Fr, 17. November 2017

Spitäler stellen um

15.03.2015 18:46

Patienten werden umgeleitet, aber Landärzte fehlen

Der Konflikt ums neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte wird die Gesundheitsversorgung in Tirol nachhaltig verändern. Schon jetzt zeigt sich, dass Patientenströme von den Krankenhäusern zu niedergelassenen Ärzten umgeleitet werden, weil Ambulanzdienste wegfallen. Das Problem dabei: der Ärztemangel am Land. Immer mehr Kassenstellen können nicht nachbesetzt werden.

11,2 Millionen Euro hat das Land zur Aufstockung der Ärztegehälter an den Landeskrankenhäusern für heuer zugesagt. Die Gemeindeverbände, die für die Bezirkskrankenhäuser zuständig sind, werden da nicht nachstehen können, wenn sie ihre Mediziner halten wollen. Die Verhandlungen laufen noch. Zudem fordert auch das Pflegepersonal mehr Gehalt.

In Zeiten knapper Budgets wird‘s nicht ausbleiben, dass die Krankenhäuser an anderen Stellen sparen und sich auf die Akutversorgung zurückziehen. Schon jetzt werden immer mehr Ambulanzdienste eingeschränkt. Das wird sich noch verschärfen. Vor allem an der Klinik, deren Ambulanz-Apparat annähernd so groß wie jener des AKH in Wien ist.

"Es wurde bereits 13 Mal ausgeschrieben"

"Zwangsläufig erhöht das den Druck auf den niedergelassenen Bereich. Erste Auswirkungen sind bereits zu spüren", sagt Ärztekammer-Direktor Günter Atzl. Aber wohin mit den umgeleiteten Patienten, wenn Landärzte fehlen? Bei den Kassenärzten droht ein Personalengpass. Im Außerfern fehlt ein Augenarzt, in Brixlegg und in der Wildschönau wurde bislang erfolglos nach einem Allgemeinmediziner gesucht. "Bei den Hausärzten ist es mittlerweile nicht mehr nur in den typischen Landgemeinden mit der Nachbesetzung schwierig, sondern auch im Inntal", berichtet Atzl. Außerdem fehlt in Schwaz ein Psychiater und im Raum Kitzbühel/St. Johann ein Kinderarzt. "Diese Stelle habe wir bereits 13 Mal erfolglos ausgeschrieben", weiß Atzl.

TGKK sieht Versorgung dennoch gesichert

Sieben Planstellen sind laut Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) – sie betreut 80 Prozent der Bevölkerung – derzeit vakant. TGKK-Obmann Werner Salzburger: "Ausschreibungen werden inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus publiziert. Außerdem führen wir Gespräche mit potenziellen Nachfolgern aus den betroffenen Regionen. Von den sieben offenen Stellen gibt es bereits für drei konkrete Lösungsansätze, um die Versorgung sicherzustellen."

Für die TGKK könnte die Verschiebung der Patientenströme weg von den Spitälern und hin zu niedergelassenen Ärzten nicht nur ein organisatorisches Problem, sondern auch ein finanzielles werden. Derzeit wird über die künftigen Honorare für Kassenärzte verhandelt. Für die Ärztekammer sind die Zugeständnisse des Landes da ein willkommenes Argument. Denn wenn in Spitälern deutlich mehr gezahlt wird, werden für Jungärzte Kassenstellen am Land umso unattraktiver.

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