Do, 14. Dezember 2017

Multiplayer-Hit

24.02.2015 09:41

Großwildjagd im Alien-Urwald: "Evolve" im Test

Die Macher der "Left 4 Dead"-Serie haben einen neuen Mehrspieler-Shooter im Programm: "Evolve". Das Game versetzt den Spieler in eine intergalaktische Großwildjagd auf dem Planeten Shear, wo er sich mit vier Mitspielern hitzige Mehrspielergefechte liefert. Der Schmäh: Ein Spieler schlüpft in die Rolle eines ebenso riesigen wie abscheulichen Monsters, die anderen vier in jene der Jäger. Wie sich das spielt, hat krone.at ausgiebig getestet.

"Evolve" spielt in einer fernen Zukunft in einem abgeschiedenen Teil der Galaxis. Die Menschheit ist längst im Raumfahrtzeitalter angekommen, hat Kontakt zu anderen Spezies und überall im All Kolonien errichtet – so auch auf Shear, einer Dschungelwelt, die gleichermaßen fremd wie vertraut wirkt. Üppige Wälder, Flüsse, Klippen und Anlagen der Kolonisten bedecken den Planeten, zwischendrin tummelt sich außerirdische Fauna und Flora.

Jäger oder Monster: Der Spieler entscheidet
An diesem coolen Schauplatz finden die Schlachten von "Evolve" statt. Weil es sich prmiär um ein Mehrspieler-Game handelt, hält sich der Storygehalt des Spiels in Grenzen, eine grobe Rahmenhandlung gibt es aber. Die Kurzform: Die Kolonisten auf Shear werden von einer seltsamen Kreatur dezimiert und ein Trupp intergalaktischer Großwildjäger erscheint auf der Bildfläche, um Jagd auf sie zu machen. Einer von ihnen: der Spieler. Oder auch nicht. In "Evolve" hat man nämlich die Wahl: Entweder schlüpft der Spieler in die Haut eines Jägers oder in jene des Monsters.

Vier Jägerklassen, drei unterschiedliche Monster
Dabei hat er als Jäger die Wahl zwischen vier Klassen: Als schwer gepanzerter "Assault" teilt er ordentlich aus und steckt reichlich ein, der "Trapper" ist ein Spezialist im Aufspüren und Festhalten von Monstern. Als "Medic" sorgt er dafür, dass seine Mitspieler in den extraterrestrischen Wäldern Shears nicht allzu schnell in die ewigen Jagdgründe eingehen, und der "Support" wiederum stärkt seine Mitstreiter und ruft mächtige Spezialangriffe herbei – etwa Artilleriebeschuss. Auch wenn jede Klasse eine andere Spezialisierung aufweist, sind freilich alle bewaffnet – nur halt unterschiedlich schwer. Für Abwechslung sorgt, dass es in jeder Klasse drei verschiedene Protagonisten gibt, die ein bisschen überzeichnet sind, dadurch aber auch eigenständig sind und in Erinnerung bleiben.

So viel Auswahl hat man als Monster nicht. Hier stehen drei Klassen zur Verfügung: der eher schwerfällige "Goliath", der vor allem mit mächtigen Nahkampf- und Sprungattacken, seinem Feueratem und Felsen als Wurfgeschoss Tod und Verderben unter den Jägern sät; der fliegende Kraken, der aus der Luft Stromschläge an seine Verfolger verteilt; und der ebenso flinke wie tödliche "Wraith", der sich tarnen und in bester Predator-Manier schnell einzelne Spieler ausschalten kann. Jedes Monster hat drei Evolutionsstufen, die es durch das Vertilgen der außerirdischen Fauna auf Shear erreicht. Je höher entwickelt das Monster, umso gefährlicher ist es für die Jäger. Schade: Der Spieler darf nicht alle Monster und Jäger von Beginn an spielen, sondern muss sie nach und nach freischalten.

Katz-und-Maus-Spiel im Jagd-Modus
Im wichtigsten Spielmodus von "Evolve", der Jagd, treffen die ungleichen Kontrahenten aufeinander. Das Monster startet mit einem kleinen Zeitvorsprung, bevor die Jäger auf einer der 16 Maps ankommen. Während das Monster bei Spielbeginn alles daran setzt, nicht entdeckt zu werden und sich den Bauch vollzuschlagen, um eine mächtigere Form zu erlangen, sollten die Jäger ihren außerirdischen Kontrahenten schnellstmöglich aufspüren und angreifen.

Erreicht das Monster erst einmal die höchste Stufe und damit einhergehend noch mächtigere Angriffe, wird es nämlich zur ernsten Bedrohung. Zu Spielbeginn hingegen ist es eher harmlos. Der Gejagte wird mit der Zeit also zum Jäger, die Jäger zu Gejagten. Das bringt Dynamik ins Spiel.

Abwechslungsreiche Levels voller Leben
Für Abwechslung sorgen die Levels selbst. Als Monster gilt es, keine Spuren zu hinterlassen. Aufgescheuchte Vögel, Tierkadaver und Fußspuren führen die Jäger rasch zum Untier. Als Jäger wiederum sollte man sich vor der Fauna hüten. Der Spieler, der das Monster steuert, ist nämlich nicht die einzige Bedrohung in "Evolve".

