Do, 23. November 2017

Aktuelle Studie

18.02.2015 17:11

Deutschland: „Ossis“ und „Wessis“ wachsen zusammen

Was die politische Kultur angeht, wachsen Ost und West in Deutschland trotz einiger Gegensätze immer stärker zusammen. Viele Ostdeutsche hadern aber noch immer mit der Aufarbeitung ihrer DDR-Vergangenheit. Das geht aus einer am Mittwoch präsentierten, groß angelegten Studie des Zentrums für Sozialforschung Halle im Auftrag der deutschen Regierung hervor.

Die Ost-Beauftragte der Regierung, Wirtschaftsstaatssekretärin Iris Gleicke, erklärte bei der Präsentation der Studie "Sind wir ein Volk?" in Berlin, es sei erfreulich, dass die Wiedervereinigung im Osten für 77 Prozent und im Westen für 62 Prozent der Bürger als persönlicher Gewinn gelte. Dass die Demokratie die beste Staatsform ist, akzeptieren 82 Prozent der "Ossis" und 90 Prozent der "Wessis". Die Meinungsforscher befragten für die Studie 2.000 Deutsche ab 14 Jahren.

Beim Vertrauen zu politischen Institutionen sind der Umfrage zufolge kaum noch Unterschiede auszumachen. Polizei und Gerichte genießen demnach großes Vertrauen, dagegen stehen Parteien und Politiker eher in einem ungünstigen Licht. Bei den Parteien machen die Bürger allerdings einen Unterschied: Während sie den Parteien im Allgemeinen eher misstrauen als vertrauen, bringen sie der von ihnen persönlich bevorzugten Partei ähnlich viel Vertrauen entgegen wie den Gerichten und der Polizei.

Ambivalentes Verhältnis zur DDR-Vergangenheit
Spannend sind die Einstellungen der Ostdeutschen zur DDR-Vergangenheit: 70 Prozent sagen heute klar, dass das politische System der DDR eine Diktatur war. Die Ansicht, dass die DDR auch ein "Unrechtsstaat" war, teilen aber nur 46 Prozent. Die Autoren der Studie glauben, dass viele Ostdeutsche im Rückblick ihren eigenen Lebenslauf nicht entwerten wollten. "Natürlich war die DDR ein Unrechtsstaat", meinte die Thüringerin Gleicke. Im Westen müsse jedoch endlich anerkannt werden, dass die große Mehrheit der Ostdeutschen einfach versucht habe, für sich und ihre Familien in der Diktatur etwas aufzubauen.

Knapp elf Monate nach dem Fall der Berliner Mauer war mit dem Beitritt der ostdeutschen Länder zur Bundesrepublik die staatliche Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990 vollzogen worden. Das Gebiet der ehemaligen DDR entspricht etwa 30 Prozent des deutschen Staatsgebiets, doch nur noch etwa 17 Prozent der heutigen deutschen Bevölkerung leben dort.

Ministerin: "Wir sind vereint, aber noch nicht eins"
Aus Sicht der Bundesregierung erklärte Gleicke, seit 1990 sei unglaublich viel geschafft worden. Die Akte Aufbau Ost dürfe aber noch nicht geschlossen werden. Die Ost-Wirtschaftskraft habe erst zwei Drittel des Westens erreicht, Löhne und Renten seien niedriger. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag eine Angleichung der Ost-Renten auf Westniveau bis 2019 zugesagt: "Die Koalition steht da bei den Ostdeutschen im Wort, und sein Wort muss man halten", so Gleicke. "Wir sind vereint, aber noch nicht eins."

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