Do, 23. November 2017

Duell um Anif

01.03.2015 19:24

Wer folgt Dr. Hans Krüger?

Michael Stock und Gabriella Gehmacher-Leitner heißt der Zweikampf um den Posten des Bürgermeisters in der Flachgauer Gemeinde Anif. Und damit um die Nachfolge des kürzlich verstorbenen Dr. Hans Krüger. Die "Krone" stellt die beiden Kandidaten vor.

Michael Stock kam als VP-Mandatar unter Hans Krüger in die Anifer Gemeinde Jetzt tritt er als Spitzenkandidat bei der Wahl an.

„Der Hans Krüger hat mich mein ganzes Leben begleitet“, sagt Michael Stock: „Mit 18, als ich zum ersten Mal wählen durfte, war er Bürgermeister-Kandidat. Und auch seit 2004, als ich auf seiner VP-Liste in die Gemeindevertretung kam.“ Michael Stock möchte die politischen Wunden schließen, die es seit Krügers Bruch mit der ÖVP und der Installierung seiner eigenen Namensliste im Jahr 2009 gab: „Wir haben, auch in Anerkennung seiner Leistung und Bedeutung im Vorjahr noch auf einen eigenen Spitzenkandidaten verzichtet und eine Wahlempfehlung für Hans Krüger abgegeben“, so Michael Stock: „Es gibt in der Gemeindevertretung eine gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und eine gute Zusammenarbeit mit seiner Liste.“ Für ihn sind künftig viele Wege in Anif denkbar: Von der Zusammenarbeit bis hin zum Zusammenwachsen

Anif wählt am 31. Mai
Jetzt, nach dem plötzlichen Tod von Hans Krüger, weiß eigentlich noch niemand, wie es weiter gehen soll. Michael Stock hat für sich entschieden, dass er den Schritt wagen möchte - er tritt für seine ÖVP als Bürgermeister-Kandidat an, am 31. Mai haben die Anifer die Wahl. Aufgewachsen ist Michael Stock im Schloss Anif, der Vater war Moy-Chauffeur und der Junior wollte unbedingt Lokführer werden: „Die Kurzsichtigkeit hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Er besucht die Halleiner HTL, arbeitet bei Bosch in der Entwicklungsabteilung und wechselt nach Auslands-Aufenthalten 1993 zum Land.

Dort betreut Michael Stock als Projektleiter die EDV-gestützte Datenverarbeitung zur Abwicklung von Flächenwidmungs-Abänderungen, verfasst eine Diplomarbeit zur Lückenschließung im Grünland und deckt auf, dass in vielen Gemeinden Ausnahmen mittels Einzelbewilligungen längst zur Regel geworden sind. Und das gefiel beileibe nicht jedem. Michael Stock war in der örtlichen Raumplanung tätig, hat so auch die Schenker-Betriebsansiedlung in Bergheim gemanagt. 2008 wird er vom Land zum Fachexperten für Raumplanung ernannt. Stolz ist er, dass alle Fraktionen im Ort einstimmig klare Grenzen zwischen Bauland und Grünland gezogen haben: „Das Durchschnittsalter der Anifer beträgt 56 Jahre. Jetzt müssen wir dringend Wohnraum für die Jugend beschaffen“, nennt er sein wichtigstes Vorhaben: „Und gleichzeitig die Schönheit unseres grünen und nicht zersiedelten Dorfes erhalten.“

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Vor sechs Jahren zog Gabriella Gehmacher-Leitner ins Gemeinde-Parlament ein. Jetzt ist sie die Bürgermeisterkandidatin.

„Es war genau vor sechs Jahren“, strahlt Gabriella Gehmacher-Leitner: „Damals sind wir am 1. März mit 12 Mandaten in die Anifer Gemeindevertretung eingezogen.“ Wir, damit meint sie die Liste Krüger mit dem kürzlich so überraschend verstorbenen Anifer Bürgermeister: „Es war ein überwältigender Erfolg.“ Sie hat damals sofort „Ja“ gesagt, als sie Hans Krüger bat, mitzumachen: „Egal, wo du mich brauchst, ich bin dabei“, war damals ihr Antwort. Und der Erfolg gab ihnen recht, er hatte Bestand: „2014 bekam unsere Liste schließlich wieder zehn Mandate.“

Eine Liste Krüger ohne das legendäre Ortsoberhaupt, geht das überhaupt? „Ja“, sagt die überzeugte Aniferin: „Wir sind Freitag zusammen gesessen und alle 39 Mitglieder, die anwesend waren, waren einstimmig dafür, dass ich Bürgermeister-Kandidatin sein soll. “ Denn den Weg, den Hans Krüger aufgezeigt hat, so sagt Gabrielle Gehmacher-Leitner, „den wollen wir weiter gehen. Wir sind ein bunter Haufen, dem man nicht das Etikett konservativ oder liberal umhängen kann. Wir sind unabhängig und haben nur ein Ziel: Für den Ort arbeiten.“ Und da gibt es genug zu tun: „Auch bei unserer in die Jahre gekommenen Volksschule stellt sich die Frage: Umbauen oder gleich ein Neubau?“ Dazu kommen dringende Wohnbau-Projekte wie das Vötterlgut, das GenerationenProjekt Laseregg. Und ganz, wichtig, die Verkehrsberuhigung im Ort: „Wir sind bei dem Projekt ’By-Pad‘ dabei, da geht es um sichere Radwege im Alltag.“

Gabriella Gehmacher-Leitner hat eine Periode lang auch den Umweltausschuss im Ort geleitet: „Wir haben mittlerweile Photovoltaik auf dem Gemeindehaus und am Hort sowie Solar-Kollektoren auf dem Seniorenheim. Das Land hat unser Bemühen um mehr Energie-Effizienz honoriert und Anif als E-5-Gemeinde zertifiziert.“ Und dass sie jetzt so in vorderster Front steht, kam auch für sie ein bisschen überraschend: „Dass ich für das Amt einer Bürgermeisterin im Gespräch bin, gehörte nie zu meinen Kindheitsträumen. Aber dass wir als Liste im Sinne von Hans Krüger weiterarbeiten, das ist mir sehr wohl wichtig.“ Es ist die „Politik im Kleinen“, sagt sie, die sie fasziniert: „Den Menschen zuhören und sie unterstützen ohne Parteipolitik. Und dass wir unser grünes Anif bewahren, es ist einfach jeden Tag schön, durch den Ort zu spazieren und ihn zu erleben.“ Und sie lobt die Zusammenarbeit mit allen Parteien im Ort: „Das passt.“ Klare Worte gibt es aber auch in Richtung ÖVP im Ort: „Es gibt keinen Grund, sich zu versöhnen. Denn es gibt ja keinen Streit. Aber wir wollen uns nicht vereinnahmen lassen. Ich glaube, das ist es, was die Anifer schätzen.“

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