Di, 21. November 2017

Ernährungstrend

09.03.2015 10:26

Was ist dran an der Paradies-Diät?

Nach Vegan schwappt nun mit Rohkost ein neuer Ernährungstrend von den USA aus zu uns: nur frische Früchte und knackiges Gemüse! Wie gesund ist es? Und was bringt es?

Der Winter ist schon eine verführerische Jahreszeit: Im Advent picksüße Punschgetränke und viel zu viele Kekse, zu den Weihnachtsfeiertagen deftige Ganserln in Hülle und Fülle, und danach geht es auf den Skihütten mit Käsespätzle und Schweinsbraten nicht gerade kalorienarm weiter. Der Frühling naht und damit auch der Wunsch, dem lästigen Winterspeck den Kampf anzusagen. Einen richtigen Frühlingskick mit wertvollen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen – ja, das wollen wir. Mehr knackig frisches Obst und Gemüse als müde machende fettige Gerichte. Und wenn dann gleich ein paar Kilos purzeln – umso besser.

Ist Paradies-Diät "das neue Vegan"?
Sie meinen, es ist Zeit für ein bisschen Diät? Viel Gesundes soll auf den Tisch. Viel frische Früchte und Gemüse, ausschließlich knackfrisch? Was früher Rohkost hieß, wird heute als der neueste Ernährungstrend gefeiert. "Raw Food" boomt. Rohkost ist momentan so etwas wie "das neue Vegan". Obwohl sie tierische Produkte nicht grundsätzlich ausschließt, schränken sich die meisten Rohkost-Jünger auf vegane Rohkost ein, also Früchte, Salate, Gemüse, dazu Samen, Sprossen und Nüsse für das Eiweiß. Geschnitten, geraspelt, gemixt, püriert, fermentiert, höchstens gedörrt oder als Smoothie. Lebensmittel dürfen dabei auf keinen Fall über 42 Grad erhitzt werden, weil sonst – wie sie behaupten – einige Vitamine und Enzyme zerstört würden.

Faschierter Braten, Zucchinispaghetti und Cupcakes stehen bei ihnen auch auf der Speisekarte. Aber sie entpuppen sich bei näherem Hinsehen nicht nur als vegan, gluten- und laktosefrei, sondern auch als roh. "Faschiert" werden bei dem "Braten" übrigens Nüsse, Samen und Pilze, bei den "Spaghetti" handelt es sich um zu Nudeln zugeschnittene Zucchini. Torten, Cupcakes und Pralinen werden aus Nüssen und Datteln statt Mehl, Eiern und Zucker gemacht.

Da klingt die 80/10/10-Diät aus den USA doch recht verlockend. Sie basiert auf einer einfachen Formel: 80 Prozent der Kalorien sind aus Kohlehydraten (vor allem Früchte), zehn Prozent aus Eiweiß (grünes Gemüse), zehn Prozent aus Fett (Avocados und Nüsse). Der Verleger Bernhard Salomon hat sie ein Jahr lang probiert und in Paradies-Diät umbenannt, weil man sich ernähre wie im Garten Eden. Er weiß von sich, "sie macht nicht nur fitter, schlanker und gesünder, sondern auch klarer im Kopf und glücklicher". Heute wiegt er 76 statt 96 Kilo. Und das trotz seiner unglaublichen Tagesration: 13 Bananen, elf Datteln, fünf Orangen, fünf Paradeiser, fünf Mangos, drei Tassen Kresse, eine rote Rübe, zwei Häuptel Salat, eine Handvoll Nüsse, je ein Bund Schnittlauch, Petersilie und Radieschen und einen Fenchel. "Vor allem in den ersten Tagen nimmt man stark ab, weil auch Wassereinlagerungen ausgespült werden." Hungergefühl kennt er keines.

Paradies-Diät nicht zu lange anwenden!
Doch der Trend, sich nur von veganer Rohkost zu ernähren, polarisiert. Ernährungsmediziner warnen: Länger als ein bis zwei Wochen sollte man sich dieser Diät, wie vielen anderen Trend-Diäten, nicht unterziehen. Denn was gesund klingt, ist zu einseitig und kann zu Mangelerscheinungen führen. Fehlen auch noch Öle auf dem Speiseplan, erschwert das die Aufnahme von Vitaminen.

"Wird ausschließlich roh gegessen, können die Inhaltsstoffe der Nahrung schwerer aufgespalten werden und bleiben teilweise für den Körper ungenützt, was eine Mangelsituation noch verstärkt", erklärt Ernährungsmediziner Dr. Meinrad Lindschinger. Der rote Farbstoff Lycopin in Tomaten wirkt z.B. am besten, wenn das Gemüse erhitzt und verarbeitet wurde. Karotten oder Kohl sollte man garen. Erst dadurch werden die festen Zellstrukturen aufgebrochen. Ohne den Kochtopf hätte sich der menschliche Organismus und vor allem das Gehirn nie so gut entwickelt und wir würden noch heute als Steinzeitmenschen in einer Höhle hausen, sind Experten sich einig.

Den Energiekick am besten mit einer gesunden, leichten Mischkost holen – durchaus mit viel Obst und Gemüse. Aber nicht alles nur roh. Wir sind ja keine Hasen.

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