Do, 23. November 2017

Comeback offen

18.02.2015 14:28

Simon Amman: „Dann werde ich halt zuschauen“

Eineinhalb Monate nach seinem schweren Sturz in Bischofshofen gibt Vierfach-Olympiasieger Simon Ammann in Falun sein Comeback. Der Schweizer hat wegen der beim Tourneefinale erlittenen Gehirnerschütterung erst ein paar Trainingssprünge in den Beinen und wird erst nach dem ersten Abtasten auf der Lugnet-Normalschanze entscheiden, ob er am Samstag im WM-Bewerb antritt.

"Wir haben jeden Tag und jede Minute ausnützen müssen, um hierher zurückzukommen. Der Zeitplan war wirklich anspruchsvoll. Es muss sich hier gut fortsetzen, der Zeitplan wird bis Samstag weiterhin extrem eng sein. Wenn ich mich nicht gut fühle, dann werde ich es auch nicht durchziehen. Wenn es nicht geht, werde ich auf die Bremse treten und zuschauen", sagte Ammann am Mittwoch. Auf der Großschanze und im Teambewerb hätte er noch weitere Möglichkeiten.

Zaghaftes Training
Der 33-Jährige hat in den vergangenen zwei Wochen lediglich je zwei Tage in Oberstdorf auf der Normalschanze trainiert. "Wir haben zaghaft begonnen mit leichtem Training. Die ersten Sprünge waren eine ziemliche Herausforderung", erzählte Ammann. Über seinen Genesungsprozess wollte er sich im Detail nicht äußern.

Der Weltmeister von 2007 sprach allgemein von einem "speziellen Kapitel" in seiner Karriere. Auf eine Zielvorgabe für die WM wollte er sich nicht festlegen. "Ich lasse es offen, ein Ziel zu formulieren. Ich stehe unter keinerlei Druck."

Psychische Herausforderung
Vor seiner Verletzung war Ammann sehr gut in Form gewesen und hatte nach zwei Siegen zu Saisonbeginn bei der Tournee in Garmisch und Innsbruck Podestplätze geschafft. Allerdings war er davor auch schon in Oberstdorf im Schnee gelandet. Aufgrund der negativen Erfahrungen sei die Rückkehr auf die Schanze eine enorme psychische Herausforderung, so der vierfache WM-Medaillengewinner.

Wegen der beiden Stürze habe er seinen Telemark umstellen müssen, deshalb funktioniere die Landung noch nicht wie gewünscht. "Es gibt noch Probleme beim Telemark mit dem Wechsel auf den rechten Fuß. Der linke ist einfach eine zu große Überwindung für mich", meinte Ammann. Am Donnerstag will er nur eines der beiden Trainings absolvieren. Zu viele Sprünge seien aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit noch zu fordernd.

Im Training hofft er auf möglichst stabile Verhältnisse, um Schritt für Schritt vorwärtszukommen. "Ich hoffe, dass es zu einer guten Leistung reicht. Aber ich habe jetzt keinen Vergleich. Ich bin froh, wenn ich hoffentlich mit Freude springen kann."

Wäre die WM eine Woche früher, dann wäre das Comeback wahrscheinlich nicht möglich gewesen, verwies auch sein Trainer Martin Künzle auf den engen Zeitplan. Trotzdem sei Ammann wieder gut in Schuss gekommen. "Wenn er das Gefühl hätte, dass er es nicht kann, wäre er nicht hier. Er ist Herzblut-Skispringer, er möchte beweisen, dass er das kann", sagte Künzle. Ammanns Kraftwerte seien "eigentlich sehr zufriedenstellend", auch mit nur wenig Aufbautraining habe er es sehr gut erhalten können.

Kein Medaillenkandidat
Zu den Medaillenkandidaten zählt er ihn aber nicht. "Wenn ich sagen würde, wir gewinnen eine Medaille, dann wär das ein bisschen utopisch. Er hat Außenseiterchancen, aber bei Simon weiß man nie, was passieren wird", so Künzle.

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