Do, 23. November 2017

Ausstellung in Graz

12.03.2015 15:05

„Landschaft in Bewegung“

Von wegen Landschaftsidylle. Fracking, Raubbau, Gasfelder, agrarische Monokulturen, Müllberge und -inseln, verstrahlte Todeszonen, usw. Der Mensch prägt die Landschaft, seitdem er im Holozän erschienen ist. Zum Auftakt zum Joanneum-Schwerpunkt „Landschaft“ zeigen das Grazer Kunsthaus und die Camera Austria das Thema von der politischen Seite, bis hin zur ideologischen Instrumentalisierung der Natur.

Ein einzelner Mensch, zum Verschwinden klein, spaziert über das zugefrorene Meer. Direkt dahinter ein Eisbrecher, der eine Schneise in die unberührte Natur schlägt. Das im Kunsthaus zu sehende Video von Guido van der Werve erinnert an die Malerei der Romantik, als Caspar David Friedrich im "Eismeer" und "Mönch am Meer" die begrenzte Macht des Menschleins gegen die gewaltige, stoische Unendlichkeit der Natur abmaß. Die Verhältnisse haben sich in nicht einmal 200 Jahren radikal umgekehrt. Geschützt von einer imposanten Technik, macht sich die Menschheit die längst als erschöpflich und sehr verletzlich erkannte Natur zum Untertan. "Es wird schon alles gut gehen" nennt van der Werve sein Video mit unüberhörbar galligem Humor.

Van der Werves Arbeit ist eine jener, die bis 26. Oktober im Kunsthaus das Verhältnis zwischen Mensch, Künstler und Natur erforschen. "Landschaft in Bewegung" nennt sich die Schau, die deutlich machen soll, dass "Landschaft" keine fixe Größe ist, sondern etwas, was erst der Mensch verändert und schafft. Und sei es nur mit seinem Blick darauf, der die Vorstellung (die bis zum Klischee herabsteigen kann) von Landschaft festlegt oder auch idealisiert.

Vor allem Filme, aber auch Bilder, die nach 1960 entstanden sind, werden gezeigt. Ed Ruschas Serienaufnahme des Sunset Strip, Michael Snows legendäres "La Région Central", in dem eine rotierende Kamera eine Berglandschaft abfilmt, James Bennings Darstellung von landwirtschaftlichen Nutzflächen, und vieles andere mehr.

Die politische Dimension von Landschaftsfotografie
Ergänzend zum Kunsthaus zeigt die Camera Austria in den kommenden Monaten insgesamt drei Ausstellungen, die sich unter dem Motto "Disputed Landscape" mit den Problemen der Sparte Landschaftsfotografie beschäftigen. Die erste setzt sich mit den Paradigmen dieser Kunstart auseinander, zielt dabei auch aufs Politische. Reinhard Braun (Camera Austria): "Uns hat die Frage bewegt, was wird mit Landschaftsfotografie eigentlich gezeigt?" Dass Landschaft und Natur freilich auch zur Ideologisierung taugen (man denke nur die Idee vom "deutschen Wald" von Carl Maria von Weber bis Elias Canetti) wird hier ebenso thematisiert, wie der Umstand, dass Landschaft und die technische Art ihrer Darstellung oft eng verknüpft werden. So zeigt der Künstler Christian Mayer eine vielsagende Anekdote der Naturfotografie. 1949 dokumentierte man wildromantische Wüstenlandschaften im US-Bundesstaat Utah auf sattem Kodak-Farbfilm. Das damals neue Medium wurde stilprägend für die Bildgestaltung bei Naturaufnahmen. Die abgebildete Gegend wurde schließlich nach der Technik benannt, die sie bekannt gemacht hatte: "Kodachrome Flat".

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