Überall laufen starke und schwache Alien-Tierchen herum, die teilweise Power-ups mit sich herumtragen. Fleischfressende Pflanzen machen den Jägern in den dichten Wäldern von Shear ebenfalls das Leben schwer. So viel sei gesagt: Auch wenn es gerade bei Matches gegen geübte Monster-Spieler bisweilen ganz schön lang dauern kann, bis man den Gejagten endlich gestellt hat, werden die Streifzüge des jagenden Quartetts nicht so schnell langweilig.

Auch, weil man – besonders als Monster – die Umgebung in die Matches einbeziehen kann: Im Wasser hinterlässt das Monster keine Spuren, denen die Jäger folgen könnten, und in Gebäuden wirken keine Artillerieangriffe. Und als Jäger saust man per Jetpack Felsnadeln empor, um von oben einen besseren Überblick zu erlangen.

Eier zerstören und Kolonisten evakuieren
Neben der Jagd gibt's in "Evolve" noch drei weitere Modi: In einem evakuieren die Jäger Kolonisten, im anderen hindern sie das Monster am Brüten und im dritten verteidigen sie eine Basis gegen heranstürmende Monster. Ein weiterer Modus verknüpft alle Modi zu fünfteiligen Matches, bei denen der Sieger einer Partie stets mit Vorteilen in die nächste startet. Sehr unterhaltsam – nicht nur im Mehrspielermodus, sondern auch alleine gegen durchaus intelligent agierende Bots. Erfreulich: Um die Balance aufrechtzuerhalten, gibt's eine Handicap-Funktion, mit der je nach Bedarf Spieler oder Monster gestärkt in die Schlacht gehen.

Erfreulich gut ausbalanciert
Generell gilt: Trotz seines asymmetrischen Einer-gegen-vier-Gameplays spielt sich "Evolve" angenehm ausgeglichen. Weder das Monster noch die Jäger kamen uns beim Testen wirklich übermächtig vor, stets entscheidet das Geschick des Spielers über Sieg oder Niederlage. Die taktischen Anforderungen variieren dabei freilich.

Während für Monsterspieler eine gesunde Portion Hinterhältigkeit das Gebot der Stunde ist, sind Jägertrupps vor allem dann effektiv, wenn sie gut zusammenspielen. Die Folge: In Mehrspielerpartien mit willkürlich zusammengewürfelten Spielern im Internet kommt es vor, dass das Monster die besseren Karten hat – alleine schon, weil es sich um niemand anderen zu kümmern braucht.

Mit "Randoms" im Internet zu spielen, halten wir bei "Evolve" aber ohnedies nicht für die beste Idee. Wirklich witzig wird das Game, wenn man sich mit vier Freunden zusammentut, während der Jagd intensiv miteinander kommuniziert und in eingeschworenen Gruppen spielt.

Übersichtsprobleme, aber Optik und Sound gut
Kleines Manko für Monster-Spieler: Durch die riesigen Ausmaße des Ungeheuers wirken die Jäger aus Monsterperspektive ein bisschen klein, was es in der Hitze des Gefechts mitunter schwer macht, einen von ihnen anzuvisieren. Das ist vor allem in Anbetracht der generellen Hektik der Matches etwas mühsam: Die Jäger verfügen über Jetpacks und flitzen dem Monster oft regelrecht um die Ohren.

Optisch überzeugt "Evolve" dank CryEngine auf ganzer Linie, ein gewisser Hardwarehunger geht damit aber einher. In der getesteten PC-Version erlebten wir Shear mit scharfen Texturen, coolen Licht- und Wettereffekten und lebensechten Charaktergesichtern. Die Animationen können sich bei Mensch und Tier sehen lassen, Reflexionen im Wasser und üppige Vegetation gefallen ebenfalls. Allerdings: Gerade in Anbetracht dessen, dass Shear ein fremder Planet ist, hätten Flora und Fauna noch etwas bunter werden dürfen. Das hätte auch bei der Orientierung in den einzelnen Levels geholfen, die sich optisch eine Spur zu sehr gleichen.

Die Soundkulisse gefällt: Durch die Urwälder Shears hallen während der Jagd immer wieder die Schreie der Fauna und des Monsters. Die Monstergeräusche entsprechen dem, was man von einem extraterrestrischen Ungetüm erwartet, die Waffengeräusche der Jäger sind spritzig. Kleiner Schönheitsfehler: Die Sprüche der Jäger wirken bisweilen etwas aufgesetzt, was nicht an der Wahl der Sprecher liegt, sondern am Wortlaut. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Die Musik ist unaufdringlich und hält sich dezent im Hintergrund.

Dreist: Das etesteten PC-Version reibungslos, die Server laufen bislang stabil. Dreist ist allerdings, dass 2K schon zum Start einen Ingame-Shop mit reichlich kostenpflichtigen und teuren Zusatzinhalten mitliefert. Wer künftig ein viertes Monster sein Eigen nennen will, zahlt 15 Euro. Zusätzliche Skins für die Jäger kosten drei Euro. Für ein Vollpreis-Game ziemlich teuer.

Fazit: "Evolve" ist ein angenehm unkonventioneller und unterhaltsamer Mehrspieler-Shooter geworden, der sich vor allem für eingeschworene Freundesgruppen mit einem Faible für Team-Matches gut eignet. Die Balance passt, spielerisch machen sowohl Monster als auch Jäger viel Spaß. Grafik und Sound spielen auf hohem Niveau, sodass letztlich nur der dreiste Ingame-Shop und gelegentliche Übersichtsprobleme einen schalen Beigeschmack hinterlassen.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: 2K Games
krone.at-Wertung: 8/10

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