Mo, 20. November 2017

Armee eingekesselt

17.02.2015 23:06

Ukraine-Krise: Separatisten nahmen Debalzewe ein

Die ukrainische Regierung hat die weitgehende Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Debalzewe durch die prorussischen Separatisten bestätigt. "Die Terroristen haben Teile der Stadt unter ihrer Kontrolle", teilte das Verteidigungsministerium in Kiew am Dienstag mit. Die Aufständischen setzten demnach bei den noch immer andauernden Kämpfen Artillerie und Panzertechnik ein. Am Dienstagabend bestätigte Kiew zudem, dass mehrere ukrainische Einheiten in Debalzewe eingekesselt sind.

Zuvor hatte Separatistensprecher Eduard Bassurin gesagt, dass etwa 80 Prozent des Ortes bereits erobert seien. "Nur ein paar Wohnviertel sind noch übrig, dann haben wir den Ort völlig unter Kontrolle", sagte Bassurin am Dienstag in Donezk. Er sprach am Dienstagabend von "zahlreichen Gefangenen und vielen Toten".

Die ukrainische Armee räumte auch erstmals ein, dass die prorussischen Separatisten "mehrere Militäreinheiten" in Debalzewe eingekesselt haben. "Mehrere unserer Einheiten sind eingekreist", sagte Militärsprecher Anatoli Stelmach.

Friedensprozess droht zu scheitern
Durch die Gefechte an dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt Debalzewe zwischen den beiden abtrünnigen Regionen Donezk und Lugansk und Kiew droht der vergangene Woche eingeleitete Friedensprozess in der Region zu scheitern. Die Gefechte gelten als grober Verstoß gegen das in Minsk geschlossene Friedensabkommen. Demnach sollten die Konfliktparteien ab Dienstag eigentlich ihre schweren Waffen aus dem Donbass abziehen. "Es gibt vonseiten der Aufständischen keine wirkliche Waffenruhe, deshalb sind die Voraussetzungen für einen Abzug nicht gegeben", sagte Militärsprecher Andrej Lyssenko in Kiew.

Umgekehrt warf der Donezker Separatistensprecher Bassurin den Regierungseinheiten vor, die Waffenruhe nicht zu befolgen. "Wir mussten das Feuer erwidern", meinte Bassurin. Der Lugansker Separatistenführer Igor Plotnizki sagte hingegen, seine Truppen hätten mit dem Abzug schwerer Waffen begonnen. "Ich war in der Nacht an der Front, unsere Artillerie und Panzer rückten ab", sagte er.

Ringen um politische Lösung geht weiter
Im Ringen um eine politische Lösung des Konflikts vereinbarte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bei einem Telefonat mit den Präsidenten Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, "konkrete Schritte", um eine Beobachtung der Lage in Debalzewe durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu ermöglichen.

Lyssenko beklagte am Dienstag eine massive Behinderung der OSZE im Krisengebiet. Beobachter der Organisation seien erneut nicht in die Kampfzone gelassen worden. Vize-OSZE-Missionschef Alexander Hug erklärte, die Beobachter seien nicht nach Debalzewe gelangt, weil keine Sicherheitsgarantien gegeben worden seien. "Alle Seiten versuchen offenbar, bei Kämpfen neue Tatsachen zu schaffen, aber das widerspricht dem Geist des Minsker Abkommens", sagte der Schweizer.

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