Mo, 18. Dezember 2017

Fluchtort unbekannt

21.02.2015 15:46

Janukowitsch will wieder in die Ukraine zurück

Ein Jahr nach seiner überstürzten Flucht aus Kiew ist der frühere ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch immer noch untergetaucht. Angeblich ist der per internationalem Haftbefehl gesuchte Politiker Russe geworden und lebt im Badeort Sotschi, offiziell äußern sich die russischen Behörden dazu aber nicht. In einem am Samstag ausgestrahlten TV-Interview erklärte Janukowitsch, er wolle wieder in sein Land zurückkehren, "sobald es eine Möglichkeit gibt".

"Gott hat mich am Leben gelassen. Es sieht so aus, als ob ich noch gebraucht würde. Sobald es eine Möglichkeit gibt, werde ich zurückkehren und alles in meiner Macht Stehende tun, um das Leben in der Ukraine zu verbessern. Jetzt ist das Wichtigste, den Krieg zu stoppen", betonte der entmachtete Staatschef gegenüber dem russischen TV-Sender Channel One.

Rückblick: Am 21. Februar 2014 verlässt Janukowitsch überraschend die ukrainische Hauptstadt. Kurz nachdem in Kiew Sicherheitskräfte auf Demonstranten schießen und fast 100 Menschen bei Straßenkämpfen getötet werden, flieht der Präsident ins ostukrainische Charkow. Seine abenteuerliche Flucht über die Krim und die späteren Rebellenhochburgen Lugansk und Donezk endet vorerst im südrussischen Rostow am Don, wo der Politiker mit besten Verbindungen nach Moskau nach eigenen Angaben bei "einem alten Freund" unterkommt.

Von Putin auf Wunsch nach Russland gebracht
Russlands Präsident Wladimir Putin räumt später ein, dass Janukowitsch darum gebeten habe, "ihn nach Russland zu bringen - und das haben wir gemacht". In Rostow am Don gibt Janukowitsch mehrere Pressekonferenzen. Anfangs erklärt er noch, dass er immer noch der Präsident der Ukraine sei. Aufsehen erregt auch seine Aufforderung an Putin, russische Soldaten in die Ostukraine zu schicken.

Nach der Wahl seines Nachfolgers Petro Poroschenko kündigt Janukowitsch Ende Mai in seiner bisher letzten öffentlichen Stellungnahme an, dass er die Entscheidung des ukrainischen Volkes "respektieren" werde. Danach verliert sich seine Spur.

"Aus der Geschichte verschwunden"
"Janukowitsch ist aus der Geschichte verschwunden. Oder besser: Er ist daraus geflohen", sagt Alexander Konowalow vom Institut für Strategische Studien in Moskau. Angeblich kommt Janukowitsch zunächst im Moskauer Nobelvorort Barwicha unter. Einer seiner Nachbarn, der frühere Moskauer Präfekt Oleg Mitwol, sagt russischen Medien, dass er dort für umgerechnet 45,6 Millionen Euro ein Anwesen gekauft habe. Janukowitsch, der offiziell noch verheiratet ist, lebt dort dem Vernehmen nach mit der Schwester seiner früheren Köchin.

Im Juni 2014 verlässt Janukowitsch die russische Hauptstadt und bezieht nach Angaben von Mitwol eine Luxus-Datscha in Sotschi. Über die Gründe für den Umzug wird nichts bekannt. Ukrainische Medien spekulieren, dass Janukowitsch unter Depressionen und einem Alkoholproblem leide.

Von Russland "nur toleriert"
Nach Angaben eines Beraters des ukrainischen Innenministeriums hat Putin Janukowitsch mittlerweile per Dekret die russische Staatsbürgerschaft verliehen. Der Kreml bestätigt die Angaben nicht - und hält sich auch sonst bedeckt, wenn es um das Schicksal seines früheren Verbündeten geht. "Die Beziehungen zwischen Janukowitsch und Russland waren nie einfach, und das hat auch Auswirkungen auf seine jetzige Situation", sagt der Politikwissenschaftler Konstantin Kalatschew. Janukowitsch werde von Russland zwar "beherbergt", aber "nur toleriert".

Rund um den ersten Jahrestag der heftigen Straßenkämpfe auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz am 20. Februar häufen sich in russischen Medien Berichte über Janukowitsch - vor allem negative. Es sei schon von einer "Diffamierungskampagne" die Rede, sagt Kalatschew. Janukowitsch sei für Russland nicht mehr "nützlich", weder in der Ukraine-Krise noch für Propagandazwecke, sagt der Politikwissenschaftler. Mittlerweile sei er wohl eher eine "Geisel" als ein "hoher Gast".

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