Mo, 18. Dezember 2017

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10.03.2015 14:54

Filmreif inszenierter Action-Quickie: "The Order"

Sony hat mit "The Order: 1886" kürzlich einen der ersten großen PS4-Exklusivkracher in diesem Jahr veröffentlicht. Das Game - krone.at und Sony verlosen ein Exemplar, näheres in der Infobox - soll Spieler mit filmreifer Inszenierung, abgedrehten Waffen und einer unverbrauchten Spielwelt im fiktiven London des 19. Jahrhunderts bei der Stange halten. Ob das Abenteuer des Ritters Sir Galahad in der Praxis hält, was es in der Theorie verspricht, hat krone.at ausführlich getestet.

Die Handlung von "The Order: 1886" ist eine interessante Mixtur, die am ehesten dieser Formel entspricht: Man nehme das London des späten 19. Jahrhunderts, füge moderne Technologien wie Blitzgewehre und Luftschiffe hinzu und garniere das Ganze mit einer uralten Feindschaft zwischen einem edlen Ritterorden und bösen Halbblütern, die im Grunde nichts anderes als Werwölfe sind. Noch ein paar Intrigen dazu, und fertig ist das Story-Süppchen von "The Order: 1886".

Im Spiel sorgt diese Mixtur für ein durchaus atmosphärisches Erlebnis. Das liegt aber mehr an den ausgezeichnet gestalteten und animierten Charakteren und den lebendig wirkenden Schlauch-Levels und weniger an der packenden Handlung. Es mag der kurzen Spielzeit von rund sechs bis sieben Stunden geschuldet sein, aber eine wirkliche Bindung zu Sir Galahad und seinen Mitstreitern konnten wir während der Kampagne nicht aufbauen. Actionreiches Popcornkino, das für ein paar Stunden gut unterhält, liefert sie aber trotzdem.

Streng lineares Gameplay, viele Quicktime-Events
Das ist auch wichtig, spielerisch ist "The Order: 1886" nämlich kein Ausnahmetitel. Das streng lineare Gameplay mit fast schon inflationär eingesetzten Quicktime-Events, bei denen im richtigen Moment die richtige Taste gedrückt werden muss, ist in Zeiten riesiger offener Spielwelten und ausufernder Möglichkeiten zwar angenehm schnell verinnerlicht, eine Herausforderung ist "The Order: 1886" aber selten.

Meist beschränkt sich das Game darauf, den Spieler von Deckung zu Deckung zu jagen und Gegner beharken zu lassen. Hüpf- und Kletterpassagen, gelegentliche Nahkampf-Einlagen, die mit einem einzigen Knopfdruck abgehandelt werden, und bösartigere Gegner, die auf den Spieler zustürmen, lockern das Konzept zwar etwas auf, im Kern ist "The Order: 1886" aber ein streng linearer Deckungs-Shooter.

Für Abwechslung sorgen dankenswerterweise die abgedrehten Waffen, auf die Galahad und seine Mitstreiter zurückgreifen können. Kleiner Schönheitsfehler: Richtig mächtige Wummen wie Blitzgewehre und Napalmwerfer darf der Spieler nur an vordefinierten Passagen des Spiels verwenden, allzu oft wird ihm die liebgewonnene Spezialkanone schon bei der nächsten Zwischensequenz wieder abgenommen.

Inszenierung ist die Stärke von "The Order: 1886"
Apropos Zwischensequenzen: Die sind die große Stärke von "The Order: 1886" und zeigen eindrücklich, dass den Entwicklern viel an der cineastischen Inszenierung des Games lag. Das äußert sich auch daran, dass im Grunde während der ganzen Spielzeit schwarze Balken ober- und unterhalb des Spielgeschehens zu sehen sind, wie man sie von Kinofilmen kennt. Kritiker könnten freilich anmerken, dass man dieses optische Stilmittel zu inflationär verwendet.

Auch wenn die schwarzen Balken Geschmackssache sind: Die Filmschnipsel, mit denen "The Order: 1886" seine Geschichte erzählt, sind sehr gut gemacht. Sie überzeugen mit glaubwürdig gestalteten Charakteren mit lebensechten Gesichtsausdrücken, coolen Kameraperspektiven und gut vorgetragenen Dialogen.

Ausgesprochen hübsche Grafik
Der positive Eindruck setzt sich bei der Optik des Games fort. "The Order: 1886" gehört zu den schönsten Spielen, die bislang für die PS4 veröffentlicht wurden. Es erfreut nicht nur in Zwischensequenzen, sondern selbst im normalen Spielgeschehen mit ausdrucksstarken Gesichtern, scharfen Texturen, hübschen Licht- und Schatteneffekten und verdammt gut aussehenden Kostümen.

Auch die Waffenmodelle und die in der Spielwelt verteilten Gegenstände, die Sir Galahad in die Hand nehmen und von allen Seiten betrachten darf, sind detailreich und schön gemacht. Wenn es das schon nicht spielerisch tut, fesselt "The Order: 1886" während seiner kurzen Spieldauer zumindest optisch.

Begabte Sprecher, stimmiger Sound
Lob gebührt den Machern des Titels für die Vertonung. Selbst in der getesteten deutschen Version wirken die Sprecher gut gewählt und bemüht beim Vortragen der Geschichte – keine Selbstverständlichkeit. Der Soundtrack hält sich dezent im Hintergrund, untermalt das Spielgeschehen aber stimmig. Und die Soundeffekte - etwa Schuss- und Nachladegeräusche der Waffen - wirken so realistisch, wie es die Soundeffekte frei erfundener Schießprügel tun können.

Einen Mehrspielermodus gibt es nicht
Angesichts der kurzen Spielzeit relativ schade: Einen Multiplayer-Modus hat "The Order: 1886" nicht im Gepäck, nach Abschluss der Kampagne bleibt dem Spieler nur die Option, die Kampagne nochmals zu spielen - auf Wunsch auf einem höheren Schwierigkeitsgrad.

Einen anderen Schwierigkeitsgrad auszuprobieren ist aber auch fast die einzige Motivation, das Game noch mal durchzuspielen. Grundsatzentscheidungen, die den Spielverlauf massiv verändern, wie man das etwa aus Bioware-Rollenspielen kennt, erwarten den Spieler in "The Order: 1886" kaum, die Handlung unterscheidet sich beim zweiten Durchspielen nicht wirklich vom ersten Durchgang.

Fazit: "The Order: 1886" ist ein wenig wie ein Film von Roland Emmerich: spektakulär inszeniert, strotzt nur so vor Action und bietet grundsolide Unterhaltung, viel Tiefgang sollte man sich aber nicht erwarten. Das gilt sowohl in spielerischer wie auch in erzählerischer Hinsicht. Für ein actionreiches PS4-Wochenende im von Werwölfen geplagten viktorianischen London ist das Game trotzdem gut geeignet, auch wenn die Spielzeit für einen Vollpreistitel recht kurz ist.

Plattform: PS4
Publisher: Sony

krone.at-Wertung: 7/10

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