Di, 17. Oktober 2017

Masernepidemie

12.03.2015 21:31

„Die Kärntner sind Impfmuffel geworden“

Eine Masernepidemie in der Steiermark lässt auch in Kärnten die Alarmglocken schrillen: Primar Willi Kaulfersch vom ELKI Klagenfurt über Impfrisiko, Pharma-Verschwörungstheorien und Kindeswohl.

Herr Primarius, plötzlich sind Masern ein großes Thema. Ist die Hysterie denn berechtigt?

 

Ich würde nicht von Hysterie sprechen – eher von Tatsachen. Nach dem Tod eines Kleinkindes in Berlin und mehreren Erkrankungen auch in Österreich ist wieder mit einer Epidemie zu rechnen. So was gab es ja schon öfters.

Sind Masern denn wirklich so ansteckend?
Hochinfektiös. Es ist belegt, dass eine einzige Patientin eine Epidemie mit 23.000 Erkrankten auslösen kann – natürlich nur in Gegenden, wo es keine Impfungen gibt.

Impfkritiker sagen, Masern seien eine typische Kinderkrankheit.
Dem halte ich Zahlen entgegen: Von 1000 Masern-Patienten stirbt einer. Und 200 kommen nicht nur mit ein bisschen Fieber, Schnupfen und Flecken davon – da reden wir von Lungenentzündung, Krampfanfällen, Hirnhautentzündung. Die Komplikationsrate ist also viel höher als jene bei Impfungen.

Da sind wir am Knackpunkt: Die Impfrate ist in Kärnten gesunken. Warum?
Weil es halt viele gibt, die Impfungen nicht als Möglichkeit der Medizin ansehen, sondern als Verschwörung der Pharmaindustrie, als unnötig, als zu gefährlich. Um Masern wirklich auszurotten, bräuchten wir eine Impfrate von 95 Prozent – in Kärnten sind’s insgesamt aber nur noch 80 Prozent. Kärntner sind Impfmuffel geworden.

In Deutschland wird über eine Impfpflicht diskutiert. Was halten Sie davon?
Nichts. Ich appelliere lieber an die Vernunft der Menschen. Eltern, die ihren Kindern aus nicht medizinischen Gründen Impfungen verweigern, muss man erklären, dass sie eigentlich nicht nur eine Vernachlässigung oder Misshandlung ihres eigenen Kindes begehen, sondern ja auch andere gefährden. Babys zum Beispiel. Oder Menschen, die aufgrund von Erkrankungen keine Impfungen vertragen.

Es gibt immer wieder Gerüchte um Masernpartys – Eltern, die Kinder bewusst infizieren lassen.
Wahnsinn oder? Kein Kind soll so eine Erkrankung durchleiden müssen, wo das Risiko so hoch ist.

Wieviele Masernfälle behandeln Sie?
Ins Krankenhaus kommen nur selten Kinder. Ich hoffe, das bleibt auch so.

Und wie gehen Sie als Kinderarzt in der Praxis mit Impfgegnern um?
Ich muss es akzeptieren. Aber ich rede und rede. Einige Eltern gehen, informieren sich weiter und kommen dann wieder.

Masern werden nicht das einzige Problem sein.
Sie meinen, wenn einer nicht impft, impft er nichts? Stimmt. Polio etwa, also die Kinderlähmung, gilt als ausgerottet. Jetzt taucht sie aber in Afghanistan und Pakistan wieder auf. Über Flüchtlingsströme kann sie auch zu uns kommen.

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