So, 22. Oktober 2017

Wahlen in Kärnten:

01.03.2015 23:24

Große Sieger und große Verlierer im ganzen Land

Die Schlacht bei der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl 2015 in den 132 Kärntner Gemeinden ist geschlagen. Klarer Wahlsieger ist die SPÖ mit rund 40,2 Prozent, wobei auch die ÖVP (22,5 Prozent) Zuwächse verzeichnete. Die FPÖ kam nur noch auf knapp 18 Prozent und die Grünen auf 5,6 Prozent. Alle Highlights aus den Kärntner Gemeinden im Überblick.

Kärnten hat gewählt: In 132 Gemeinden wurden am Sonntag 2500 Mandate neu vergeben.

Nur 77 Prozent bei der Wahl
464.364 Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Die Wahlbeteiligung war jedoch verhältnismäßig gering: Bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2009 gingen noch rund 84 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne. Heuer waren es nur mehr knapp 77 Prozent.

SPÖ baut Vorsprung aus
Klarer Wahlsieger ist die SPÖ mit 40,23 Prozent (plus 3,58 Prozent), wobei auch die ÖVP (22,51 Prozent) Zuwächse verzeichnen konnte. Die FPÖ, die 2009 noch als BZÖ angetreten war, musste hingegen herbe Verluste hinnehmen (minus 12,98 Prozent) und erreichte lediglich 18 Prozent. Die Grünen konnten mit 5,6 Prozent leicht zulegen.

Blauer "Absturz" in vielen Gemeinden
In vielen Gemeinden hatte die FPÖ in diesem Wahljahr schwer zu kämpfen. Während die Freiheitlichen etwa in Deutsch- Griffen (Bezirk St. Veit/Glan) die absolute Mehrheit mit 56,4 Prozent halten konnte, stürzten sie in anderen Gemeinden wie in Neuhaus im Bezirk Völkermarkt ab. Dort hatte es 2009 für die Freiheitlichen 31,8 Prozent gegeben, diesmal kreuzten nur noch 13,3 Prozent die blaue Liste an.

Auch in Himmelberg, der Heimatgemeinde von Altlandeshauptmann Gerhard Dörfler, verloren die Freiheitlichen stark und stürzten von 28,8 Prozent vor sechs Jahren auf nur noch 14,8 Prozent. Auch in Mühldorf, der Heimat der Brüder Uwe und Kurt Scheuch, mussten sie Federn lassen, wenngleich nicht so stark, nämlich von 49,7 auf 40,7 Prozent.

Ossiach tanzt aus der Reihe
In Ossiach, der Heimat des derzeit inhaftierten ehemaligen ÖVP- Obmannes Josef Martinz, haben die Schwarzen, die jahrzehntelang dort den Bürgermeister stellten, diesmal gerade noch Platz zwei mit 19,2 Prozent gerettet, die Grünen sind dort mit 18,6 Prozent ungewöhnlich stark.

Die FPÖ verlor zwar 6,5 Prozentpunkte und die absolute Mehrheit, kam aber immer noch auf knapp 49 Prozent. Die SPÖ schwächelte, sie erreichte gerade einmal 13,2 Prozent, ein Minus von 7,1 Prozentpunkten.

Zell Pfarre, wo die Freiheitlichen noch nie ein Antreten geschafft haben, bleibt fest in der Hand der SPÖ, die zwar 2,4 Prozentpunkte verlor, aber immer noch 52,4 Prozent erreichte. Die slowenische Einheitsliste legte ganz leicht zu und erreichte 36,1 Prozent, die ÖVP steigerte sich auf 11,5 Prozent.

Die ÖVP holte in der Gemeinde Lesachtal (Bezirk Hermagor) die 2009 verloren gegangene absolute Mehrheit zurück. Gleiches gelang der SPÖ in Irschen (Bezirk Spittal).

Trotz Parteiausschluss: Kampl wiedergewählt
Der 78- jährige Bürgermeister von Gurk, Siegfried Kampl, wurde zwar von der FPÖ-Landespartei aus der Partei ausgeschlossen, wiedergewählt wurde er aber trotzdem. Kampl erhielt 58,4 Prozent der Stimmen. Die FPÖ verlor hingegen gegenüber 2009.

Kampl war auf Druck der Bundespartei ausgeschlossen worden, nachdem er sich in einem Interview nicht vom Nationalsozialismus distanzieren wollte.

Albeck: Von Blau zu Schwarz
In Albeck im Bezirk Feldkirchen verlor der amtierende FPÖ- Bürgermeister Siegfried Unterweger gegen die ÖVP-Kandidatin Anna Zarre. Sie setzte sich denkbar knapp mit 50,1 Prozent der Stimmen durch. Im Gemeinderat holten die Blauen 44,4 Prozent (sieben Gemeinderäte), BZÖ und FPÖ hatten 2009 addiert noch 55,3 Prozent erreicht. Bürgermeisterin Zarre kann künftig auf sechs schwarze Gemeinderäte zählen, die SPÖ holte zwei Sitze.

