Di, 24. Oktober 2017

"Beratungsdiebstahl"

23.02.2015 11:44

Handys sind immer öfter wichtige Einkaufsbegleiter

Noch vor wenigen Minuten hat sich der Kunde in der Kältekammer wohlig in den Schlafsack gekuschelt, jetzt will er es sich noch einmal überlegen. Er schlendert weiter; außer Sichtweite zückt er zwischen den Regalreihen das Handy. Jens Holst vom Outdoor-Spezialisten Globetrotter weiß, was das bedeutet: Der Kunde überprüft, was der Schlafsack im Internet kostet. "Da wird die Bestellung noch vorm Verlassen des Ladens ausgelöst", berichtet der Leiter der Münchner Filiale. "Das kommt immer häufiger vor."

40 Prozent aller Handynutzer weltweit vergleichen einer am Montag veröffentlichten GfK-Studie zufolge regelmäßig die Preise von Produkten, während sie in einem Geschäft stehen. Fast ebenso viele machen Fotos oder kontaktieren Freunde und Familienangehörige, um diese um Rat zu fragen. Immerhin zwölf Prozent der Handynutzer kaufen nach eigenem Bekunden zwischen Regalen stehend per App, acht Prozent per Website im Internet ein.

Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung in Köln sieht die Zahlen skeptisch. Aussagefähiger wäre es seiner Meinung nach, zu wissen, bei wie vielen tatsächlich getätigten Kaufvorgängen das Handy den Ausschlag gegeben habe, woanders zuzuschlagen. Nichtsdestotrotz bestätigt Hudetz, dass der mobile Zugang zu Preisvergleichsportalen gerade bei teuren und standardisierten Produkten eine zunehmende Rolle spielt.

"Da wären Sie ja dumm, wenn Sie nicht im Internet schauen"
"Wenn Sie sich im Laden zum ersten Mal einen Fernseher anschauen und Ihnen wird suggeriert, das ist das absolute Superangebot, kostet aber schlappe 1.200 Euro - da wären Sie ja dumm, wenn Sie nicht im Internet schauen, was das woanders kostet", schildert Hudetz den Blickwinkel des Verbrauchers. Allerdings gebe es Grenzen. Schließlich lohne sich eine etwaige Ersparnis erst bei größeren Summen. "Für einen Fernseher mache ich das, für eine DVD nicht."

Für die Händler bedeutet das vor allem einen verschärften Preisdruck. In bestimmten Branchen ist es keine Seltenheit mehr, dass die Kunden mit dem Smartphone in der Hand um ein besseres Angebot feilschen. Bei manchen Händlern haben sie damit Erfolg, bei anderen beißen sie auf Granit. So ist es bei einigen Elektronikmärkten ein offenes Geheimnis, dass man in der Regel den Preis des größten Internethändlers heraushandeln kann.

Mehr Service statt Preiskampf
Globetrotter hingegen macht bei dieser Entwicklung nicht mit. "Da kommt man gar nicht dagegen an, gegen diese Preise", erklärt Holst. Der Outdoor-Händler setze deshalb auf eine große Auswahl, besondere Farben und persönliche Beratung, aber auch auf längere Garantie und kulanten Service. Ein guter Weg angesichts fehlender Patentrezepte, urteilt Handelsexperte Hudetz.

Nur über zusätzlichen Service, etwa Lieferung und Einrichtung elektronischer Geräte oder einen zuverlässigen Reparaturdienst, könnten die Kunden bei der Stange gehalten werden. Auch für den Mehrwert, ein auserwähltes Produkt sofort mitnehmen zu können, statt nach einer Bestellung lange warten zu müssen, könne ein stationärer Händler einen kleinen Preisaufschlag nehmen.

Letztlich seien aber allen Kassandrarufen zum Trotz nur wenige Branchen betroffen, bei denen hoch standardisierte Produkte leicht zu vergleichen seien - etwa Unterhaltungselektronik oder Markenbekleidung. Aus Händlersicht kann Hudetz dem Internet durchaus auch Positives abgewinnen, schließlich können sich die Kunden dort umfassend informieren. "Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Beratungsdiebstahl insgesamt signifikant abnimmt."

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