Mo, 20. November 2017

„Kaum zu glauben“

15.02.2015 20:27

Botschafter schildert Augenblick des Horrors

Der französische Botschafter in Dänemark, Francois Zimeray, hat den Anschlag auf das Kulturcafé in Kopenhagen als intensiven Augenblick des Schreckens mitbekommen. "Ich bin mit dem Fahrrad angekommen, also auf dänische Art, und bin in einem gepanzerten Fahrzeug wieder abgefahren", berichtete Zimeray am Sonntag der Pariser Zeitung "Le Monde". "Ich habe ein Umkippen der Gesellschaft erlebt", so der Diplomat.

Die Schüsse im Café bei der Podiumsdiskussion über Pressefreiheit am Samstag fielen, kurz nachdem Zimeray als Ehrengast gesprochen und die ukrainische Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko das Wort ergriffen hatte. Zimeray spielte am Telefon den Journalisten eine Tonaufnahme vor: 40 bis 50 Schüsse aus einer automatischen Waffe sind zu hören. Sie dauern gut 20 Sekunden - eine gefühlte Ewigkeit.

"Das konnte doch nicht wieder losgehen wie in Paris!"
"Als sie sprach, haben wir plötzlich einen großen Lärm gehört", berichtete Zimeray der Zeitung "Le Journal du Dimanche". "Ich habe mir gesagt, dass ein Schrank umgekippt ist oder es sich um einen Knallkörper handelt. Aber nein. Das waren wirklich aufeinanderfolgende Schüsse. Ich habe das nicht glauben können. Das konnte doch nicht wieder losgehen wie in Paris! Doch in wenigen Sekunden war mir klar, dass wir dasselbe erleben wie bei 'Charlie Hebdo'."

Die Schüsse kommen durch die Glastür von außen. Wer kann, wirft sich spontan auf den Boden unter die Tische. Im Raum wird niemand getötet - wohl aber ein Mensch vor dem Café.

"Wir sind alle auf der Erde in Richtung Notausgang gekrochen, während die Schüsse durch die Tür weitergingen", sagte Zimeray. "Die Polizei spricht von 200 Einschüssen. Erst als ich in den Saal zurückkam, habe ich gesehen, dass es einen Toten gab."

"Wollte den Dänen für Solidarität mit Frankreich danken"
Botschafter Zimeray wollte an dem Abend den Dänen "für die wunderbare Solidarität mit Frankreich" nach dem Anschlag auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" im Jänner danken. Die Solidarität sei für ihn erstaunlich gewesen, sagt er. Als er die Ereignisse noch am Fernseher verfolgt habe, hätten sich 700 Menschen vor der Botschaft eingefunden - "in der Kälte, gekommen, um Blumensträuße und Kerzen zu bringen, um ihre Unterstützung zu zeigen".

Bei dem Täter handelt es sich um einen 22-jährigen Mann, der in Dänemark geboren wurde. Er sei den Sicherheitsbehörden bereits im Vorfeld des Anschlags bekannt gewesen, teilte die dänische Polizei am Sonntagabend mit. Der Attentäter sei durch verschiedene Straftaten wie Waffenbesitz, Gewalttaten und Bankenkriminalität aufgefallen. Sein Name wurde nicht veröffentlicht.

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