Mi, 22. November 2017

Versuch in Holland

16.02.2015 09:17

Lehrmodell: iPad-Schüler in der Steve-Jobs-Schule

Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein großer Indoor-Spielplatz, erst auf den zweiten stellt sich heraus, dass es sich bei "De Ontplooiing" in Amsterdam um eine Schule handelt. Hierher kommen die Schüler nicht mit Schulheften, sondern mit einem iPad. Familienministerin Sophie Karmasin hat eine von mittlerweile über zwanzig solcher Schulen in den Niederlanden besucht.

In den Gängen zwischen den recht gemütlich eingerichteten Räumlichkeiten, die partout nicht Klassenzimmer heißen, tummeln sich die Kleinen - in der Hand ein IPad und große Kopfhörer, die sie cool um den Hals geschlungen tragen oder hinter sich herschleifen. Klassen, wie man sie aus den heimischen Schulen kennt, gibt es in der Steve-Jobs-Schule "De Ontplooiing" nicht.

Schüler lernen und spielen mit Apps
In den Zimmern können die Schüler lernen oder auch spielen. Gelernt werden etwa Mathematik und Sprachen vorrangig mit Apps auf dem iPad. Lehrer unterstützen die Kinder und erarbeiten mit ihnen in Projekten etwa die Geschichte oder Geografie. Lesebücher gibt es trotzdem. Frontalunterricht hingegen nicht, und auch keine Schreibschrift.

Schreiben lernen die Kinder nur in Blockschrift, diese brauchen sie schließlich auch zum Lesen am Computerbildschirm, erklärte Vorsitzender und Mitgründer Maurice de Hond. Ursprünglich wollte de Hond nur eine neue Schule für seine kleine Tochter als Vorzeigemodell errichten, sie ist heute fünf Jahre alt.

"Wir bereiten nicht auf die Zukunft vor"
De Hond erklärt, was ihn am herkömmlichen Schulmodell abschreckt: "Wir unterrichten Kinder genauso wie vor 25 Jahren. Aber wir bereiten sie nicht auf die Zukunft vor, sondern auf die Vergangenheit. Die Zeit hat sich verändert", verwies er auf neue Technologien. iPad-Schulen gibt es nun bereits über 20 in den Niederlande. Anfragen und Besucher kommen aber heute aus der ganzen Welt.

"Ontplooiing" heißt "Aufblühen", und dementsprechend stehe das Kind und seine Entwicklung im Zentrum. Für jedes wird ein individueller Entwicklungsplan erstellt. Eltern und Lehrer erhalten laufend Informationen über das Fortkommen, alle sechs Wochen trifft man sich zum Gespräch. Überhaupt seien die Eltern stark involviert, so de Hond. Jeder kann sich mit seinen Fähigkeiten einbringen und Workshops gestalten - sei es etwa über das Bankwesen oder eine Yogastunde.

Finanziert wird die Schule öffentlich, pro Kind sind es rund 5.500 Euro, auch für das Gebäude kommt die öffentliche Hand auf. In der Schule tummeln sich 75 Kinder und vier Lehrer, außerdem gibt es zusätzliche Kinderbetreuer.

Kinder wollen sogar am Samstag zur Schule
Die Schule wird von Kindern zwischen vier und zwölf Jahren besucht. Da sie noch recht jung ist - die erste Einrichtung wurde im August 2013 gegründet-, gibt es noch keine Erfahrung über den Wechsel der Zwölfjährigen an reguläre Schulen. De Hond zieht aber bereits jetzt eine sehr positive Bilanz: "Die Kinder sind glücklicher. Manche fragen am Samstag, ob sie in die Schule gehen dürfen." Von den Kindern werde viel Eigenverantwortung und Unabhängigkeit gefordert. De Hond räumte ein, dass dies nicht für alle Kinder passt.

Zufriedener seien auch die Lehrer, die im bestehenden Schulsystem zunehmend frustriert gewesen seien. Eine junge Pädagogin meinte zwar, dass es oft eine große Herausforderung sei, da jedes Kind einen eigenen Entwicklungsplan hat. Als Lehrerin mag sie aber auch die Abwechslung. Pädagogen sind am Nachmittag bis 17 Uhr anwesend und stehen den Kindern für ihre Fragen zur Verfügung.

Der Name "Steve Jobs" wurde laut de Hond übrigens als Anerkennung für dessen Innovationsgeist gewählt. Von der Witwe des verstorbenen Apple-Gründers habe es dazu ein Okay gegeben.

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