: Die laut LG selbstheilende Plastikrückseite verdient diese Bezeichnung nur bedingt. Durch einen Speziallack, der an der Grenze zwischen fest und extrem dickflüssig agiert, sollen kleinere Kratzer grundsätzlich von selbst verschwinden. Bei winzigen Kratzern klappt das tatsächlich, unverwundbar ist das G Flex 2 aber nicht.

Im Test stießen die Selbstheilungsfähigkeiten des Geräts selbst bei reFingernägeln oder durch raue Oberflächen beigebracht werden, kann es tatsächlich bis zu einem gewissen Grad ausbügeln. Sobald aber Dinge wie ein Schlüsselbund, Münzen oder ein Feuerzeug in der Hosentasche am Werk sind, stößt das G Flex 2 an seine Grenzen.

Rückseitige Tasten sind Gewöhnungssache
Ein schlechtes Smartphone ist das G Flex 2 deswegen aber nicht. Die Hardware hinterließ im Test einen guten Eindruck. Größe und Krümmung sind so gewählt, dass das Gerät angenehm in der Hand liegt und an die rückseitig angeordneten Tasten gewöhnt man sich mit der Zeit.

Und auch bei der Software hat sich LG keine gröberen Schnitzer erlaubt: Android 5 ist am G Flex 2 schön umgesetzt, die LG-eigene Benutzeroberfläche wirkt deutlich aufgeräumter und schlichter als noch bei früheren Smartphones der Koreaner. Ein paar praktische Extras wie die Klopf-Entsperrfunktion sind an Bord, zusätzlich ist das Interface in vielen Belangen anpassbar und auch einige mehr oder minder praktische Apps legt LG bei.

Fazit: Während uns das erste G Flex noch ein wenig wie eine Machbarkeitsstudie vorgekommen ist, zeigt LG mit der zweiten Generation nun, dass krumme Smartphones am Massenmarkt angekommen sind. Das Gerät hat ein tolles Display, eine fähige Kamera und starke Hardware. Es bietet erweiterbaren Speicher, solides Handling und brauchbare Software. Dass die Rückseite nicht so hart im Nehmen ist wie erwartet und der Prozessor unter Dauerbelastung zum Handwärmer wird, trübt den sehr guten Gesamteindruck da nur mehr minimal. Zumal das G Flex 2 im Gegensatz zum Vorgänger in einer Preisregion spielt, in der es durchaus konkurrenzfähig ist.

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