Sa, 25. November 2017

Brände, Verletzte

18.03.2015 12:47

EZB-Prunkbau eröffnet: Protestwelle in Frankfurt

Begleitet von massiven Ausschreitungen und Demonstrationen hat die Europäische Zentralbank ihre neue, rund 1,3 Milliarden Euro teure Zentrale am Mittwoch im Frankfurter Ostend eingeweiht. Das linke Aktionsbündnis Blockupy wollte die Feierlichkeiten für den milliardenschweren Prunkbau behindern und startete bereits in den frühen Morgenstunden Protestaktionen, bei denen mehrere Polizeiwagen in Flammen aufgingen und Dutzende Menschen verletzt wurden. Die Polizei verhaftete Hunderte Aktivisten.

"Das Gebäude ist ein Symbol für das Beste, was Europa gemeinsam erreichen kann", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Mittwoch. In seiner Rede erwähnte der Italiener auch die Proteste am Rande der Veranstaltung. "Ich gehe davon aus, dass wir auch diejenigen mitnehmen können, die sich ausgeschlossen fühlen, darunter viele der Protestierenden, die in Frankfurt diese Woche zusammengekommen sind", sagte der EZB-Präsident. Draghi setzt dabei auf die weitere Integration in Europa. Das habe den Europäern bereits über drei Generationen viele Vorzüge gebracht.

Straßenschlachten: Zahlreiche Verletzte auf beiden Seiten
In der Frankfurter Innenstadt hatten sich Polizei und Demonstranten schon vor der Eröffnung in der Früh Straßenschlachten geliefert. Dabei kam es auf beiden Seiten zu zahlreichen Verletzten.

Auf Twitter verbreitete Bilder zeigten das Ausmaß der Verwüstung: brennende Polizeiautos und Beschädigungen an den Absperrungen rund um den neuen EZB-Sitz. "Die Atmosphäre ist aggressiv", sagte Polizeisprecherin Claudia Rogalski. Es soll über 500 Festnahmen gegeben haben.

Blockupy spricht von "Bürgerkriegsszenario"
Die Polizei habe Teile der Demonstration angegriffen, sagte Blockupy-Sprecher Hendrik Wester der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist nicht so, wie wir von Blockupy den Tag geplant haben. Aber man muss auch feststellen, dass offensichtlich das Bürgerkriegsszenario, was die Polizei da aufgemacht hat, von vielen Leuten als Herausforderung und als Provokation begriffen worden ist."

Geplant war "friedlicher, bunter und lauter Protest"
Ein dänischer Aktivist sagte: "Ich bin enttäuscht darüber, wie das läuft." Ein weiterer äußerte bereits in der Früh seine Enttäuschung über die Krawalle: "Kaum hat unser friedlicher Protest begonnen, ist auch schon alles kaputt."

Das kapitalismuskritische Bündnis Blockupy hatte zuvor angekündigt, friedlich vor dem EZB-Bau zu demonstrieren. "Wir vom Blockupy-Bündnis planen keine Gewalttaten, sondern einen friedlichen, bunten, lauten Protest", sagte der hessische Linke-Landtagsabgeordnete Ulrich Wilken am Dienstag in Frankfurt. Dem Zusammenschluss gehören mehr als 90 Organisationen an, darunter Attac, einige Gewerkschaften, die Linke und sogenannte Antifa-Gruppen.

Mit dem Protest bei der Eröffnungsfeier der neuen EZB-Zentrale sollte der Widerstand gegen die Politik der "Institutionen" (früher Troika) Internationaler Währungsfonds, EU-Kommission und EZB, aber auch der deutschen Bundesregierung verdeutlicht werden, so Wilken, der die Großdemonstration angemeldet hatte.

Umstrittenes Gebäude kommt quasi aus Österreich
"Eine dreidimensionale Ikone für die EU", nannte hingegen Wolf Prix vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au "sein" Gebäude vor der Eröffnungsfeier. Das neue, spektakuläre Gebäudeensemble am Frankfurter Mainufer besteht aus drei Elementen und kommt quasi aus Österreich. 165 und 185 Meter sind die Zwillingstürme hoch, die von jeder Seite anders aussehen. Die beiden Hochhäuser sind mit Stahlstreben und Plattformen verbunden und wirken von außen wie ein Gebäude.

Der neue EZB-Hauptsitz verfügt über bis zu 2.900 Arbeitsplätze. Der ursprünglich auf 850 Millionen Euro veranschlagte Kostenrahmen (zu Preisen von 2005) wurde auf 1,3 Milliarde Euro erweitert. Allein der Preisanstieg von Baumaterialien und -leistungen schlug dabei mit rund 220 Millionen Euro zu Buche. Die Integration der denkmalgeschützten Großmarkthalle war zudem schwieriger und teurer als veranschlagt. Weiters mussten 600 Arbeitsplätze mehr als geplant untergebracht werden.

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