So, 19. November 2017

Eviva X-Paña

18.03.2015 14:56

Seat Leon X-Perience: Kommt fein weiter

Der Name sagt eigentlich alles: Seat Leon ST X-Perience, die Gatsch-Variante des mit heißer Klinge geschnittenen spanischen Kompaktkombis. Leider ist er den meisten zu kompliziert, um ihn auszusprechen. Und so kommt der tapfere Iberer, der das Fenster in die Welt abseits gepflegter Straßen öffnet, im Tagesgeschäft Windows-Namen "XP". Zum Glück ist er technisch aktueller als das abgelöste und längst nicht mehr unterstützte Betriebssystem.

Seat ist derzeit der Vorzugsschüler im Volkswagen-Konzern. Einst auf Verluste abonniert, setzt sich die spanische Tochter immer besser in Szene, mit bewährter VW-Technik, einem etwas dynamischeren Design und im Detail etwas abgespeckt, was Anmutung und Infotainment betrifft, ohne aber ins Billige abzurutschen.

Alcantara statt Goretex
Der Feldweg-Leon kommt im Fall des Testwagens sogar recht edel daher: Mit diesem zarten Schoko-Alcantara im Innenraum (600 Euro extra), das an den Sitzen mit Teilleder ergänzt wird, habe ich nicht gerechnet, auch die Lackierung wirkt elegant - trotz der Outdoor-artigen Bezeichnung "Adventure Braun Metallic". Unverzichtbar sind natürlich die Kunststoffbeplankungen rundherum samt angedeutetem Unterfahrschutz. Für den Großstadtdschungel wäre etwas Plastik an den Türen hilfreich, aber das wäre wohl zu undezent.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Microsofts XP und dem XP-Testwagen: Der X-Perience trägt richtig viel dazu bei, dass er nicht hängen bleibt. Sein Allradantrieb leitet über die elektronisch gesteuerte Haldex-Lamellenkupplung umgehend Kraft nach hinten, wenn die Vorderräder darum ersuchen, eine elektronische Differenzialsperre sorgt zusätzlich für entsprechende Kraftverteilung und das um 15 mm erhöhte Bodenfreiheit bietet Reserven zwar nicht fürs Gelände, aber doch für unwegsames Geläuf. In aller Regel braucht man sich keine Sorgen zu machen, irgendwo aufzusitzen.

Macht was her im Rückspiegel
Auch auf der Straße kommt man zum Teil besser vorwärts als andere, dafür sorgt das auffallend ausgeprägte Überholprestige der optionalen LED-Scheinwerfer. Dank des 184 PS starken 2-Liter-Turbodiesels mit seinen 380 Nm ab 1.750/min. steckt auch ausreichend Kraft dahinter. 7,8 Sekunden reichen dem 1.435 kg schweren Nebenwegshelden für den Sprint auf 100 km/h, maximal sind 226 km/h drin. Der Testverbrauch von 7,7 l/100 km ist eine Spur höher als erwartet.

Das Fahrwerk ist freundlich hart, deshalb leidet die Kurvenstabilität nicht unter der Höherlegung, aber das geht natürlich zulasten des Komforts. Doch eine Sänfte wird man sich hier auch nicht erwarten. Komfort bieten hingegen das leicht erhöhte Einsteigen und die ebensolche Sitzposition - ein gutes Maß zwischen Kombi und SUV, wie das ganze Auto.

Ein wenig ruppig unterwegs
Etwas unharmonisch agiert das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Einerseits schaltet es oft zu weit runter, andererseits lässt es den Motor teilweise auf knapp über 1.200 Touren dahinbrummeln - auffallende Vibrationen sind die Folge. Vibriert das Lenkrad, liegt das hier also nicht an einem Spurverlassenswarner, sondern an den zu niedrigen Drehzahlen. Beim Anfahren wiederum kommt das DSG etwas zu langsam auf Touren, was sich mit der leichten Anfahrschwäche des Motors ungünstig trifft. Zuerst wartet man also drauf, dass endlich was weitergeht, bevor es einen dann richtiggehend reißt.

Auch wenn der Leon ST generell nicht auf maximale Ladekapazität ausgelegt ist (Design geht vor), herrscht hier keinerlei Enge. Man sitzt vorne gut, hinten okay und der Kofferraum ist mit 587 bis 1.470 Liter durchaus beachtlich. Im Detail fällt auf, dass 1,5-Liter-PET-Flaschen nur mit Nachdruck in die vorderen Türfächer passen.

Ab 33.940 Euro ist der 184-PS-"XP" mit Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe zu haben. Da sind zwar Zwei-Zonen-Klimaautomatik oder 17-Zoll-Alus schon dabei, Navi, Parksensoren oder LEDs kosten aber ebenso extra wie das Soundsystem oder das Panorama-Glasdach. Optional ist auch ein City-Notbremsassistent erhältlich. Der Testwagen hat sogar einen Adaptiv-Tempomat an Bord, kommt aber auch auf insgesamt 39.500 Euro.

Unterm Strich
Der Seat Leon ST X-Perience bietet viel Auto fürs Geld - und auch viele Möglichkeiten. Die Fahrt zum Biobauernhof gelingt sowohl im dicksten Schnee wie auch im Schlamm eines Regenunwetters, man zerkratzt sich die Front nicht beim Parken an höheren Randsteinen und liegt auch noch voll im Trend. Im Vergleich zu den teureren VW-Kollegen muss man sich nur mit etwas billigerem Kunststoff im Innenraum und dem kleineren Display samt etwas unübersichtlicheren Navi arrangieren. Im Gegensatz zu Windows XP sind dafür aber weiterhin Updates zu bekommen.

Warum?

  • Kann alles und schaut auch noch gut aus.
  • Das SUV fürLeute, die keine SUVs mögen

Warum nicht?

  • DSG/Motor-Kombination nicht harmonisch

Oder vielleicht …

… Volkswagen Golf Alltrack, Skoda Octavia Scout

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