Mo, 18. Dezember 2017

"Völlige Zerstörung"

15.03.2015 17:22

Zyklon "Pam": Schicksal von Zehntausenden ungewiss

Schwerste Verwüstungen hat Wirbelsturm "Pam" im Pazifikstaat Vanuatu angerichtet. Die Regierung des Inselstaats rief am Sonntag den Notstand aus, Präsident Baldwin Lonsdale bat die internationale Gemeinschaft dringend um Hilfe. Möglicherweise Dutzende Menschen kamen in dem Monstersturm der höchsten Kategorie fünf ums Leben. In der Hauptstadt Port Vila wurden nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam bis zu 90 Prozent der Häuser beschädigt. Das Schicksal von Zehntausenden Menschen ist noch ungewiss.

48 Stunden nach dem Durchzug des Zyklons war das Ausmaß der Katastrophe nicht einmal annähernd abzusehen. Die Behörden Vanuatus sprachen zunächst von acht Toten in der Hauptstadt Port Vila auf Efate, wie Chloe Morrison vom Hilfswerk World Vision berichtete. Doch die Hilfsorganisationen rechnen mit sehr viel höheren Opferzahlen. Sie konnten bis Sonntag nur Teile der Hauptinsel in Augenschein nehmen, die meisten der 80 anderen Inseln mit mehr als 180.000 Einwohnern sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. Der Zyklon dürfte viele mit voller Wucht getroffen haben.

Man habe bisher zu 13 von 80 Mitarbeitern Verbindung herstellen können, teilte World Vision mit. Der Kontakt zwischen der Hauptstadt und den entlegenen Inseln, die zum Teil direkt im Auge des Sturms gelegen hätten, sei nicht möglich. "Wir haben gehört, dass ganze Dörfer weggeblasen wurden", sagte Morrison. "Der Wind war so stark, dass nur noch eine Trümmerlandschaft übrig geblieben ist."

"Wir haben Tote gesehen, möglicherweise gibt es viele Tote, aber das können wir noch nicht sagen", erklärte Sune Gudnitz, der Chef des Pazifikbüros der UN-Nothilfekoordination OCHA. "Eine Katastrophe dieses Ausmaßes gab es in der jüngeren Geschichte Vanuatus nicht."

90 Prozent der Häuser beschädigt, Ernten zerstört
In Port Vila seien 90 Prozent der Häuser beschädigt, etwa 20 Prozent davon seien zerstört. Entwurzelte Bäume und umgeknickte Strommasten versperren die Straßen. Tausende Menschen seien in Notunterkünften. In der Stadt mit 44.000 Menschen gibt es keinen Strom, kaum Handyverbindungen, die Trinkwasserversorgung fiel zeitweise aus. Felder und Ernten sind zerstört.

Save-the-Children-Mitarbeiter Tom Skirrow berichtete von "Menschen, die auf den Straßen umherirren auf der Suche nach Hilfe". Charlie Damon von Care International schilderte überschwemmte Notunterkünfte: "Wenn dies das Ausmaß für Gemeinden mit Notunterkünften ist, sind wir zutiefst besorgt darüber, was in abgelegeneren Gemeinden ohne solche Einrichtungen passiert ist."

Erste Hilfsflüge bereits eingetroffen
"Unsere Hoffnung auf eine blühende Zukunft ist zerstört", sagte Vanuatus Präsident Baldwin Lonsdale um Fassung ringend vor den Delegierten einer UN-Konferenz zur Katastrophenvorsorge in Japan. Nach Angaben des Präsidenten sind auch viele Schulen und Kliniken zerstört. Er verhängte den Ausnahmezustand und bat um internationale Hilfe. Auch Nichtregierungsorganisationen starteten Hilfsappelle.

Die Europäische Union stellte eine Million Euro bereit, weitere Millionenspenden kommen von den Vereinten Nationen und Großbritannien. Australien und Neuseeland sagten ebenfalls Millonenhilfen zu und schickten erste Hilfsteams ins benachbarte Tuvalu. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, versprach schnelle, unbürokratische Hilfe und für später auch Unterstützung zum wirtschaftlichen Aufbau.

"Pam" drehte und kam näher als gedacht
Der Wirbelsturm hatte Vanuatu in der Nacht zum Samstag mit voller Wucht getroffen, Sturmböen erreichten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 330 Stundenkilometern. Laut australischem Wetterdienst änderte "Pam" in letzter Minute die Richtung und zog näher an Port Vila vorbei als vorhergesagt. Auf der Hauptinsel leben rund 65.000 Menschen.

Auch Nachbarstaaten Vanuatus meldeten schwere Schäden, darunter Neukaledonien und die Salomonen-Inseln. In Tuvalu seien 45 Prozent der 10.000 Einwohner schwer getroffen, sagte Regierungschef Enele Sopoaga im neuseeländischen Rundfunk: "Wir machen uns Sorgen, ob Nahrung, Trinkwasser und Arzneimittel reichen." Am Sonntag nahm der Zyklon Kurs auf Neuseeland. Der Wetterdienst warnte vor Sturmfluten.

Während der wärmeren Monate kommt es im Pazifik immer wieder zu Wirbelstürmen. Vor einem Jahr hatte der Zyklon "Lusi" auf Vanuatu schwere Schäden angerichtet, elf Menschen kamen ums Leben. Der bisher stärkste Sturm in der Region war dem Wetterdienst in Fidschi zufolge "Zoe" im Jahr 2002.

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