Fr, 15. Dezember 2017

Augenblicke

16.02.2015 11:33

Die Narren feiern ihr Hochamt

Der heutige Faschingsdienstag ist der goldene Abschluss der närrischen Zeit. In der Steiermark reicht die Faschingstradition weit zurück und ist mit einzigartigem Brauchtum verbunden. Eine Fahne aus dem Ausseerland, die mit 1767 datiert ist, dürfte das älteste „närrische“ Dokument sein.

Bereits vor 5000 Jahren wurden in Vorderasien karnevalsähnliche Feste gefeiert. Meist handelte es sich um heidnische Fruchtbarkeitsrituale, bei denen Menschen sich als Götter verkleideten. Im 12. Jahrhundert begann sich diese Tradition auch in den christlichen Regionen zu verbreiten.

Fasching seit 5000 Jahren

Das Wort „Fasching“ stammt vom mittelhochdeutschen Wort für „Fassausschank“ ab und nimmt Bezug auf die Fastenzeit, der er vorangeht. Der exzessive Lebensstil vor den Tagen der Enthaltsamkeit hatte logische Gründe: Verderbliche Lebensmittel mussten aufgebraucht werden. Fettige Krapfen und Umtrünke sind die Spitze dieses lukullischen Eisbergs.

Aber die Faschingszeit war auch ein psychologisches Ventil: In der fünften Jahreszeit wurden die Herrschaftsstrukturen, in denen die Menschen lebten, aufgebrochen: In Verkleidungen konnten man den Obrigkeiten die Leviten lesen und sich über die moralischen Vorgaben der Kirche hinwegsetzen. Immer wieder versuchten Kirche und Adel die Ausschweifungen zu unterbinden – ohne Erfolg.

Altes Brauchtum in der Steiermark

In den verschiedenen Regionen der Steiermark entwickelten sich verwandte, aber doch einzigartige Faschingsbräuche. Besonders groß ist die Vielfalt in der Oststeiermark: „Sauschädel-Stehlen“, „Fleischsammeln“ und das „Faschingsnarren-Spiel“ zählen zu den traditionellen Bräuchen. In weiten Teilen der Steiermark sind noch heute „Blochziehen“ und „Pflugziehen“ beliebt und in Pöllau am Grein gibt es zudem alle fünf Jahre das „Bärenjagen“. Sehr weit in die Vergangenheit lässt sich der Ausseer Fasching nachverfolgen. Neben den Flinserln und Plessn zählen die Trommelweiber zu den traditionellen Figuren. Sie führen eine mit 1767 datierte Fahne, die als ältestes Faschingsdokument der Steiermark gilt. Und die aufwändig inszenierten Murauer Faschingsrennen stehen seit 2011 sogar auf der Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Generell beginnt der Fasching am 7. Jänner. Nach dem 2. Weltkrieg verbreitete sich aber auch hiezulande die Rheinische Faschingskultur und damit etablierte sich der 11. 11., 11.11 Uhr, als Startschuss für die närrische Zeit. Auch die kabarettistischen Faschingssitzungen kamen in dieser Zeit in Mode. In Schladming wurde 1953 die erste steirische Faschingsgilde gegründet.

Höhepunkt in den 60er und 70er-Jahren

Den Höhepunkt erlebte die Faschingskultur in den 1960er und 70er-Jahren. Ab 1966 gab es am Faschingsdienstag in Graz öffentliche Aktionen, an denen meist Kabarettisten beteiligt waren. 1969 etwa traten Karl Farkas und Elly Naschold auf dem Hauptplatz als Reeder Onassis und seine Gattin Jacky Kennedy auf. 1970 dann fand der erste große Faschingsumzug in Graz statt. Bis zu 100.000 Menschen beteiligten sich in den folgenden Jahren daran – in letzter Zeit hat das Interesse jedoch merklich nachgelassen. Die traditionellen Bräuche hingegen erfreuen sich vielerorts wieder größerer Popularität.

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