Grüne legen kärntenweit zu
Die Grünen erzielten in Millstatt (Bezirk Spittal) - in der Heimatregion von Bundeschefin Eva Glawischnig - mit knapp 22 Prozent wohl das beste Ergebnis der Kommunalwahlen.

Die Grünen gewannen generell fast überall dazu, holten sich in Villach einen dritten Gemeinderatssitz, in Wernberg einen zweiten. In Klagenfurt gibt es zwei zusätzliche Mandate. In Wolfsberg schafften sie den Sprung ins Stadtparlament.

BZÖ kaum noch vorhanden
Die beiden BZÖ-Landtagsabgeordneten Johanna Trodt-Limpl und Wilhelm Korak waren in ihren Heimatgemeinden mit Namenslisten angetreten, wobei das parteiinterne Duell eindeutig an Korak ging. Er schaffte in Brückl 15 Prozent und drei Mandate, Trodt- Limpl brachte es auf 8,2 Prozent und zwei Mandate. Wenig erfolgreich waren die BZÖ-Kandidaturen in Bad Eisenkappel mit 1,06 Prozent und in Poggersdorf mit 3,6 Prozent.

St. Georgen im Lavanttal als Stronach-Festung
Das mit Abstand beste Ergebnis für das Team Stronach gab es am Sonntag in der Gemeinde St. Georgen im Lavanttal. Dort wechselte Bürgermeister Karl Markut während seiner Amtszeit von der SPÖ zum Team Stronach. Er schaffte bei der Bürgermeisterwahl knapp 47 Prozent, die Partei kam auf 28 Prozent und fünf Mandate.

Die SPÖ verlor drei Mandate, blieb mit 32,2 Prozent aber vor Markuts Liste. Der rote Bürgermeisterkandidat kam auf 20,7 Prozent und tritt in der Stichwahl gegen Markut an. Die Freiheitlichen verloren kräftig, sie fielen von 37,3 auf unter 20 Prozent.

Großteils Zufriedenheit über Wahlergebnis
Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) zeigte sich äußerst zufrieden über den Ausgang der Wahl. "Wir haben gezeigt, dass wir die Partei auf Gemeindeebene sind." Der Aufwärtstrend sei "tendenziell bestätigt" worden, so Kaiser.

"Nicht mit Haider-Gedächtniswahl vergleichbar"
FPÖ-Parteichef Christian Ragger will das Wahlresultat nicht mit der Wahl 2009 verglichen haben. "Ich kann eine Jörg-Haider- Gedächtniswahl nicht mit einer normalen Periode vergleichen." Ragger verwies auf die Kommunalwahlen 2003, die Landtagswahl 2013 und die vergangene Nationalratswahl. "Der Trend zeigt ein klares Votum nach oben."

Ragger wettert gegen Dörfler
Allerdings werde es in den Bezirken personelle Konsequenzen geben. Das schlechte Abschneiden in Himmelberg, der Heimatgemeinde von Altlandeshauptmann Gerhard Dörfler, ist Ragger zufolge auf diesen zurückzuführen. "Er hat alle geschnitten."

Benger: "Klagenfurt ein schwieriges Pflaster"
Parteiobmann Christian Benger sieht seine ÖVP im Aufwind und freut sich über zusätzliche Bürgermeistersessel. Nicht ganz so erfreut zeigte sich Benger über das Ergebnis in der Landeshauptstadt: "Klagenfurt ist ein schwieriges Pflaster. Es gibt noch viel zu tun." Über personelle Entscheidungen müssten die Klagenfurter Schwarzen selbst entscheiden.

Holub: "Eine höhere Stufe erreicht"
Grünen-Landesrat Rolf Holub sagte: "Die Grünen haben eine höhere Stufe erreicht." Erfreut zeigte er sich über einzelne sehr gute Ergebnisse, etwa in Millstatt und Ossiach. Bei den Grünen "hängt es sehr von der Geografie ab". Landessprecher Frank Frey wies auf die generell guten Resultate hin, in Klagenfurt hätte er sich als Bürgermeisterkandidat allerdings etwas mehr erwartet. "Da wurde strategisch gewählt", mutmaßte er.

Aufregung um Wahlergebnisse auf Facebook
Im Lesachtal sorgten vorzeitig veröffentlichte Wahlergebnisse für viel Wirbel. Bereits gegen 14 Uhr erschienen auf einer privaten Facebookseite eines Lesachtalers erste Daten und Fakten zur Gemeinderatswahl. Erlaubt war die Veröffentlichung jedoch erst ab 16 Uhr.

Laut dem Leiter der Wahlbehörde werde es jedoch keine Konsequenzen geben, da es sich um keine offiziellen Zahlen gehandelt habe.

Alle Wahlergebnisse aus den Städten und Gemeinden sind in der Infobox zu sehen!

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