Sa, 25. November 2017

Varoufakis bei Jauch

16.03.2015 12:40

„Stinkefinger für Deutschland ist gefälscht“

Trotz zunehmend leerer Kassen in Athen hält der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis die Lage nicht für dramatisch. Es handle sich um ein "unbedeutendes Liquiditätsproblem", das Europa nicht auseinandertreiben dürfe, sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Günther Jauch". Für einen Eklat sorgte dann die Einspielung eines älteren Videos, in dem Varoufakis den Deutschen den Stinkefinger zeigt. Der Politiker, live aus Athen zugeschaltet, reagierte empört und sprach von einer Fälschung: "Das ist ein unechtes Video. Der Finger ist reinmontiert worden."

Varoufakis meinte: "Ich schäme mich dafür, dass man mir das zutraut." Jauch erwiderte, seinen Informationen zufolge stamme das Bild von einer Konferenz in Zagreb im Jahr 2013 - das gesamte Video sehen Sie hier (die entsprechende Szene erfolgt bei Minute 1:58). Die ARD werde nun prüfen, ob das Material gefälscht sei.

Am Montag teilte dann die Redaktion der ARD-Talkrunde mit, erste Nachforschungen hätten ergeben, dass es keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung in dem Video gebe. Man lasse den Clip aber weiterhin durch mehrere Netzexperten prüfen.

Zahlungsunfähigkeit: Varoufakis weicht aus
In der Sendung wich Varoufakis auf die Frage, ob sein Land noch vor Monatsende zahlungsunfähig werden könne, aus: "Wir in der griechischen Regierung tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass alle Gläubiger ihr Geld zurückbekommen." Gleichzeitig müssten aber auch Rentner und Staatsbedienstete rechtzeitig ihr Geld bekommen.

Griechenland brechen die Steuereinnahmen weg. Zugleich steht die Regierung unter Druck, weil sie laufende Schulden bedienen muss. Noch im März stehen Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds und andere Gläubiger in Höhe von 1,6 Milliarden Euro an. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", der griechische Premier Alexis Tsipras habe ihm den Ernst der Finanzlage geschildert: "Tsipras braucht dringend Geld." Nach eigenen Angaben sagte Schulz dem linken Regierungschef zudem, dass dessen Koalition mit Rechtspopulisten ein Fehler sei.

Griechenland akzeptiert keine "Instruktionen"
Varoufakis wies dies in der ARD als Einmischung zurück: Kein Politiker im Ausland habe das Recht, "Instruktionen gegenüber einer souveränen Nation abzugeben". Zugleich bezeichnete er die Frage deutscher Reparationen für die Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg als einen moralischen Punkt: "Es geht nicht um Geld. Es tut mir weh, dass das Thema der Zwangskredite nicht beigelegt ist. Ich hätte es sehr, sehr gern, wenn das Thema vom Tisch käme."

Tsipras hatte Deutschland aufgefordert, eine Milliardenzahlung an Reparationen und Entschädigungen zu leisten. Er warf Berlin vor, sich mit rechtlichen Tricks seit Jahrzehnten davor zu drücken. Die deutsche Regierung hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

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