Do, 19. Oktober 2017

"Sinnlose Maßnahme"

05.03.2015 07:52

Tempo 80 auf A1 führt zu mehr Unfällen mit Lkws

Seit Mittwoch ist der "Luft-80er" auf der A1, der Westautobahn, bei Salzburg in Kraft, doch es hagelt auch weiterhin heftige Kritik. Nicht nur zahlreiche Autofahrer ärgern sich aufgrund des gedrosselten Tempos - gelten alle Beschränkungen auf den insgesamt 140 Salzburger Autobahnkilometern, darf man nur noch auf 52 Kilometern mit Tempo 130 fahren -, auch führe es zu weitaus mehr Unfällen durch Lkws, lässt ein Unfallsachverständiger aufhorchen.

Früher war es klar. Ist man mit dem Pkw auf die Autobahn eingebogen, wusste man: Jetzt geht's schneller voran - Tempo 130 war die Regel. Doch dank der Politiker wird die Autobahn auch in Salzburg immer mehr zur Schneckenstrecke und damit ihres eigentlichen Sinns beraubt. 32 Kilometer Westautobahn und 108 Kilometer Tauernautobahn durchqueren das Bundesland Salzburg.

"Tempobremsen die Regel, Autobahntempo die Ausnahme"
Von den insgesamt 140 Autobahnkilometern kann man, gelten alle Sicherheits- und Umweltbeschränkungen, aber nur noch auf insgesamt 52 Kilometern mit einem Maximaltempo von 130 km/h unterwegs sein. "Da wäre es billiger, nur noch die Tempo-130-Strecken zu markieren", ätzt VP-Gemeinderat Peter Harlander: "Denn jetzt steht fest: Tempobremsen sind die Regel, das eigentliche Autobahntempo ist nur noch Ausnahme."

Experte: "Tempo 80 auf Autobahn kontraproduktiv"
Herbe Kritik am Tempo 80 auf Salzburgs Stadtautobahn kommt auch vom Unfallsachverständigen Gerhard Kronreif: "Was die Verkehrssicherheit betrifft, kann man klar sagen: Tempo 80 auf der Autobahn ist kontraproduktiv. Schon während der Probephase gab es eine Vervielfachung der Auffahrunfälle, die durch Lkws verursacht wurden."

Mehr Auffahrunfälle durch Lkws
Denn die Brummi-Fahrer haben auf ihrem Tempomaten 89 km/h fixiert, weil bisher unter Tempo 95 nicht geblitzt wurde. Kronreif: "Das führt zu einer dramatischen Verkürzung der Sicherheitsabstände." Immer wieder werden Pkws, die sich an das Limit halten, von den Lkws förmlich "angeschoben".

Auch Kronreif sieht in Tempo 80 auf der Stadtautobahn eine "sinnlose politische Maßnahme": "Meiner Ansicht nach wäre, schon aus Sicherheitsgründen, Tempo 90 die absolute Untergrenze." Besonders bei den Auf- und Abfahrten sowie beim Spurwechseln, das dazu nötig ist, kommt es immer wieder zu brandgefährlichen Situationen, vor allem im Lieferinger Tunnel."

Schadstoff-Minus auch bei Tempo 100
Selbst bei der Schadstoffreduktion kommt die Politik in Argumentationsnot: So hat die "Krone" erst kürzlich aufgezeigt, dass die Werte bei Stickstoffdioxid im November 2014 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres beim Tageshöchstwert um 33,2 Prozent gesunken sind (von 94,0 µ/m³ auf 62,1 µ/m³) - Werte, die im Luftgütebericht des Landes nachzulesen sind. In beiden Monaten galt Tempo 100.

Und das Verkehrsaufkommen stieg in diesem Zeitraum bei den Pkws bis 3,5 Tonnen sogar leicht an: von 69.955 Autos auf 70.031, jeweils gezählt beim Stadion. Harlander: "Beim Benzin-Pkw sind durch eine Tempobremse keine Einsparungen möglich, das bestätigt die TU Graz. Tempo 80 ist eigentlich ein reines Diesel-Thema." Doch auch von ganz anderer Seite droht dem Land wegen des Autobahn-Schneckentempos Ärger: Unternehmer, die in ihrem Fuhrpark auch Elektroautos haben, überlegen den Gang zum Verfassungsgericht. Denn für ihre völlig emissionslosen Fahrzeuge ist eine Tempobremse aus Umweltgründen nicht argumentierbar.

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