Fr, 15. Dezember 2017

Heinrich Schnuderl

21.02.2015 13:50

Ein "Verwalter", der Akzente setzt

Seit Egon Kapellaris Rücktritt als Bischof fungiert Heinrich Schnuderl als Diözesan-Administrator. Doch er verwaltet nicht nur, sondern will auch Akzente setzen.

So überraschend der Rücktritt von Bischof Egon Kapellari kurz nach dessen 79. Geburtstag kam, so schnell war ein neuer Steuermann für das zunächst führerlose „Kirchenschiff“ gefunden: Heinrich Schnuderl, den das Grazer Domkapitel zum Diözesan-Administrator bestimmte. Der 71-Jährige leitet nun die Katholische Kirche in der Steiermark, bis ein neuer Bischof ernannt ist; wie lange das dauern wird, weiß niemand.

Doch die Zeit drängt, denn Schnuderl fungiert nur als Verwalter, der laufende, unaufschiebbare Amtsgeschäfte erledigt. Wichtige Grundsatzentscheidungen kann er nicht treffen. „Während der Sedisvakanz darf nichts verändert werden“, heißt es dazu ausdrücklich im Kirchenrecht. Problematisch wird das dann, wenn es um Priesterweihen geht. Sollte Papst Franziskus auch in den nächsten Monaten keinen Entschluss fassen, bekommt unser Bundesland heuer keine neuen Pfarrer. „Gerade in Zeiten des Priestermangels wäre das ein falsches Signal“, warnt Heinrich Schnuderl.

Der bisherige Generalvikar der Diözese ist einer, der seine Worte mit Bedacht wählt, aber ebenso laut werden kann, wenn ihn etwas stört. Der Für und Wider sorgsam abwägt und trotzdem nicht davor zurückschreckt, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Der sich der Tradition der Kirche durchaus bewusst, aber auch offen für Neues ist.

Denn der Grazer, der einer Bäckersfamilie entstammt, muss niemandem mehr etwas beweisen. Er hat sich innerhalb der Katholischen Kirche einen Namen gemacht, Meriten erworben: Nach der Matura am Akademischen Gymnasium studierte er Theologie und wurde 1967 von Bischof Schoiswohl zum Priester geweiht. Nach drei Jahren als Kaplan in Schladming berief man ihn 1970 zum Hochschulseelsorger nach Leoben und später nach Graz. 1997 übernahm der Theologe das Pastoralamt der Diözese und wurde zwei Jahre später zum Grazer Stadtpfarrprobst bestellt. Bis zu seiner Wahl zum Diözesan-Administrator arbeitete Schnuderl als Generalvikar – wenn man so will, als „Stellvertreter“ von Egon Kapellari. Ob er letztlich auch Bischof wird? „Nun, ich würde das nicht ablehnen, wahrscheinlich ist es aber nicht.“ Eben, weil er weder sich noch jemandem anderen etwas beweisen muss, versprüht der Kirchenmann Esprit, seine Lockerheit wirkt ansteckend. Aus Schnuderl spricht nicht der „Platzhalter“, der „Verwalter“ – auf dem Grazer Bischofplatz sitzt jemand, der neue Akzente setzen will. Auch, wenn sein Amt mit einem Ablaufdatum behaftet ist: „Als Seelsorger müssen wir uns überlegen, wie wir an die Menschen herankommen. Die Kirche hat sich bis dato zu sehr darauf verlassen, dass jeder Österreicher automatisch Katholik ist.“ Dabei ist ihm auch der Dialog mit anderen Religionen wichtig: „Wir müssen bereit sein, mit allen Kräften der Gesellschaft Allianzen zu schließen.“ Gerade angesichts des jüngsten Terrors dürfe „man nicht das Echo des Schreis von anderen“ sein, Islam mit Islamismus gleichsetzen. Zugehen will der 71-Jährige zudem auf Atheisten, „und der 2012 begonnene Diözesane Weg wird konsequent weitergegangen“.

Und ein großes Anliegen hat er noch, der Herr Administrator: den emeritierten Bischof entsprechend zu würdigen. Daher zelebriert er am 15. März um 15 Uhr im Grazer Dom einen Dankgottesdienst für Egon Kapellari: „Jeder ist dazu herzlich eingeladen!“

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