Do, 19. Oktober 2017

Mehr Bewegung

23.03.2015 12:51

Langes Sitzen macht krank!

Wer fünf Stunden durchgehend sitzt, riskiert seine Gesundheit. Ideal sind 10.000 Schritte – aber über den Tag verteilt!

Vom Frühstückstisch zum Auto, an der Arbeitsstätte mit dem Lift hinauf ins Büro und zu Mittag wieder mit dem Aufzug in die Kantine hinunter. Nach stundenlanger Schreibtischarbeit den Weg retour in direkter Linie ins Wohnzimmer vor den Fernseher oder PC. Auch die Einkäufe erfolgen mit dem fahrbaren Untersatz.

Rückenschmerzen kleinstes Problem
Wenn Ihr Alltag in etwa so aussieht, dann könnten Sie bald ein Problem haben. Und zwar nicht nur mit dem Bewegungsapparat (mittlerweile leiden 80 Prozent der Österreicher an Rückenschmerzen). Stundenlanges Sitzen schädigt den ganzen Organismus, allem voran das Herz-Kreislaufsystem. Ohne (normale) Anstrengung bleibt der Puls im niedrigen Bereich, das Herz muss weniger pumpen, der Herzmuskel "schrumpft" und büßt an Leistung ein. Ein Teufelskreis, denn dann ermüden wir rascher, bekommen weniger Sauerstoff und legen noch kürzere Strecken zurück.

Dazu kommen Übergewicht, erhöhte Blutfettspiegel und Venenschwäche (Thrombosegefahr), weil die zugeführte Nahrung nicht ausreichend verbrannt wird und die Venenpumpe, die für den Blutfluss aus den Beinen verantwortlich ist, untrainiert bleibt. Herzinfarkt und Schlaganfall sind vorprogrammiert. Weitere Risiken: Verstopfung und Darmprobleme sowie Rückgang der Knochendichte.

Auch das Gehirn schaltet ohne Bewegungsreize auf Minimalleistung. Seine Durchblutung sinkt, die neuronale Vernetzung wird gedrosselt, hingegen erhöht sich der Dopaminspiegel. Wird der Botenstoffe nicht abgebaut, begünstigt dies Vergesslichkeit bis hin zu Demenz. Zudem sind inaktive Menschen häufiger depressiv, was sich durch die geringere Produktion von "Glückshormonen" im Gehirn erklärt.

Schlussendlich soll langes Sitzen sogar zu Krebs führen, wie eine Zusammenfassung 43 diesbezüglicher Wissenschaftsarbeiten ergeben hat. Der Grund könnte sein, dass das ruhige Verharren in einer anatomisch unnatürlichen Haltung (unsere Vorfahren hockten oder legten sich nieder, um sich auszuruhen), den Abbau von Entzündungsstoffen verhindert.

Langes Sitzen macht krank!
Es ist also nicht übertrieben zu behaupten: Langes Sitzen macht krank! Ein aktuelles Experiment an der Kölner Sporthochschule verdeutlicht dies: Eine Studentin und ein Student begaben sich nach dem Frühstück an den Schreibtisch und arbeiteten den ganzen Tag lang im Sitzen. Nur der Weg zur Toilette und das Mittagessen unterbrachen den Ablauf. Nach einer körperlichen Abklärung vor Beginn der Untersuchung wurden danach verschiedenen Parameter erhoben.

Was die Wissenschaftler interessierte, war der Blutzuckerspiegel der beiden gesunden Probanden. Das Ergebnis am Ende des Tages erstaunte auch den Leiter des Zentrums, Präventionsmediziner Prof. Ingo Froböse, der bereits seit vielen Jahren auf diesem Gebiet forscht: Bereits nach diesem einen Tag mit Bewegungsmangel schnellten die Zuckerspiegel der Studenten derartig in die Höhe, dass sie Grenzwerte erreichten, die auf Dauer zu Diabetes Typ II führen! Der Hauptgrund: Die Nahrung konnte nicht ausreichend verstoffwechselt werden. Wenn die Probanden, wie am Tag danach, das Sitzen einmal pro Stunde durch Treppensteigen von fünf Stockwerken unterbrachen, besserten sich die Werte schlagartig!

Stundenlanges regloses Kauern muss unterbrochen werden!
Ihnen kann das nicht passieren, weil Sie jedes Wochenende "zum Ausgleich" im Fitnessstudio schwitzen? Leider nicht zielführend. Zwar ist jede sportliche Betätigung besser als gar keine, doch schwedische Forscher der Karolinska Universität bekräftigen die Erkenntnisse ihrer Kölner Kollegen: Man muss das stundenlange reglose Kauern unterbrechen! Auch Sportmediziner Univ.-Prof. Dr. Paul Haber aus Wien warnt seit Jahren davor, dass Sitzen als Gesundheitsgefahr das "neue Rauchen" ist.

Um körperlich und geistig fit zu bleiben, empfiehlt die WHO 10.000 Schritte pro Tag zurückzulegen. Im Durchschnitt schaffen die Österreicher aber nur 1.500, die aktiveren gerade einmal 5.000! Salzburger Vorsorgemediziner raten, wenigstens dreimal pro Woche so beherzt auszuschreiten, dass man ein wenig außer Atem kommt. So lassen sich in einer halben Stunde schon einmal 5.000 Schritte zusätzlich bewältigen. Für den Alltag heißt das etwa, dass schnelle Geher in zehn Minuten ca. 1.500 Schritte zurücklegen, langsamere ca. 1.200.

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