Mo, 20. November 2017

Laut Kommission

11.03.2015 11:47

Nemzow-Mord: Geständnis offenbar unter Folter

Der Hauptverdächtige im Fall des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow ist bei seinen Vernehmungen möglicherweise gefoltert worden. "Es gibt Grund zu der Annahme, dass Saur Dadajew unter Folter gestanden hat", sagte Andrej Babuschkin, Mitglied der Kreml-Menschenrechtskommission, am Mittwoch. Der Tschetschene Dadajew hatte am Wochenende nach Justizangaben seine Beteiligung an der Tat eingeräumt.

Dadajew weise "zahlreiche Verletzungen" am Körper auf, sagte Babuschkin, der den Hauptverdächtigen am Dienstag in seiner Gefängniszelle besucht hatte.

Insgesamt fünf Verdächtige in U-Haft
Die russischen Behörden hatten in der Causa Nemzow am Wochenende fünf Männer festgenommen. Dadajew, laut den Ermittlern ein Ex-Polizeioffizier aus Tschetschenien, und ein weiterer Tschetschene wurden wegen Mordes angeklagt und ebenso wie die drei weiteren Verdächtigen in Untersuchungshaft genommen. Dadajews Beteiligung an dem Mord an Nemzow sei durch sein Geständnis "bestätigt", sagte Haftrichterin Natalja Muschnikowa am Sonntag.

Der 55-jährige Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke vor den Mauern des Kremls im Zentrum Moskaus erschossen worden. Die Ermordung des Regierungsgegners löste in Russland und weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vizepremier war der prominenteste Widersacher von Staatschef Wladimir Putin und ein entschiedener Kritiker der russischen Ukraine-Politik.

Putin-Gegner bezweifeln islamistisches Motiv
Eine der Theorien der russischen Behörden zum Motiv für die Ermordung Nemzows ist ein islamistisch-extremistischer Hintergrund. Der Oppositionspolitiker soll demnach Drohungen aus diesem Milieu erhalten haben. Weggefährten Nemzows bezweifeln das jedoch. "Die Nonsens-Theorie der Ermittler über islamistische Motive beim Mord an Nemzow nutzt dem Kreml und nimmt Putin aus der Schusslinie", erklärte etwa Ilja Jaschin, der Co-Vorsitzende der kleinen oppositionellen Liberalen Partei.

"Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden", meinte Jaschin. Der Täter werde angeklagt, aber seine Auftraggeber würden ungeschoren davonkommen. Jaschin beschuldigt die Staatsführung, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Auch Nemzows Tochter Schanna vermutet den Kreml hinter dem Verbrechen. Sie sei überzeugt, dass das Attentat "mit voller Unterstützung der Machthaber begangen wurde", sagte sie. An eine Aufklärung des Verbrechens glaubt die Frau nicht: "Irgendjemand wird bestraft werden, aber nicht der wirklich Schuldige."

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