Sa, 16. Dezember 2017

Zum Schreien

04.03.2015 11:59

"ScreamRide" lädt zur irrwitzigen Achterbahnfahrt

Achterbahnfahren, das ist Ekstase pur. Spätestens wenn der Körper in die Tiefe stürzt, während die inneren Organe für einen kurzen Moment in der Schwebe zu verweilen scheinen, schießt Adrenalin aus Ohren, Mund und Nase. Zum Schreien eben. Dieses Gefühl versucht nun auch Microsoft mit "ScreamRide" auf Xbox One und Xbox 360 zu transportieren – mit eher mäßigem Erfolg.

Die Zukunft ist trist. So trist, dass ein Unternehmen namens ScreamWorks in Microsofts "ScreamRide" antritt, sie mit immer extremeren Formen der Unterhaltung etwas aufregender zu gestalten. Ihr vorrangiges Unterhaltungsmittel: Achterbahnen. Das kommt nicht von ungefähr, zeichnen für die Entwicklung des Spiel doch die "Rollercoaster Tycoon"-Macher von Frontier Developments verantwortlich. "ScreamRide" ist allerdings keine Vergnügungspark-Simulation, wenngleich es deswegen nicht unbedingt leichter fällt, das Spiel einzuordnen und zu kategorisieren. Grund dafür: Es teilt sich im Prinzip in drei (Mini-)Spiele, die zwar alle durch das futuristische Setting geeint, ansonsten aber eher – und das ist bereits ein wesentlicher Kritikpunkt – lose miteinander verbunden sind.

Höllenfahrt
Als erstes Berührung machen Gamer mit dem "ScreamRider"-Modus, der sie unmittelbar ins Achterbahn-Geschehen versetzt. Ziel ist es, den Zug mitsamt seinen Passagieren so schnell wie möglich ins Ziel zu steuern, was durch die geschickte Verwendung eines Turbos gelingt. Sammeln lässt sich dieser in bestimmten Streckenabschnitten, wobei vor allem Timing gefragt ist sowie das Fahren auf zwei Rädern: Mittels Analog-Stick lehnen sich die Passagiere auf Geraden, aber auch in Kurven zur Seite, um zusätzlichen Turbo herauszukitzeln. Fingerspitzengefühl ist dabei gefragt, denn lehnt man sich zu weit raus, bedeutet das den Abgang von Gondel und Fahrern – was mitunter als optionale Herausforderung aber durchaus gewollt sein mag. Wir amüsieren uns schließlich zu Tode.

Zerstörungswut
Definitiv keine Rücksicht auf Insassen gilt es im Zerstörungs-Modus zu nehmen. Achterbahnen kommen hier zwar gelegentlich auch als Geschoss zum Einsatz, in erster Linie werden Passagiere aber mithilfe eines rotierenden Arms durch die Gegend geschleudert, um definierte Ziele oder, besser noch, die ganze Kulisse in Schutt und Asche zu legen. Am einfachsten und schnellsten gelingt das, wenn man versteckte Sprengstoff-Arsenale trifft und so eine Kettenreaktion auslöst.

Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn zum einen muss die Rotationsgeschwindigkeit gut gewählt sein, um nicht über das Ziel hinauszuschießen; zum anderen muss der perfekte Moment für den Abwurf erwischt werden: zu flach und die Kabine schlägt gleich ins Wasser, zu steil und sie schießt womöglich senkrecht in die Höhe, ohne auch nur in die Nähe des Ziels zu kommen. Zusätzlichen taktischen Tiefgang verleihen Kabinen, die sich etwa auf Knopfdruck in mehrere kleinere Kabinen zerlegen oder in die Luft sprengen lassen. Darüber hinaus warten auch in diesem Modus zahlreiche optionale Herausforderungen, die großes Zielgeschick erfordern. So wollen etwa Reifen mit der Kabine durchschossen oder Trampoline getroffen werden.

Wiederaufbau
Zu guter Letzt dürfen Gamer im Ingenieursmodus ihr Geschick beim Achterbahnbau unter Beweis stellen, wobei prinzipiell zwischen Achterbahnen unterschieden wird, die ein Höchstmaß an "Thrill" bei den Passagieren hervorrufen sollen (messbar an deren Geschrei, hohen Fliehkräften und Übelkeit), und solchen, die nur zum Zweck konstruiert werden, in und an der Umgebung den größtmöglichen Schaden anzurichten. In beiden Fällen darf auf spezielle Attraktionen wie Loopings, Korkenzieherschrauben etc. zurückgegriffen werden. Zum Teil müssen diese allerdings in den beiden anderen Modi erst freigespielt werden, erschwerend hinzukommt , dass ihre Anzahl zumeist beschränkt ist.

Einmal fertig, können die Achterbahnen mit anderen Spielern geteilt werden. Bis dahin müssen sich angehende Achterbahn-Ingenieure allerdings mit baulichen Auflagen wie einer vorgegebenen Mindestlänge des Streckenkurses oder, weitaus ärgerlicher, der vermurksten Kamera herumärgern, wodurch der Bau mitunter zur Geduldsprobe wird.

Grafik
Verbesserungspotenzial birgt schließlich auch die Optik. Unansehnlich ist "ScreamRide" auf der Xbox One zwar nicht, aber die eher nüchterne Aufmachung der Spielwelt wirkt auf den Spieler wie auf ihre Protagonisten, die ihr zu entkommen versuchen: trist und monoton. Wenngleich die Umgebungen im Spielverlauf aufregender werden: Ein klassisches Vergnügungspark-Szenario mit all seinen Gestaltungsmöglichkeiten (etwa Piraten-Thema, Außerirdische, usw.) hätte bei gleichbleibendem Spaß deutlich mehr Abwechslung geschaffen.

Fazit: Wer Spaß am Bauen von Achterbahnen und Zerstören mittels dieser hat, kommt bei "ScreamRide" auf seine Kosten. Wirklich rund wirkt die Zusammenwürfelung der drei durchaus sehr unterschiedlichen Spielmodi jedoch nicht, zumal der anfängliche Spaß angesichts steigender Komplexität der Aufgabenstellungen sowie der Steuerung bald Frust weicht. Zum Schreien komisch bzw. unterhaltsam fanden wir "ScreamRide" trotz guter Momente (allen voran der Zerstörungs-Modus) daher nicht. Kurzweilig wie eine Achterbahnfahrt ist der Titel aber allemal - nur eben nicht ganz so aufregend.

Plattform: Xbox One (getestet), Xbox 360
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 7/10

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