Fr, 15. Dezember 2017

Hilfe angelaufen

16.03.2015 18:19

Nach Zyklon: "Paradies muss neu aufgebaut werden"

Die enormen Zerstörungen des Zyklons "Pam" werden drei Tage nach dessen Zug über den Inselstaat Vanuatu immer deutlicher. Erste Bilder aus dem Katastrophengebiet und Aufklärungsflüge über abgelegenen Inseln bestätigten am Montag die schlimmen Befürchtungen.

"Es gibt Berichte über katastrophale Verwüstung auf den Inseln Erromango und Tanna im Süden, wo nicht aus Beton gebaute Gebäude komplett dem Erdboden gleichgemacht wurden und die Betonbauten keine Dächer mehr haben", sagte der Leiter des Büros der Hilfsorganisation Oxfam in der Hauptstadt Port Vila, Colin Collett van Rooyan.

Präsident: "Klimawandel mitverantwortlich"
Während Hilfe für die Opfer allmählich anlief, machte der Präsident des Inselstaats, Baldwin Lonsdale, den Klimawandel mitverantwortlich für die Verwüstung. "Der Meeresspiegel steigt, das Wetter ändert sich", sagte er dem australischen Sender ABC am Montag. "In diesem Jahr hatten wir mehr Regen, die schweren Niederschläge der vergangenen Wochen waren weit mehr als das, was wir früher erlebt haben."

Ähnlich äußerte sich der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. "Die Rechenmodelle sagen alle voraus, dass die tropischen Wirbelstürme nicht häufiger werden, aber dass die Zahl der besonders starken Stürme steigt", sagte Latif. "Aber die Datenbasis reicht noch nicht aus, um sichere Aussagen treffen zu können." Dies werde erst in Jahrzehnten möglich sein.

"Große Sorge um die südlichen Regionen"
Das australische Militär hat nach dem Überflug erhebliche Zerstörung gemeldet. "Wir machen uns große Sorgen um die südlichen Regionen", sagte Orla Fagan von der UNO-Nothilfekoordination OCHA. Die Inseln Erromango und Tanna mit etwa 30.000 Einwohnern waren weiter von der Hilfe abgeschnitten. Die nördlichen Inseln könnten dem Schlimmsten entgangen sein, meinte Alex Mathieson von Oxfam, der bis vor Kurzem in Port Vila lebte.

Van Rooyan schloss nicht aus, dass mehr als ein Drittel der 250.000 Einwohner im ganzen Land obdachlos geworden seien. Die Zahl der Todesopfer ist weiter ungewiss. Bisher bestätigt sind mindestens acht Tote. Auch Nachbarstaaten wie Tuvalu waren betroffen, wo die Hälfte der 10.000 Einwohner Hilfe braucht, wie die Regierung sagte.

Vanuatus südliche Inseln lagen direkt im Auge des Zyklons, der in der Nacht auf Samstag über die Region nordöstlich von Australien gezogen war. Es war einer der mächtigsten je gemessenen Zyklone. Hilfsorganisationen riefen zu Spenden auf.

Hilfe trifft ein - Angst vor Krankheiten wächst
In der Hauptstadt Port Vila trafen tonnenweise Hilfsgüter ein, etwa Plastikplanen, Nahrungsmittel, Trinkwasser und Erste-Hilfe-Pakete. In der Stadt selbst waren 90 Prozent der Gebäude beschädigt. "Angesichts des Regens und der Verwüstung müssen wir mit Malaria und Dengue-Fieber sowie mit allen möglichen Durchfallerkrankungen rechnen", sagte die australische Sanitäterin Charlotte Gillan, die in Port Vila lebt. "Die Leute hier ernähren sich außerdem von den Erträgen ihrer Gärten - die aber sind allesamt vernichtet."

Vanuatus Leiter von Save the Children, Tom Skirrow, sagte, die logistischen Herausforderungen könnten größer sein als nach dem Monster-Taifun "Haiyan", der im November 2013 auf den Philippinen wütete und bis zu 8.000 Menschen in den Tod riss. "Ich war nach der Katastrophe da und half mit und bin mir hundertprozentig sicher, dass wir es hier mit einem noch größeren logistischen Problem zu tun haben", sagte Skirrow. Die Zahl der Todesopfer sei zwar deutlich niedriger, doch der Anteil der Betroffenen sei "viel größer".

"Wir müssen das Paradies neu aufbauen"
Nach Angaben von Präsident Lonsdale hat der Zyklon jahrelange Entwicklungsfortschritte zerstört. "Wir müssen wieder von vorn anfangen", sagte er. "Ich hoffe, dass Vanuatu sich erholt, dass die Menschen zusammenhalten und das Paradies neu aufbauen."

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