Sa, 18. November 2017

„Krone“ hörte mit

04.03.2015 15:55

Die Wahl-Schlachtpläne der Wiener Parteistrategen

Die Zeit wird knapp: Bis zum Sommer - also innerhalb von nur vier Monaten - sollte der erste große Part des Wahlkampfes um Wien erledigt sein. Ende August folgt dann Teil zwei mit dem großen Finale bis zum 11. Oktober. Über das, was die Fraktionen so aushecken, wird bereits auf den Rathausgängen getratscht - die "Krone" hörte mit.

Die SPÖ will mit dem ohnehin vorhandenen "Wien ist ursuper"-Feeling punkten (siehe Mercer-Studie). Bürgermeister Michael Häupl wird in Kürze vermutlich auch noch die "Law and Order"-Keule auspacken: mehr Polizei, mehr Überwachung der Grenzen. Das hat ja auch in den vergangenen Wahlkämpfen ganz gut funktioniert. "Und der späte Wahltermin hilft, dass bis dahin die NEOS noch mehr zerbröseln", meint ein Rathaus-Insider.

Allerdings: Ein Scheitern der Steuerreform und die bis Herbst weiter steigenden Arbeitslosenzahlen könnten das SPÖ-Ergebnis unter 40 Prozent drücken (2010: 44,34 Prozent; 2005: 49,09 Prozent).

Die Grünen bleiben bei ihrer Linie: Die Kernwählerschichten werden brav bedient, und Maria Vassilakou will "die Leistungen in dem von den Grünen übernommenen Stadtregierungsressort besonders betonen". Dieses "Bob der Baumeister"-Image wird den Grünen jedenfalls nicht so schaden wie ihr Totalausfall als Kontrollpartei (Frankenkredite, Krankenhaus Nord, AVZ etc.).

Von der FPÖ ist heuer wenig Neues zu erwarten: "Steinzeit-Wahlkampf mit Steinzeit-Themen mit Steinzeit-Slogans. Das bringt 26 Prozent. Und passiert zwischen Juni und Oktober nur ein Terroranschlag in Europa, kommt Heinz-Christian Strache auf 32 Prozent", analysiert ein SPÖ-Politiker.

Die ÖVP spielt ihre Rolle als deutlich wählbarere rechte Partei und als angenehmerer Koalitionspartner für die SPÖ immer besser: Manfred Juraczka gelingt's, dass er SPÖ-Stadträten zwar diverse Skandale um die Ohren knallt, aber trotzdem den rot-schwarzen Flirt für eine neue Koalition nicht zu sehr gefährdet. "Er weiß so wie der Bürgermeister, dass nur wenige Wiener für eine Fortsetzung von Rot-Grün sind", ist dazu aus der ÖVP zu hören. Die Stadt-Blackys müssten dafür aber bei der Wahl über 12 Prozent schaffen.

Die NEOS dümpeln weiter vor sich hin. Für die große Show fehlt offenbar das Geld. Und für ihre Zielgruppe (Unternehmer und 50+) ein charismatischer Mann an der Parteispitze. Beate Meinl-Reisinger macht ihren Job gut, die Parteistrukturen sind aber - nett formuliert - mangelhaft.

Übrigens: Die SPÖ ist jetzt doch für eine "Wahlrechtsreform" - zumindest will sie, dass auch alle Schwerkriminellen in Wiens Gefängnissen am 11. Oktober wählen dürfen.

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